„Forschung ist meine Leidenschaft“ – Universitätsstipendiatin Fnu Shamsunnaher will in die toxikologische Forschung gehen

Ein Stipendium, viele Gesichter
Universitätsstipendiatin Fnu Shamsunnaher aus Bangladesch | Foto: Tobias Hopfgarten
Quelle: Tobias Hopfgarten
Universitätsstipendiatin Fnu Shamsunnaher aus Bangladesch
Fnu Shamsunnaher geht ihren Weg. Die junge Frau studiert Toxikologie an der Universität Potsdam und plant, bis Anfang 2022 ihren Masterabschluss zu machen. Das war nicht immer so. Denn es gab eine Zeit, am Anfang ihres Lebens, da war sie verloren. Fnu stammt aus Bangladesh, einem der größten und bevölkerungsreichsten, aber auch ärmsten Ländern der Welt. Bis heute kennt die junge Frau ihren wirklichen Namen nicht: Fnu bedeutet „First Name Unknown“. „Anders als in Europa ist das bei uns gar nicht so selten“, sagt sie.

Fnu Shamsunnahers Familie lebte in Dhaka, der Hauptstadt und Megacity des Landes. Hier konnte sie – auch dank eines Stipendiums – auf die Universität gehen und studierte Pharmazie: „Mein Kindheitstraum“, so Fnu. „Ich wollte immer schon jemand sein, der Medizin herstellt und Menschen hilft.“ Einer ihrer Cousins arbeitete in der Pharmabranche und Fnu folgte ihm nach.

Doch die Arbeit in der Medikamentenbranche war für die junge Frau erst der Beginn. „Ich wusste schon früh, dass ich in die Forschung will – und dafür ein weitergehendes Studium brauche.“ Da ein großer Teil ihrer Familie, darunter ihre Eltern und ihr Bruder, bereits seit Jahren in den USA leben, wollte auch sie dorthin. „Eine fremde Sprache, schwere Aufnahmetests – ich musste hart arbeiten, um für ein Studium angenommen zu werden. Aber ich habe mich durchgebissen und geschafft“, sagt sie stolz. 2015 bis 2017 studierte sie Biotechnologie an der Middle Tennessee State University inMurfreesboro, Tennessee. Möglich machte dies abermals ein Stipendium, für das sie sich erfolgreich beworben hatte, denn die hohen Studiengebühren, die an US-amerikanischen Universitäten üblich sind, hätte sie allein nicht bezahlen können. Schon während des Studiums merkte sie, dass sie sich besonders für die Forschungsarbeit im Labor begeisterte – und beschloss, diesen Weg weiterzugehen. Nach Europa.

2018 kam Fnu Shamsunnaher schließlich nach Potsdam, um ihre wissenschaftliche Ausbildung fortzusetzen. Außerdem war ihr Mann bereits zwei Jahre zuvor nach Berlin gekommen, um hier zu studieren. „Zwei Jahre getrennt zu sein, war nicht einfach“, sagt sie. „Aber wir haben es geschafft.“ Und ein weiteres Mal fing die junge Wissenschaftlerin in der Fremde neu an: belegte ein Jahr Deutschkurse und schrieb sich für den Master in Toxikologie an der Universität Potsdam ein. Gelockt habe sie der beeindruckende Anblick der historischen Gebäude der Communs am Neuen Palais. Geblieben ist sie wegen der Qualität des Studiums. „Ich liebe das hervorragend strukturierte Curriculum, die sehr gute Lehre – und die hervorragende Forschungsarbeit“, sagt die angehende Toxikologin. „In Bangladesh, aber teilweise auch an meiner Uni in den USA waren viele Arbeiten im Labor noch Handarbeit. Hier sind die Labore technisch auf dem neuesten Stand und die Arbeit macht enorm Spaß.“

Alles lief nach Plan. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Kurse fanden notgedrungen online und auf Distanz statt, manche Laborpraktika fielen sogar ganz aus, müssen wiederholt werden, sodass die Studiendauer sich verlängert. Eine Stütze, die half, dies aufzufangen, war das Potsdamer Universitätsstipendium, das die Studentin seit Oktober 2020 bekommt. Ihr Stipendium wird von Frau Dr. Gundula Lambrette gestiftet. Die Stifterin bietet Fnu damit nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern greift ihr auch ideell unter die Arme, indem sie der Studentin auf dem digitalen Weg Deutschunterricht gibt. „Ein echter Lebensretter“, sagt sie. Dass für die Vergabe nicht nur ihre Bestnoten ausschlaggebend waren, sondern auch danach gefragt wurde, ob sich die Bewerberinnen und Bewerber neben ihrem Studium engagieren, findet sie wichtig. Umso stolzer ist sie darauf, eines der Stipendien, die an der Uni Potsdam vergeben werden, erhalten zu haben. Inzwischen ist Fnu Shamsunnaher wieder weitgehend auf dem richtigen Weg. Anfang 2022 hofft sie, ihren Abschluss in der Tasche zu haben. Und danach? „Ich möchte in einer Biotechnologiefirma arbeiten, in der toxikologischen Forschung“, sagt sie. „Das ist meine Leidenschaft.“

Das Potsdamer Universitätsstipendium

Werden Sie Bildungsbotschafter für die Uni Potsdam und geben Sie Studierenden die Chance zu wachsen

Während wir uns vorsichtig auf die anstehenden Sommerferien freuen, fragen sich viele Studierende, wie sie das nächste Semester finanzieren sollen. Daher hat die Uni Potsdam die Aktion „Bildung statt Blumen“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, zum 30. Geburtstag der Universität 30 Jubiläumsstipendien für in finanzielle Not geratene Studierende einzuwerben. Jede Spende wird vom Bund verdoppelt und kommt zu 200 Prozent bei den Betroffenen an. Unsere Bitte: Werden Sie unsere Botschafter, indem Sie über diesen Aufruf in Ihrem Unternehmen, mit Freunden oder Mitgliedern Ihres Vereins sprechen. Schließen Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen zusammen und fördern Sie mit einem Jubiläumsstipendium gezielt Studierende eines bestimmten Studienfachs. Jeder Beitrag zählt und ist ein schönes Geburtstagsgeschenk für die Universität.
https://www.uni-potsdam.de/universitaetsstipendium/bildung-statt-blumen

Studierende können sich bis zum 25. Juli auf ein Potsdamer Universitätsstipendium bewerben

Vom 1. Juli bis 25. Juli 2021 findet die Bewerbungsphase für das Potsdamer Universitätsstipendium im Rahmen des Deutschlandstipendien-Programms statt. Die Höhe des Stipendiums beträgt 300 Euro monatlich und wird jeweils zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und Mitteln von privaten Förderern finanziert. Die Stipendien werden zum Wintersemester 2021/22 für ein Jahr vergeben. Bewerben können sich alle immatrikulierten Studierenden jeglicher Fachrichtungen unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien. Besonders lohnt sich die Bewerbung auf eine unserer neuen Denkfabriken. Weitere Informationen und den Link zur Online-Bewerbung finden Sie hier:
https://www.uni-potsdam.de/universitaetsstipendium/bewerbung