33 Fragen an die Psychologin Prof. Dr. Barbara Krahé

Prof. Dr. Barbara Krahé | Foto: Sandra Scholz
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Quelle: Sandra Scholz
Prof. Dr. Barbara Krahé
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Prof. Dr. Barbara Krahé

Ist Gewalt links oder rechts verortet? Sexuelle Aggression geschlechterspezifisch? Inwiefern prägt das „Tatort“-Verbrechen Krimi-Konsumenten? In Zeiten von Protestgewalt und Pandemie gewinnt die Aggressionsforschung an Bedeutung. Daher haben wir in dieser Ausgabe der „Portal Wissen“ Barbara Krahé, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Potsdam, befragt, welche Themen sie professionell wie persönlich in den vergangenen Monaten beschäftigten. Ob für sie am Ende das Gute oder das Böse siegt, lesen Sie in diesem Interview der Rubrik „33 Fragen an …“

1. „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“?

Weder noch. Ich schaue mir nicht freiwillig und zur Unterhaltung Gewalt im Fernsehen an.

2. Was fasziniert so viele Menschen jeden Sonntag am Verbrechen?

Die Spannung, die dadurch entsteht, dass man in der Sicherheit des heimischen Wohnzimmers gefährliche Tabubrüche beobachten kann. Und die Menschen meinen womöglich, sie könnten etwas Nützliches für das eigene Leben erfahren. Studien zeigen, dass regelmäßige Krimi- Konsumentinnen und Konsumenten die tatsächliche Häufigkeit von Mord und Totschlag in ihrem Land signifikant überschätzen, sodass man entsprechend der bekannten „Kultivierungshypothese“ sagen kann, dass Krimis das Weltbild der Zuschauerinnen und Zuschauer prägen.

3. Gewalt als Unterhaltung: Wie sieht die Mediennutzungsforschung das Phänomen?

Die Forschung sieht die Darstellung von Gewalt in den Medien ganz überwiegend kritisch, und das auf einer breiten empirischen Basis. Dabei geht es nicht nur darum, den Zusammenhang von Mediendarstellungen von Gewalt mit aggressivem Verhalten zu belegen, sondern auch schlüssig die psychologischen Prozesse aufzuzeigen, die ihn erklären können. Wer regelmäßig Mord und Totschlag im Fernsehen sieht oder immer realistischere Avatare auf dem Bildschirm tötet, stumpft gegenüber Gewalt ab, lernt, dass Gewalt zum Erfolg führen kann, und aktiviert leichter aggressive Gedanken und Gefühle im realen Leben. Auch wenn der Konsum von Mediengewalt natürlich nicht der einzige Risikofaktor für aggressives Verhalten ist, kann er von der Größenordnung her mit den meisten anderen anerkannten Risikofaktoren mithalten.

4. Ab welchem Alter sollten wir in unserer Gesellschaft mit der Förderung von Medienkompetenz beginnen?

So früh es geht, denn schon die Kleinsten zählen ja zu den eifrigen Mediennutzerinnen und -nutzern. Zu Beginn geht es vor allem darum, den Konsum zu begrenzen, sodass genügend Zeit für andere Aktivitäten bleibt, die Spaß machen. Und natürlich müssen Eltern auf kindgerechte Inhalte achten. Dabei darf Gewalt keinen Platz haben, auch – oder gerade – dann nicht, wenn sie in Humor verpackt daherkommt.

5. Gibt es eine Perspektive, die Aggression als positiv konnotiert?

Im Alltagssprachgebrauch wird der Begriff „aggressiv“ bisweilen mit positiver Bedeutung verwendet, etwa im sportlichen Kontext im Sinne von „angriffslustig“ oder „durchsetzungsstark“. In der Sozialpsychologie besteht jedoch Einigkeit, dass Aggression als Verhalten definiert ist, das in der Absicht ausgeführt wird, anderen Schaden zuzufügen, und es sich somit um eine Form des negativen, antisozialen Verhaltens handelt.

6. Gibt es zwischen Menschen und den übrigen Säugetieren Unterschiede in punkto Aggression?

Die Schädigungsabsicht, die das entscheidende Definitionskriterium menschlicher Aggression ist, setzt einen komplexen kognitiven Prozess voraus, in dem die Handelnden die potenziell schädigenden Folgen ihres Verhaltens antizipieren und sich dennoch dafür entscheiden. Diesen Prozess kann man auf tierisches Verhalten nicht einfach übertragen. Auch Konrad Lorenz’ populäres Dampfkesselmodell, das auf tierisches Verhalten passen mag, aber zur Erklärung menschlicher Aggression aus mehreren Gründen ungeeignet ist, unterstreicht diesen Punkt. Interessant ist aber, dass auch Tiere Mechanismen entwickelt haben, die innerartliche Aggression zu begrenzen, wie z.B. Unterwerfungsrituale bei Kämpfen um eine Rangordnung.

7. Wie kompensieren Sie selbst Momente der Aggression?

Auch wenn es nicht immer gelingt, versuche ich mein theoretisches Wissen heranzuziehen, um in entsprechenden Situationen ruhig zu bleiben und Ärger herunterzuregulieren. Etwa darüber, positive Gedanken und Gefühle zu aktivieren, die mit Ärger inkompatibel sind, oder zu versuchen, die Situation aus der Sicht der anderen Person zu verstehen.

8. Wie lässt sich Aggression empirisch abbilden?

Verhalten, das andere schädigt, gezielt auszulösen, ist forschungsethisch nicht vertretbar. Deshalb ist man im Experiment auf Proxy-Maße der Aggression angewiesen, die eine Schädigungsabsicht abbilden, z.B. einer anderen Person (vermeintlich) eine schlechte Bewertung bei einer für sie wichtigen Aufgabe zukommen zu lassen. Weiterhin kann Aggression im natürlichen Kontext beobachtet werden, z.B. in der Schule, durch Selbstberichte oder in Opferbefragungen erfasst und aus Archivdaten, wie z.B. der Kriminalstatistik, abgelesen werden.

9. Ist Aggression ein regional unterschiedliches Phänomen?

Es gibt große Unterschiede zwischen Kulturen, aber auch zwischen historischen Epochen. Aggression ist eine soziale Konstruktion, d.h., Kulturen und Epochen entscheiden durch sozialen Konsens, welche Verhaltensweisen sie als Aggression bezeichnen wollen und welche nicht. Noch heute gilt es in verschiedenen Kulturen als Recht von Männern, ihre Frauen körperlich zu züchtigen, und auch unsere Gesellschaft hat bis 1997 gebraucht, um die Vergewaltigung in der Ehe oder von männlichen Opfern als Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung anzuerkennen.

10. Ist sexuelle Aggression geschlechterspezifisch?

Ja, das ist sie eindeutig. Die Wahrscheinlichkeit, sexuell aggressiv zu handeln, d.h., eine andere Person gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen zu bringen, ist für Männer erheblich größer als für Frauen. Aber auch Männer können – wie u.a. unsere Forschung zeigt – Opfer sexueller Aggression werden, von Frauen wie von Männern. Dieses Problem sollte nicht übersehen werden.

11. Was triggert einen jungen Erwachsenen besonders, eine sexuelle Aggression zu entwickeln?

Das frühe Erwachsenenalter ist ein Entwicklungsabschnitt, in dem viele neue Verhaltensweisen ausprobiert und Regeln infrage gestellt werden. Eine kritische Bedeutung kommt dem Alkoholkonsum zu, der in weit mehr als der Hälfte sexueller Übergriffe eine Rolle spielt, aber auch die Unerfahrenheit in der Kommunikation sexueller Absichten und in der Respektierung von Grenzen.

12. Auf welchem Thema liegt der Fokus Ihrer aktuellen Forschung?

Wir führen gerade die dritte Erhebungswelle zur Evaluation des von der DFG geförderten Präventionsprojekts KisS („Kompetenz in sexuellen Situationen“) durch, das wir in meinem Team entwickelt haben. Wir hoffen zu finden, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unserem Programm, größtenteils Studierende der Uni Potsdam, über den zweijährigen Follow-Up-Zeitraum seltener sexuelle Opfererfahrungen machen oder selbst sexuell aggressives Verhalten zeigen und in einer Reihe von Kompetenzaspekten besser abschneiden als die Teilnehmenden in der Kontrollgruppe.

13. Gibt es in 2020 neue Themen, die Sie aufgrund der Pandemie in der Aggressionsforschung beschäftigen?

In der Tat werde ich aktuell oft gefragt, welchen Beitrag die Aggressionsforschung in der Pandemie-Zeit leisten kann. Ich denke, sie kann einerseits zu einem besseren Verständnis der Belastungen und ihrer Folgen beitragen. Etwa indem sie aufzeigt, unter welchen Bedingungen Frustrationen, die wir ja alle in erheblichem Maße erleben, besonders stark Ärger und Aggression auslösen oder leichter zu ertragen sind. Daraus lassen sich Ansätze zur Abfederung der negativen Effekte ableiten, wie z.B., dass frustrationsbedingter Ärger geringer ausfällt, wenn man die Frustration als unabsichtlich oder unvermeidlich ansieht. Sorge bereitet mir auch der Anstieg der häuslichen Gewalt. Hier kann die Aggressionsforschung das theoretische Wissen bereitstellen, riskante Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und diese sozialen Kosten der Pandemie in die Abwägung von Maßnahmen einzubeziehen.

14. Was sind aktuell die drängendsten drei Fragen zu Protestgewalt?

Ich denke, sie betreffen ganz besonders die Proteste im Zusammenhang mit der Covid19-Pandemie, und würde diese drei Fragen nennen: (1) Mit welchen wirksamen Strategien können wir Menschen davon abbringen, an Fake News und Verschwörungstheorien zu glauben und gezielt Regeln zu brechen, die evidenzbasiert für sinnvoll gehalten werden? (2) Wie können wir eine potenziell explosive Polarisierung der Gesellschaft im Hinblick auf den Umgang mit der Covid19-Gefahr vermeiden? (3) Wie viel an persönlichen Einschränkungen und Verzicht kann man den Bürgerinnen und Bürgern zumuten, bevor es zu massenhaften und gewalttätigen Protesten kommt, wie wir sie an einigen Orten in Europa schon gesehen haben?

15. Wo ist Gewalt mehr verortet – links oder rechts?

Das kann – und sollte – man nicht gegeneinander aufrechnen. Gewalt ist als Ergebnis immer zu verurteilen, und sowohl linke als auch rechte Ideologien produzieren Feindbilder, die Gewalt legitimieren und den sozialen Frieden untergraben. Als Gesellschaft müssen wir daher wachsam sein für Gewalt aus beiden dieser etwas plakativ gegenübergestellten Richtungen. Unstrittig ist jedoch, dass das jeweils vorherrschende gesellschaftliche Klima eine wichtige Rolle dabei spielt, wieviel Aufmerksamkeit der Gewalt von rechts und von links entgegengebracht wird. Dass man in der jüngeren Vergangenheit zu wenig auf die Gefahr rechter Gewalt geachtet hat, wird man kaum bestreiten können. Und wir sehen aktuell nicht nur in unserem Land, wie das zum Erstarken von Bewegungen führen kann, die die Gesellschaft spalten.

16. Wo liegt der größte Unterschied zwischen häuslicher Gewalt und Gewalt im öffentlichen Raum, wie bspw. auf einer Demonstration?

Darin, dass häusliche Gewalt im Verborgenen geschieht, oft über lange Zeit unentdeckt bleibt und zwischen Menschen passiert, die sich eigentlich in Liebe und Fürsorge verbunden sein sollten. Das macht sie besonders bedrückend.

17. Die erste und letzte Demo, auf der Sie selbst anwesend waren?

Ich hatte immer ein schwieriges Verhältnis zu diesem Instrument der Herbeiführung gesellschaftlicher Veränderungen, deshalb war meine Teilnahme an einer Demonstration im Bonner Hofgarten gegen die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland und den Nato-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren meine erste und gleichzeitig auch letzte Aktivität in diesem Bereich.

18. Was war auf Ihrem Weg als Wissenschaftlerin ein Schlüsselmoment?

Als mir klar wurde, dass es keinen anderen Beruf gibt, in dem man sich in gleichem Ausmaß die Fragen und Aufgaben selbst stellen darf. Den damit untrennbar verbundenen Nachteil, dass es daher auch keinen klar definierten Zeitpunkt gibt, zu dem die Arbeit getan ist oder man eine Pause einlegen kann, habe ich erst im Laufe der Zeit erkannt. Trotzdem würde ich sagen, dass die Vorteile die Nachteile bei Weitem überwiegen.

19. Was ist Ihr Lieblingszitat?

Das Motto, das mir mein Großvater als Lateinlehrer mit auf den Weg gegeben hat: „Suaviter in modo, fortiter in re“, in freier Übersetzung: „verbindlich im Ton, aber standhaft in der Sache“.

20. Wer ist Ihr Vorbild?

Hier eine Punktlandung bei einer Person zu machen, fällt mir schwer. Aber anknüpfend an das gerade genannte Motto möchte ich Frau Prof. Bärbel Kirsch nennen, mit der ich viele Jahre, und besonders intensiv in der Phase des Aufbaus des Instituts und der damals noch PhilFak II genannten Fakultät zusammengearbeitet habe und die diese Haltung für mich immer in vorbildlicher Weise verkörpert hat.

21. Am Campus oder lieber im Homeoffice?

Lieber im Homeoffice, auch schon vor Corona, weil ich dort ungestörter denken und schreiben kann.

22. Analog oder digital Zeitung lesen?

Lieber analog, auch wenn es schade ist, dass in meiner lokalen Tageszeitung immer mehr Online-Artikel hinter einer Bezahlschranke verschwinden.

23. Was bedeutet Erfolg für Sie?

Eine Aufgabe, an der ich lange gearbeitet habe und von der ich mir zeitweilig nicht vorstellen konnte, dass sie jemals fertig werden würde, schließlich zu einem guten Abschluss zu bringen, mit dem ich auch nach einiger Zeit noch zufrieden bin. Dieses gute Gefühl wünsche ich mir auch für die gerade erschienene dritte Auflage meines Lehrbuchs der sozialpsychologischen Aggressionsforschung.

24. Was war Ihr größter Misserfolg?

Hier fällt die Auswahl nicht leicht, aber wenn ich in mich hineinhorche, kommt eine Erfahrung besonders schnell an die Oberfläche: Dass es mir vor einigen Jahren nicht gelungen ist, die Hochschulleitung davon zu überzeugen, dass es keine gute Motivationsstrategie ist, das Einwerben eines Forschungsfreijahres bei der DFG mit dem entsprechenden Beitrag zur Drittmittelbilanz damit zu „honorieren“, die Wartezeit bis zum nächsten regulären Forschungssemester um ein Jahr zu verlängern.

25. Welchen Rat würden Sie jungen Nachwuchswissenschaftlern mit auf den Weg geben?

Ich würde junge Forscherinnen und Forscher ermutigen, sich in ihrer Themensuche und in ihren Forschungsprogrammen nicht durch taktische Überlegungen oder äußere Vorgaben beeinflussen zu lassen, sondern ihren eigenen Interessen zu folgen. Und ich würde sie ermuntern, so schnell wie möglich Teil der internationalen Community in ihrem Gebiet zu werden, sich mit Forschenden aus aller Welt zu vernetzen, in gemeinsame Projekte zu investieren und Verantwortung als Gutachterinnen und Gutachter sowie Herausgeberinnen und Herausgeber von Zeitschriften zu übernehmen. Mit Enttäuschung beobachte ich seit einiger Zeit, dass dieses Engagement in den Anreizstrukturen meiner Fakultät immer weniger gewürdigt wird, was ich als Schritt in die Provinzialität und schlechtes Signal an den wissenschaftlichen Nachwuchs sehe.

26. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am besten?

Die Freiheit, die Fragen und Ziele der eigenen Forschung selbst zu definieren und unabhängig und ergebnisoffen untersuchen zu können.

27. Wann hat Wissenschaft zuletzt Ihr Leben verändert?

Durch die Entwicklung digitaler Kommunikationsformen, die es mir möglich macht, am Leben meiner Kinder und Enkel auch über große Distanzen in Echtzeit und mit Bild und Ton Anteil zu nehmen. In der aktuellen Situation ist das besonders wichtig.

28. Mit wem würden Sie gerne einmal gemeinsam forschen?

Mit Terrie Moffitt, einer der führenden Forscherinnen hinter der weltberühmten Dunedin-Studie, die seit fast 50 Jahren eine große Stichprobe von der Kindheit bis ins mittlerweile fortgeschrittene Erwachsenenalter verfolgt und ihre Entwicklungsverläufe in unterschiedlichen Bereichen, einschließlich des aggressiven Verhaltens, untersucht.

29. Welche Entdeckung hätten Sie selbst gern gemacht?

Die Entdeckung der dramatischen Folgen, die die fehlende Bindung eines Babys an eine verlässliche Bezugsperson für den gesamten weiteren Lebensweg nach sich zieht. Sie ist Mary Ainsworth und John Bowlby in den 1950er Jahren gelungen und stellt die Basis der heutigen Bindungsforschung dar.

30. Was ist für Sie ein Ausgleich zum Arbeitsalltag in der Freizeit?

Meine Familie, tägliche Spaziergänge und ein reges Interesse an Fußball, insbesondere in schwarz-gelb.

31. Welches Buch, das Sie kürzlich gelesen haben, ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Mit Genuss habe ich in letzter Zeit den Roman „Eva schläft“ von Francesca Melandri gelesen, in dem die wechselvolle politische Geschichte meiner Lieblingsurlaubsregion Südtirol im 20. Jahrhundert verwoben mit einer facettenreichen Familiengeschichte erzählt wird.

32. Was sind Ihre Ziele „nach der Uni Potsdam“?

Zu denen gehört, mein bereits erwähntes DFG-Projekt zur Prävention sexueller Aggression bei jungen Erwachsenen zu einem guten Ende zu bringen und einige neue Schreibprojekte in Angriff zu nehmen. Und ich hoffe, eine Projektidee verwirklichen zu können, die mir schon lange vorschwebt: einen schön aufgemachten Bildband zum Thema „Aggressive Hinweisreize“, um zu zeigen, wie präsent und populär Gewalt in unserem Alltag ist, vom Küchenradio in Pistolenform bis zum Salz- oder Pfefferstreuer im Design einer Handgranate.

33. Siegt in Ihren Augen am Ende das Gute oder Böse?

Ich glaube, diese Frage ist zu einfach. Das Gute und das Böse werden immer gleichzeitig existieren, und die Balance wird zwischen Personen ebenso wie zwischen Situationen, Regionen und Epochen variieren. Wir müssen daran arbeiten, das Gute zu stärken und dem Bösen die Grundlage zu entziehen. Als Optimistin sage ich, das kann gelingen, wenn man die Verantwortung jedes Einzelnen für seine Nächsten und das Gemeinwesen stärkt, und als Sozialpsychologin fällt mir auch eine Reihe von Wegen ein, über die das gelingen kann. Als Realistin muss ich allerdings sagen, dass auf diesen Wegen viele Hindernisse liegen, die nicht leicht zu überwinden sind.

Die Forscherin

Prof. Dr. Barbara Krahé ist seit 1993 Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Potsdam. Zuvor war sie u.a. mehrere Jahre an der University of Sussex, Großbritannien, tätig. Für ihre Leistungen auf dem Gebiet der Sozialpsychologie, insbesondere der Aggressionsforschung, erhielt sie 2015 den Deutschen Psychologie Preis. Derzeit ist sie Präsidentin der International Society for Research on Aggression (ISRA). Mit dem Ende des Wintersemesters 2020/21 beendet sie ihre Tätigkeit an der Universität Potsdam.
E-Mail: kraheuni-potsdamde


Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal Wissen - Eins 2021 „Wandel“ (PDF).