Die Grenzen des Digitalen liegen im Zwischenmenschlichen – Ein digitaler Arbeitstag in der Studienberatung

Avatare von Christoph Beier und Nadine Grzeszick auf virtueller Messe | Foto: Goethe-Institut Izmir
Quelle: Goethe-Institut Izmir
Avatare von Christoph Beier und Nadine Grzeszick auf virtueller Messe

8:45 – 10 Uhr – Dienstberatung von Christoph Beier

Unsere wöchentliche Dienstberatung des Referats sprang mit Corona vom Campus in den digitalen Raum. Gleich zu Beginn der Krise gingen alle Kolleginnen und Kollegen ins Homeoffice, sodass ein wöchentliches Zoom-Meeting notwendig wurde. Nach den letzten Monaten kann ich sagen, dass sich das kommunikative Miteinander verändert hat. Wir vermissen die menschliche Nähe sowie das persönliche Gespräch im Flur sehr. Lustige Situationen entstehen natürlich vor allem, wenn während eines Zoom-Meetings auf einmal Mitmenschen im Homeoffice einen Auftritt bekommen, die gar nicht Teil des Teams sind.

9 – 11 Uhr – Web-Seminar von Vera Yu und Magdalena Vock

VY: Bei der digitalen Info-Veranstaltung „Auf die Plätze, Studium, los!“ zur Orientierung und Entscheidung rund ums Studium loggten sich viele Nutzerinnen und Nutzer ein, hatten ihre Kameras und Mikrofone jedoch ausgeschaltet. Um Reaktionen von den Studieninteressierten zu erhalten, haben wir im Web-Seminar alles proaktiv erfragt, bspw. Umfrage-Tools und Handzeichen. Ich werde mich aber nie daran gewöhnen können, dass mir im Digitalen keine Gesichter mit Mimik und Gestik begegnen.

MV: Bei der Vorstellung des Workbook zur Studienorientierung habe ich hingegen festgestellt, dass das Interaktive auch im digitalen Raum gelingen kann: So setzte ich bspw. Übungen ein, bei denen die Teilnehmenden ihre Antworten in einen Chat schrieben, was wunderbar klappte. Als vorteilig empfinde ich vor allem die Niedrigschwelligkeit vieler digitaler Methoden sowie die Freisetzung kreativer Potenziale, um neue Lösungen zu finden.

10 – 11 Uhr – Zoom-Sprechstunde von Bettina Hertrich

Zu Beginn des digitalen SoSe hörte man Unsicherheiten, aber auch eine gewisse Neugierde und Aufgeschlossenheit seitens der Studierenden in den Zoom-Gesprächen. Ähnlich wie unser Team haben sie sich schnell mit der Technik vertraut gemacht und das Neue als Chance betrachtet. Nahezu selbstverständlich und unvermittelt stellen Ratsuchende nun ihre Fragen: Mal zeigen sie sich in ihrem Kinder- oder Wohnzimmer, dann rauscht die Straßenbahn im Hintergrund vorbei. Der Inhalt unserer Gespräche – ob analog oder digital – ist größtenteils identisch geblieben. Die Informationsweitergabe gelingt über Zoom sehr gut. Aber Entscheidungsgespräche führen, trösten, gemeinsam lachen sowie Aha-Momente schaffen – all das ist bislang eher analog möglich.

11 – 12 Uhr – Online-Workshop von Sarah Gummelt und Juliane Girke, Lehramtsstudentinnen Mathematik/Biologie

Derzeit veranstalten wir Online-Workshops für Schülerinnen und Schüler, die sich für den Beruf als Lehrerin oder Lehrer interessieren. Im Gegensatz zu früher, wo wir an Schulen referierten bzw. Workshops an der UP für Klassen durchführten, sind es nun nur Vereinzelte, die am Online-Workshop teilnehmen. Dafür ist unsere Zielgruppe durch Eigeninteresse und -initiative vorselektiert. Ohne Ton oder Video fehlt leider oftmals eine persönliche Basis, die Gruppenarbeiten sind deutlich eingeschränkt, aber zum Ende einer digitalen Veranstaltung findet meist doch ein reger Austausch zwischen den potenziellen künftigen Lehrerinnen und Lehrern statt!

12 – 13 Uhr – Digitale Campusführungen vom MINT-Team

Wir als MINT-Team organisierten bislang die tasteMINT-Orientierungswoche und (analoge) Workshops für Schülerinnen und Schüler, z.B. zu den Themen Roberta (Lego-Roboter, der selbst gebaut und programmiert werden muss) und Calliope (Microcontroller). Nun haben wir in den Sommerferien unter Nutzung von Zoom die ersten digitalen MINT-Workshops angeboten. Wir mussten uns mit Online-Simulationen behelfen und erstellten Videos zum besseren Verständnis. Außerdem entwickelten wir digitale ActionBound-Campusführungen, basierend auf Konzepten, die es übrigens schon vor dem Aussetzen des Präsenzbetriebs gab. Diese ergänzen die analogen Campusführungen, die bislang vor Ort mit ca. 20 Teilnehmenden durchgeführt wurden. Da die Bounds mithilfe der App von überall abgerufen und durchgeführt werden können, erhöhte sich auch der Einzugsbereich der Zielgruppe. Mit den ActionBounds können wir nicht nur bundesweit, sondern weltweit agieren. Auch wenn die App sicherlich eine Vor-Ort-Begehung nicht ersetzen kann, zeigt dieses Beispiel, dass die Digitalisierung uns auch Chancen bietet und unsere bisherigen Arbeitsmethoden bereichern kann.

14 – 15 Uhr – Insta Live Questions & Answers von Nora  Carstensen und Christian Mödebeck- Bagrowski

Bis Anfang 2020 präsentierten sich brandenburgische Hochschulen des Netzwerks Studienorientierung Brandenburg überwiegend in Workshops in Schulen vor Ort. Seit Ende März 2020 geht das Netzwerk ausschließlich online über Instagram in den direkten Kontakt mit Schülerinnen und Schülern: Neben Inhalten im Feed und den sogenannten Stories (bspw. Entscheide-Dich-Challenge) zählt dazu auch die Umsetzung von Instagram-Online-Workshops. Diese werden über Instagram Live und auch als IGTV (Video) angeboten. Die Instagram Lives werden im Durchschnitt von ca. 10–25 Prozent der Follower live angesehen. Die größte Herausforderung bei der Implementierung aller neuen Angebote war, unsere Zielgruppe auf das neue Format hinzuweisen. Durch eine zielgruppenspezifische Mail-Kampagne sowie Werbung wurden unsere Angebote Stück für Stück bekannter. Mittlerweile können acht verschiedene 30 bis 60-minütige IGTV-Videos zum Thema Studieren in Brandenburg jederzeit auf unserem Instagram Account (@deine.stubb) angeschaut werden.

15 – 20 Uhr – Virtuelle Messe mit Nadine Grzeszick, International Office

Vor der Corona-Krise haben wir pro Jahr mehrere große Präsenzmessen im Ausland besucht, bei denen wir pro Tag Hunderte Studieninteressierte an unserem UP-Stand beraten haben. Nun setzen wir in Zusammenarbeit mit dem DAAD verstärkt auf virtuelle Messen, bei denen wir Interessenten per Chat an einem virtuellen Stand beraten. Der Vorteil der digitalen Messe ist, dass weder Interessierte noch Institutionen dafür anreisen müssen. Dadurch können Teilnehmende aus verschiedenen Ländern dabei sein, auch diejenigen, die sich eine Reise ggf. gar nicht hätten leisten können! Offensichtlicher Nachteil ist, dass der Kontakt weniger persönlich ist. Und bei unserer letzten virtuellen Messe im Mai 2020 für Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und deren Nachbarländer waren zeitweise so viele Interessierte online, dass die Plattform für einige Minuten zusammenbrach ...
 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2020 „Digitalisierung“ (PDF).