Starker Nachwuchs – Vier neue Emmy Noether-Gruppen an der Universität Potsdam

Dr. Mathias Hartlieb, einer der Leiter einer Emmy-Noether-Gruppe | Foto: Tobias Hopfgarten
Quelle: Tobias Hopfgarten
Dr. Mathias Hartlieb, einer der Leiter einer Emmy-Noether-Gruppe

Sie forschen zu Alternativen für Antibiotika, zum Wassertransport in Pflanzen, dem Geheimnis zwischenmenschlicher Kommunikation und der Frage, wie sich das Verhalten von Tieren auf ihre Arten auswirkt – insgesamt vier neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppen nehmen an der Universität Potsdam ihre Arbeit auf. Das renommierte Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler und bietet ihnen die Chance, sich in der eigenverantwortlichen Leitung einer Forschungsgruppe für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.

„Mit vier neuen Emmy-Noether-Arbeitsgruppen haben wir unsere führende Rolle als junge Forschungsuniversität erneut unter Beweis stellen können“, sagt der Präsident der Universität Potsdam, Prof. Oliver Günther, Ph.D. „Gerade unsere Fokussierung auf herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hat zu den Erfolgen der vergangenen Jahre wesentlich beigetragen, und ich gehe davon aus, dass sich dieser positive Trend auch weiter fortsetzen wird. Ich wünsche den vier Kolleginnen und Kollegen für ihre Arbeit an unserer Universität alles Gute.“

Der Chemiker Dr. Mathias Hartlieb wird sich in seiner mit rund 1,6 Millionen Euro geförderten Nachwuchsgruppe „Antimikrobielle Polymere der nächsten Generation“ der wachsenden Bedrohung durch Antibiotika-Resistenzen widmen. Er will neuartige Polymere entwickeln, die als Alternative zu Antibiotika eingesetzt werden können. Ziel ist es, Antibiotika-resistente Keime zu zerstören, ohne dabei dem Menschen zu schaden. Damit hofft Hartlieb einen Beitrag zur Lösung eines Problems zu leisten, das die Weltgesundheitsorganisation WHO als „bedeutende Bedrohung für Gesundheit und menschliche Entwicklung“ bezeichnet.

Um erfolgreiche Kommunikation und wie man sie erlernt, geht es in der Nachwuchsgruppe „Scales in language processing and acquisition: Semantic and pragmatic contributions to implicature computation (SPA)“, die von der Linguistin Dr. Nicole Gotzner geleitet wird. Die Forscherin nimmt mit ihrem Team die Bedeutung skalarer Ausdrücke wie „groß“ und „riesig“ in den Blick. Das übergeordnete Ziel des Projektes ist es, ein neues Modell skalarer Bedeutungen bei Erwachsenen und Kindern zu entwickeln. Die Nachwuchsgruppe nutzt dafür eine Vielzahl von psycholinguistischen Methoden sowie theoretische und computergestützte Modellierungen. Sie wird von der DFG mit 1,4 Millionen Euro gefördert.

Dr. Ulrike Schlägel aus dem Institut für Biochemie und Biologie wird in ihrer Nachwuchsgruppe mit dem Titel „Hochskalieren von Tierbewegungen: Von individuellen Verhaltensreaktionen zu Populationsdynamiken interagierender Arten“ zeitliche Skalen in der Ökologie überbrücken. Sie erforscht, wie sich Tiere verschiedener Arten in ihrem täglichen Verhalten gegenseitig beeinflussen und wie sich dies langfristig auf deren Populationszahlen und das Bestehen der Arten auswirkt. Dazu entwickelt die Nachwuchsgruppe neue statistische Methoden, um Trackingdaten von Tieren besser auswerten zu können, aber auch neue mathematisch-modellierende Methoden zur Beschreibung von langfristigen Entwicklungen von Tierpopulationen. Die Forschung wird von der DFG mit 1,3 Millionen Euro unterstützt.

Ebenfalls am Institut für Biochemie und Biologie arbeitet die Nachwuchsgruppe von Dr. René Schneider, die sich mit der „Entschlüsselung von Proteinkomplexen zur Bildung von Zellwänden im Gefäßsystem von Pflanzen“ befasst. Der Biophysiker, der derzeit noch am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie tätig ist, erforscht mit seiner Gruppe die Stabilität und Wasserleitfähigkeit von Pflanzen, für die sogenannte Xylemzellen verantwortlich sind. Dabei kommt der Entschlüsselung von Proteinkomplexen eine entscheidende Rolle zu. Eigentlich liegen die Xylemzellen im Inneren der Pflanzen – aber mit einer Umprogrammierung von Oberflächenzellen wird es erstmals möglich, Xylemzellen und ihren stabilen Wandstrukturen beim Entstehen in-vivo zuzuschauen. Die Forschungsgruppe, die mit 1,3 Millionen Euro gefördert wird, nutzt in-vivo-, in-vitro- und computerbasierte Methoden, um die Genetik der Zellwandmuster zu erforschen. Die Identifizierung von Genen, welche die Gefäßwände an Umweltbedingungen anpassen, könnte helfen, klimafestere Pflanzenarten zu bestimmen oder sogar gentechnisch zu erzeugen.

Kontakt:
Dr. Matthias Hartlieb, Institut für Chemie, Tel.: 0331 977-5186, E-Mail: mhartliebuni-potsdamde
Webseite: www.uni-potsdam.de/en/polybio
Dr. Nicole Gotzner, Department für Linguistik, E-Mail:ngotzneruni-potsdamde
Dr. Ulrike Schlägel, Institut für Biochemie und Biologie, Telefon: 0331 977-6263, E-Mail: ulrike.schlaegeluni-potsdamde
Dr. René Schneider, Institut für Biochemie und Biologie, Telefon: 0331 567 8281, E-Mail: rschneidermpimp-golm.mpgde

Medieninformation 21-10-2020 / Nr. 095