Uni-Wort – Von Wortungetümen und strangulierten Verben

Bild eines Drachen vom japanischen Künstler Katsushika Hokusai | Foto: Wikimedia/Katsushika Hokusai
Quelle: Wikimedia/Katsushika Hokusai
Bild eines Drachen vom japanischen Künstler Katsushika Hokusai

In der Redaktion dieses Magazins existiert eine kleine Hitliste der schönsten und zugleich schaurigsten Wortungeheuer, die sich uns bei der Recherche von Themen in den Weg stellen: Problemlösungskompetenz, modalitätsspezifische Doppelaufgabeninterferenz oder auch Transferwertschöpfungsstruktur zur Sicherung der Nachgründungsunterstützung.

Nun, wir sind tapfere Ritterinnen und Ritter der geschriebenen Sprache und wissen uns in Wortgefechten mit spitzer Feder zu verteidigen. Manche dieser Scheusale aber scheinen sieben Köpfe zu haben. Kaum ist einer abgeschlagen, züngelt es schon aus dem nächsten Maul: Qualitätsentwicklungsansätze, Systemreakkreditierung, Hochschulzugangsberechtigung.

Die zwar verständliche, aber auch seltsam anmutende Hangabrutschung klingt da vergleichsweise melodisch, auch wenn sich die Autoren fragen, was wohl dem guten alten Hangrutsch auf seinem steilen Weg sprachabwärts geschehen sein mag. An welcher Stelle ist er ab-gestürzt? Und wo hat er sich das -ung eingefangen?

Aber warum sollte es ihm anders ergehen als den vielen lebendigen Verben, die nicht nur in der Wissenschaftssprache mit einer Nachsilbe stranguliert wurden. Wo Menschen einst fröhlich forschten und entwickelten, werden heute Forschungen be- und Entwicklungen vorangetrieben. Passiv natürlich. Wo kein Aktiv, da auch kein Täter. Wenn es schief geht, ist es nachher keiner gewesen.

Noch mehr erstaunt uns der zunehmende Gebrauch Verben verschlingender Komposita. Manch einer hetzt von einer Schwerpunktsetzung zur nächsten Themenfindung und sucht am Ende verzweifelt nach dem erlösenden Tätigkeitswort. Dann schlägt die Stunde der drei Hilfsverben. Oder es drängelt sich ein schnödes „machen“ dazwischen: Medikamente machen Nebenwirkungen und Leute Erfahrungen. Das lassen wir jetzt mal wirken und erzählen, was wir unlängst bei einer – oh Monster – Diskussionsveranstaltung erfahren haben. Da wurden gleich mehrfach Angebote angeboten und Untersuchungen untersucht. Macht Sinn, wenn man nur fest genug daran glaubt, dass sich ein Sinn machen lässt! Für uns jedenfalls ergibt es Sinn, den Stift zu zücken und hier und da mal etwas durchzustreichen.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2020 „Bioökonomie“.