Von alten Sorten und jungem Gemüse – Studierende gärtnern am Uni-Campus Golm

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Ernte im Studierendengarten | Foto: Lysander Rohringer
Quelle: Lysander Rohringer
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Ernte im Studierendengarten

Der Studi-Garten ist nicht auf den ersten Blick sichtbar. Aber es lohnt sich, hinter das Haus 12 auf dem Uni-Campus Golm zu gehen. Seit 2012 gibt es dort einen Gemeinschaftsgarten. Studierende aller Fächer und Semester sind an diesem Ort ganzjährig und ökologisch aktiv. Sie bauen Obst und Gemüse an, „pflegen und gießen, ernten und genießen“, wie sie selbst sagen.

„Wir richten uns an Studierende, die Lust auf Gartenarbeit und oft nicht die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten haben, Eigenes anzubauen“, sagt Lysander, einer der Aktiven. Der Studierendengarten nimmt inzwischen eine Fläche von etwa 300 Quadratmetern ein. Zu den derzeit insgesamt rund 40 Hobbygärtnerinnen und -gärtnern gehören Charlotte, Jonathan, Michael, Selina, Luzie und Isa. Sie pflanzen Gemüse und Kräuter auf Hochbeeten, legen Beete für Kartoffeln, Kürbisse, Erdbeeren und Blumen an, produzieren Saatgut. Es gibt Beerensträucher, einen Apfel- und einen Mispelbaum, Kiwi- und Traubenpflanzen. Wichtig ist den Studierenden, bei ihrer Gartengestaltung auch an das Wohl der Insekten, Vögel und anderen Tiere zu denken. Deshalb pflanzen sie Strauchgehölze, bauen Vogelhäuser, Nistkästen, Insektenhotels und legen Teiche an. „Wir sind experimentierfreudig, setzen alte Sorten, wie verschiedenfarbige Karotten, Tomaten, Bohnen und Mais, und nutzen verschiedene Anbaumethoden, wie Mischkulturen oder Fruchtwechsel in den Beeten, verzichten auf Dünger und bauen ganzjährig im Sinne eines ökologisch nachhaltigen Konzepts an“, erläutert Lysander. Die Studierenden haben viel Zeit damit verbracht, eine Kompostanlage, einen Wildzaun, einen Schuppen und eine Erdkammer als Gemüselager zu bauen und neue Strukturen der Beete zu schaffen. Bauern und Pferdebesitzer des Ortes Golm helfen, indem sie zum Beispiel Mist zur Verfügung stellen.

Seit Oktober 2019 vervollständigt ein von der Universitätsgesellschaft finanziertes Gewächshaus das Areal. Darin können unter anderem Salat, Blattkresse oder Spinat und eine Physalispflanze überwintern. Unterstützt wird das Team außerdem auch vom AStA.

Feste Mitgliedschaften oder Hierarchien gibt es im Gärtnerteam nicht, dessen „harten Kern“ ungefähr acht Personen bilden. Sie kümmern sich um die Organisation und teilen Verantwortlichkeiten auf. Daneben gibt es zahlreiche Interessierte und „Gelegenheitsgärtner“. Sie alle wollen den Garten auch in Zukunft weiterentwickeln und gedeihen lassen. Jede und jeder, auch Lehrende, sind stets willkommen. Die Türen stehen im wahrsten Sinne des Wortes offen. „Wir legen viel Wert auf gemeinsames Gärtnern. Es geht nicht um Leistung, sondern um Entspannung und Spaß an der Sache“, sagt Charlotte. Die Ernte wird unter den Helfern aufgeteilt, beim jährlichen Erntedankfest oder bei spontanen Grillfeiern wird das selbst Angebaute verspeist.

Wer mitmachen möchte, kann sich per Mail unter junger-gemuesegartengmxde melden.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2020 „Bioökonomie“.