Neu bewilligt: Das Forschungskolleg „SENSING: Zum Wissen sensibler Medien“

Kabellos vernetzt: die „smarte“ Stadt. Foto: Fotolia/jamesteohart.
Kabellos vernetzt: die „smarte“ Stadt. Foto: Fotolia/jamesteohart.

Sieben Promovierende und eine Post-Doktorandin forschen ab Oktober 2018 im Forschungskolleg „SENSING: Zum Wissen sensibler Medien“. Betreut werden sie von Professorinnen und Professoren der Universität Potsdam, der Fachhochschule Potsdam, der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Die Doktorandinnen und Doktoranden durchlaufen dabei auch eine Praxisphase bei Partnern wie dem Cornelsen Verlag, dem Auslandsrundfunk Deutsche Welle oder dem Museum für Kommunikation Berlin. Mit 1,6 Millionen Euro fördert die VolkswagenStiftung das innovative Projekt. Jana Scholz unterhielt sich mit der Sprecherin des Kollegs, Prof. Dr. Marie-Luise Angerer.

Frau Prof. Angerer, worum geht es im Projekt?

Mit dem Begriff „Sensing“ wird ein Umstand benannt, der durch medientechnische Entwicklungen in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist: Wahrnehmen und Empfinden sind nicht mehr allein Sache des Menschen. Vielfach werden Umgebungen, die „Natur“, die Körper von Menschen und Tieren informationstechnisch verbunden, um eine Kommunikation unterhalb oder jenseits der Kontrolle durch bewusste Handlungen zu unterhalten. Inzwischen regeln Maschinen eine große Menge des Datenverkehrs, ohne dass Menschen davon wissen. Doch was, und das ist die entscheidende Frage des Kollegs, was „wissen“ die Maschinen von ihren Daten, wie werden Daten zu „Wissen“ und wer macht mit diesem Wissen etwas? Mit diesen Fragen sind alle Lebensbereiche erfasst, vom privaten Haushalt über Bewegungen im öffentlichen Raum bis zu globalen Netzen. Längst sprechen wir von „empfindsamen“ Umgebungen, „twitternden“ Bäumen, „smarten“ Städten, „immersiven“ Ausstellungsräumen, an selbstfahrenden Autos wird getüftelt und die Kleidung wird immer häufiger mit wearable technology aufgerüstet. All dies funktioniert mithilfe von Sensoren.

Was sind Sensoren und was können sie?

Sensor, vom lateinischen sentire abgeleitet, bedeutet „fühlen“, „empfinden“. Das heißt, dass Sensoren abtasten, aufzeichnen und messen, um physikalische und chemische Informationen weiterzuleiten, die dann in unterschiedlichen Datenkonglomeraten ausgewertet werden.

Womit werden sich die Promovierenden beschäftigen?

Die Themen, die sie erforschen können, reichen von den noch völlig unausgeschöpften Möglichkeiten des E-Books, von zukünftigen Narrationswelten in 360 Grad-Umgebungen über Datamining in viralen Marketing-Strategien bis zu medien- und affektökologischen Aspekten von Medienprogrammierungen.

Das Forschungskolleg sieht eine Praxisphase vor. Was versprechen Sie sich davon?

“Technology is the answer. But what was the question?” Diese Frage hat der britische Architekt Cedric Price bereits 1966 formuliert, um skeptisch auf rein technische Lösungsangebote zu reagieren. Vielmehr müssen unsere Doktorandinnen und Doktoranden – und nicht nur sie natürlich – immer wieder erst mühsam dorthin gelangen, was die Frage ist, was das Problem ist, das es zu lösen gilt. Die Themen sollen mit unseren Praxispartnern aufgebaut, ausgelotet und überprüft werden, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Promotionen in die Praxisfelder rückfließen zu lassen. Beide Seiten haben also Wünsche und Erwartungen.

Wie ist das Projekt entstanden?

Prof. Dr. Birgit Schneider und Prof. Dr. Heiko Christians am Institut für Künste und Medien hatten schon vor längerer Zeit einen Entwurf für ein medienökologisches Projekt formuliert. Wir haben uns dann zusammengetan, um diesen medien- mit meinem affektökologischen Ansatz in Verbindung zu setzen und dadurch die non-humane und die humane Seite sensorischer Prozesse zu verklammern. Als wir unsere Idee dem Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) vorstellten, wurde sie rasch als passendes Thema für ein neu ausgeschriebenes, praxisorientiertes Förderformat der VolkswagenStiftung akzeptiert und mit tatkräftiger Unterstützung aller beteiligten Hochschulen erfolgreich weiterentwickelt.

Wie arbeiten die Hochschulen zusammen? 

Alle beteiligten Hochschulen sind Mitglied im ZeM, das seit 2016 Medienforschung im Land Brandenburg fördert, vernetzt und sichtbar macht. Die gemeinsamen Veranstaltungen des Forschungskollegs werden auch in den Räumen des ZeM stattfinden.

Weitere neu bewilligte Projekte hier: www.uni-potsdam.de/up-entdecken/aktuelle-themen/personalia.html

Text: Jana Scholz
Online gestellt: Marieke Bäumer
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde