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Vielseitige Mikroorganismen

Internationale Konferenz vom 3. bis 7. August 2014 rund um den Mikroorganismus Dictyostelium discoideum (Gemeinsame Presseinformation der Freien Universität Berlin und der Universität Potsdam)

Foto: Karla Fritze
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Foto: Karla Fritze

Neue Erkenntnisse über den Mikroorganismus Dictyostelium discoideum, eine sogenannte soziale Amöbe, stehen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung der Freien Universität und der Universität Potsdam vom 3. bis 7. August. Die Konferenz „Dicty2014“ findet im Seminaris SeeHotel in Potsdam statt. Organisiert wird sie von Prof. Dr. Ralph Gräf, Zellbiologe und Prof. Dr. Carsten Beta, Biophysiker, beide von der Universität Potsdam sowie Dr. Sascha Thewes, Mikrobiologe der Freien Universität Berlin. Bei der alljährlich ausgerichteten Dictyostelium-Konferenz kommen Forscherinnen und Forscher aus aller Welt zusammen, die sich mit dem Mikroorganismus Dictyostelium discoideum befassen. Das Forschungsspektrum, in dem diese Amöbe bearbeitet wird, reicht dabei von der Mikrobiologie, über die Zellbiologie bis hin zur Biophysik. Selbst in den Ingenieurswissenschaften wird Dictyostelium als Modell benutzt, um beispielsweise neue Materialien auf das Anheften von Mikroorganismen zu testen.

Der Mikroorganismus Dictyosteliumdiscoideum gehört zu den so genannten „sozialen Amöben“. Normalerweise ernähren sich die einzelligen Amöben von Bakterien und anderen kleineren Mikroorganismen. Sozial werden sie, wenn sich die Umweltbedingungen ändern, vor allem wenn sie anfangen zu hungern. Dann schütten sie ein Signalmolekül aus, welches andere Amöben in der Umgebung anlockt. Die Einzeller schließen sich dann zu einem Zellaggregat von bis zu 100.000 Zellen zusammen. In diesem zunächst ungegliedert erscheinenden „Haufen“ differenzieren sich die Zellen dann in zwei Zelltypen: Ein Zelltyp, der etwa 80 Prozent der Zellmasse ausmacht, wird später zu Sporen, einer Überdauerungsform. Die verbleibenden 20 Prozent der Zellen werden zu Stielzellen, welche die Sporenmasse am Ende des Entwicklungszyklus in die Höhe heben. „Sozial“ bedeutet somit in diesem Zusammenhang, dass etwa zwei Drittel der Zellen als Sporen die Hungerphase überstehen können, während ungefähr ein Drittel der Zellen geopfert wird, um die Sporen in die Höhe zu heben und damit die Verbreitungschancen zu erhöhen.

Bei der diesjährigen Konferenz werden am ersten Tag die Gewinner des „Dicty World Race 2014“ ausgezeichnet. In diesem „Rennen“ sind Dictyostelium-Zellen gegen humane Neutrophile angetreten, also Zellen des Immunsystems. Es soll dabei ermittelt werden, welche Zellen schneller in einem mikroskopisch kleinen Labyrinth wandern. Zweck des Rennens ist es, die Grundlagen der Wanderung von Zellen (Chemotaxis) besser zu verstehen. Daher ist „Gen-Doping“ auch ausdrücklich erlaubt gewesen. Zellen mit Genmutationen, die schneller wandern als der nicht-mutierte „Wildtyp“, waren herzlich willkommen.

Die meisten Forschungslabore, die sich mit Dictyostelium discoideum befassen, finden sich in Deutschland, Großbritannien, Japan und den USA. Es werden aber auch Teilnehmer aus Australien, Indien, Spanien, Frankreich und der Schweiz sowie den Niederlanden, Italien und Polen zur Konferenz in Potsdam erwartet. Insgesamt umfasst die Dictyostelium-Community etwa 1000 Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt.

Text: Lena Pflüger; Online gestellt: Julia Schwaibold

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