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Unterwegs in Nordamerika – 26. März: Zentral oder dezentral

Reisetagebuch: Deutsche CIOs besuchen ihre Kollegen in den USA und Kanada
Eine Farm mit 40 3-D-Druckern für Studierendenprojekte. Foto: U. Lucke.

Eine Farm mit 40 3-D-Druckern für Studierendenprojekte. Foto: U. Lucke.

An unserem zweiten Reisetag erwarten uns die Verantwortlichen für Informationstechnik (IT) der Duke University. Zunächst klingen die Berichte vertraut: Die Kolleginnen und Kollegen sind froh, die medizinische Informationstechnik nicht mit zu verantworten. Die dezentrale IT ist besonders in forschungsstarken Bereichen ausgeprägt. Auch zentrale Bereiche wie die Bibliothek haben ihre eigene Informationstechnik. Das kennen wir. Doch bald treten spannende Konzepte zutage. So ist zum Beispiel das „IT Council“ (vergleichbar mit unserem IT-Beirat (ITB)) mit Fakultätsvertretern und Studierenden besetzt, wird von einem Mathematik-Professor geführt und diskutiert strategische IT-Aspekte. Ähnlich wie bei uns der Senat für akademische Angelegenheiten, bildet das Gremium ein Gegengewicht zum Präsidium, das eher die Rahmenbedingungen für die hochschulweite Umsetzung schafft. Die Frage nach zentralen oder dezentralen Angeboten wird hier nach Effizienz entschieden. Daher gaben viele Dekane mit der Finanzkrise ihre IT-Autonomie auf.

Die Digitalisierung der Lehre führt zu ähnlichen Strukturen wie bei uns: mediendidaktischer Support, enge Abstimmung mit der zentralen Informationstechnik, mediale Unterstützung von Lehrprojekten und teilweise auch begleitende Forschung. An der Duke University ist die oberste Prämisse die Anreicherung, nicht der Ersatz der Präsenzlehre. Die Studenten sollen ihre Zeit auf dem Campus so sinnvoll wie möglich nutzen. Der Mehrwert digitaler Medien in der Lehre wird nicht mehr kritisch diskutiert – Verweigerer finden sich zwar weiterhin, aber sie ziehen sich zurück.

Leben in der Bibliothek und Star Wars im 3-D-Drucker

Auch die Bibliothek ist hybrid unterwegs. Printerwerbungen gibt es nach wie vor (vor allem Monografien), doch sie werden mit digitalen Fassungen gekoppelt. Beides wird genutzt, jedoch für verschiedene Zwecke. Die Seminarräume der Bibliothek sind mit flexibler Möblierung und Medientechnik versehen und regulär für Kurse buchbar. Sie bilden ein Experimentierfeld für die künftige Regelausstattung von Seminarräumen. Forscher werden beim Datenmanagement durch einen Stab von Beraterinnen und Beratern unterstützt. In den großzügigen Fluren finden sich Arbeitsplätze für die Studierenden. Im Vorbeigehen hören wir von einem jungen Mann, der gerade einen Besucher über den Campus führt: „This is where 80 percent of my social interactions take place.“ Auf Deutsch: „Hier finden 80 Prozent meines sozialen Lebens statt.“ 

Zum Abschluss werden wir in ein bunkerartiges Gebäude geführt – ehemals die Telefonzentrale. Das Telefonieren läuft nun wie bei uns über das Datennetz. Das Gebäude wurde zum Maker Space umgestaltet: Von einem zentralen Freiraum zum Diskutieren und Erholen führen kreisförmig Studierräume ab, für Arbeit in Kleingruppen, für Videoschnitt, für Virtual Reality-Produktionen, für 3-D-Druck oder Laserschnitt. Angeblich sind die Kosten für das Verbrauchsmaterial gering. Dabei dürfen die Studierenden bauen, was sie wollen – von Star Wars-Figuren bis zu Modellen aus der Herzchirurgie. Wichtig ist, dass sie den Umgang mit der Technik erlernen, ihre Kreativität ausleben und über die Fächer hinweg miteinander in Kontakt kommen. 

Schwergängige Strukturen und fortschrittliche Datennetze

Unser Besuch der University of North Carolina startet beim CIO des Gesamtverbunds. Ein Interesse an geordneten Strukturen und Kooperationen auf Landesebene ist zwar erkennbar, die Governance-Strukturen sind mit großen Boards auf verschiedenen Ebenen aber schwergängig. Es scheint keine Initiative der starken Colleges, Campus bzw. Schools zur Kooperation geben. Als zentrale Themen verbleiben kostengünstige Beschaffungen und IT-Sicherheit. Das Angebot zum zentralen Betrieb der Verwaltungssysteme wird nicht durchgängig angenommen.

Nicht weit entfernt auf dem Campus Chapel Hill finden wir das Gegenstück dazu: einen selbstbewussten CIO und seinen Stab, die uns stolz von umfassender Forschungs-IT und von übergreifenden Support-Strukturen erzählen. Sie loben das Wissenschaftsnetz „eduroam“ als großartigen Fortschritt und danken (wie auch die Duke University) Europa dafür. Zentralen IT-Angeboten des Systems der University of North Carolina stehen sie kritisch gegenüber. Zugleich sehen sie, wie schwer es ihnen selbst fällt, die Fächer von der Nutzung ihrer eigenen, zentralen IT-Services zu überzeugen.

Alle Einträge in einer Übersicht

Text: Ulrike Lucke
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde