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Forschung für alle öffnen – Zwei YERUN Open Science Awards für die Universität Potsdam

Open Science ist in aller Munde. Forschungsdaten, Laborberichte, Software und Publikationen frei zugänglich zu machen, führt zu mehr Sichtbarkeit und Transparenz. Neueste Ergebnisse können leichter nachvollzogen und für die Lösung drängender Probleme genutzt werden. Um diesen Prozess zu stärken, verleiht das europäische YERUN-Netzwerk junger Forschungsuniversitäten die Open Science Awards. Von den fünf in diesem Jahr vergebenen Awards gehen zwei an die Universität Potsdam: Ausgezeichnet werden das Lehrprojekt „Global History Dialogues“ (GHD) der Historikerin Prof. Dr. Marcia Schenck und das Digital Humanities-Projekt „Drama Corpora Project“ (kurz „DraCor“), das an der Universität Potsdam gemeinsam mit der Freien Universität Berlin entwickelt und betrieben wird. Der mit je 2.000 Euro dotierte Preis dient der Förderung von universitären Initiativen, die die wissenschaftliche Gemeinschaft dabei unterstützen, Open-Science-Prinzipien in ihrer Arbeit zu übernehmen und umzusetzen.

Bei der feierlichen Preisverleihung am 14. Februar 2024 stellten die Preisträger ihre Projekte vor. Daniil Skorinkin, PhD, Koordinator des Potsdamer Netzwerks für Digitale Geisteswissenschaften und einer der Ko-Herausgeber von „DraCor“, sagt über das international ausgerichtete Digital Humanities-Projekt: „Mit DraCor bauen wir eine offene Sammlung zur Erforschung des europäischen Dramas in seiner sprachlichen Vielfalt. Unserer Initiative, die von Beginn an dem Open Science-Gedanken verpflichtet war, schließen sich zunehmend Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa an. Mittlerweile sind auf DraCor über 3.000 Dramentexte frei zugänglich.“

„Um DraCor herum hat sich mittlerweile eine Community entwickelt, in der Open Science-Praktiken kultiviert werden“, ergänzt Prof. Dr. Peer Trilcke, Gründer des Potsdamer Netzwerks für Digitale Geisteswissenschaften und ebenfalls DraCor-Ko-Herausgeber. „Derzeit wird die Plattform u.a. im Rahmen des EU-Projekts ‚CLS INFRA: Computational Literary Studies Infrastructure‘ als Modellprojekt für den Aufbau von sogenannten ‚Programmable Corpora‘ weiterentwickelt.“ Das Konzept der ‚Programmable Corpora‘ war 2019 von Prof. Dr. Frank Fischer (Freie Universität Berlin), ebenfalls DraCor-Herausgeber, eingeführt worden, um neuartige Forschungsinfrastrukturen für die Digitale Literaturwissenschaft zu charakterisieren.

Das zweite ausgezeichnete Projekt der Universität Potsdam ist das von der Potsdamer Historikerin Prof. Dr. Marcia Schenck initiierte hybride Lehrformat „Global History Dialogues“ (GHD). Dabei schreiben Studierende – nach einem „Ritt“ durch die Weltgeschichte und einer Einführung in die Methoden der Oral History – eigene Mikrogeschichten. GHD verbindet Global- mit Lokalgeschichte, vernetzt Studierende aus aller Welt und bringt sie zugleich in kleinen Arbeitsgruppen an verschiedenen Orten an einen Tisch. Es arbeitet digital und mit Methoden der Oral History, enthält Vorlesungen, Seminare, Diskussionen, Feldarbeit und eine wissenschaftliche Konferenz. Das Lehrformat ist nicht nur thematisch global, sondern auch was die Teilnehmenden betrifft: Zuletzt waren Studierende auf drei Kontinenten dabei – von Madrid bis Athen, Bishkek bis Ho-Chi-Minh-Stadt von Ibadan bis Nairobi und natürlich Potsdam. „Ich freue mich sehr, einen der diesjährigen YERUN Open Science Awards für meine Arbeit mit dem ‚Global History Dialogues‘-Projekt zu erhalten“, sagt die Professorin für Globalgeschichte. „Diese Wertschätzung ist besonders wichtig für komplexe Lehrangebote, die Lernende von verschiedenen Kontinenten zusammenbringen, um in die Gesellschaft hinein zu wirken. Das Preisgeld wird uns helfen, die Webseite globalhistorydialogues.org neu zu designen, um die User Experience zu verbessern.“

Das 2016 gegründete YERUN-Netzwerk junger Forschungsuniversitäten (Young European Research Universities Network, YERUN) ist ein Zusammenschluss von derzeit 23 europäischen Hochschulen, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Zusammenarbeit zu stärken und gemeinsam die Rolle und den Charakter der Hochschulbildung in Europa zu beeinflussen. Die Universität Potsdam ist seit 2022 Mitglied im YERUN-Verbund und an Arbeitsgruppen wie der YERUN ad hoc group on Open Science und der YERUN Open Science Awards group beteiligt. Mit diesen Aktivitäten unterstützt die Universität Potsdam ihre Forschenden und Lehrenden bei der Umsetzung ihrer Open-Science-Leitlinien. Nachdem 2023 das Theodor-Fontane-Archiv einen YERUN Open Science Awards erhalten hatte, belegen die diesjährigen beiden Auszeichnungen für Initiativen an der Universität Potsdam den Erfolg der Aktivitäten der Hochschule für mehr Open Science.

Weitere Informationen:
https://dracor.org
https://globalhistorydialogues.org
https://www.uni-potsdam.de/de/openscience
https://www.uni-potsdam.de/de/digital-humanities

Kontakt:
Prof. Dr. Marcia Schenck, Historisches Institut
Tel.: 0331 977-153031
E-Mail: marcia.schenckuni-potsdamde

Daniil Skorinkin, Ph.D., Netzwerk Digitale Geisteswissenschaften, Koordination
Tel.: 0331 977-153031
E-Mail: daniil.skorinkinuni-potsdamde

Medieninformation 14-02-2024 / Nr. 014