Klinikaufenthalt – und dann? Digitale Psychotherapie-Nachsorge für Kinder
Nach einem Klinikaufenthalt alleine gelassen - Kinder bekommen meist wenig Unterstützung in der psychotherapeutischen Nachversorgung. Das Forschungsprojekt “THENAGA” widmet sich diesem Problem. Zu Gast ist heute Prof. Dr. Stephanie Bauer, die uns von Hintergründen und dem Projekt berichtet.
“Wissenssnack”: zu Serious Games
Gómez-León, M. I. (2025). Serious games to support emotional regulation strategies in educational intervention programs with children and adolescents: Systematic review and meta-analysis. Heliyon, 11(4), e42712. https://doi.org/10.1016/j.heliyon.2025.e42712
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Camilla Kahlich: Herzlich willkommen bei “Gamki: kinderleicht & Kopfkomplex”. In diesem Podcast sprechen wir über spielerische und digitale Innovationen aus der Psychotherapieforschung für Kinder. Wir reden mit Forschenden über ihre Projekte und schauen darauf, welche Antworten sie auf aktuelle Herausforderungen geben. Gemeinsam haben all diese Projekte, dass sie spielerische bzw gamificationbasierte Elemente nutzen. Diese Ansätze sollen unter anderem die Motivation der Kinder steigern, damit die Therapie eben nicht nur Arbeit ist, sondern auch Spaß macht. Heute möchten wir über das Projekt Thenaga sprechen. Der Ansatz von Thenaga soll dabei helfen, die Versorgungslücke nach einem Klinikaufenthalt zu schließen. Dafür wollen wir uns erst mal anschauen: Wo genau gibt es aktuell einen Mangel in der psychotherapeutischen Behandlung für Kinder und welche möglichen Lösungsansätze findet die aktuelle Psychotherapieforschung? Ja, das möchten wir heute mit Professorin Dr. Stephanie Bauer besprechen. Und bevor wir loslegen. Ich bin Cami. #00:01:02‑2#
Maxi Woelke: Und ich bin Maxi. Herzlich willkommen, Steffi. Schön, dass du da bist. Du bist Leiterin der Forschungsstelle für Psychotherapie am Universitätsklinikum in Heidelberg. Und damit alle, die heute zuhören, egal ob groß oder klein. Gut mitkommen. Wie würdest du deinen Arbeitsalltag und Forschungsschwerpunkt Kindern erklären? #00:01:19‑5#
Stephanie Bauer: Ja, hallo. Ich freue mich auch sehr, da zu sein, heute und über unsere Arbeit zu berichten. Ich bin Psychologin an der Forschungsstelle für Psychotherapie in Heidelberg und wir beschäftigen uns in unserem Team mit der Frage, warum viele Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene mit psychischen Problemen, also die Probleme haben, mit Gefühlen, mit bestimmten Verhaltensweisen, warum viele von diesen Personen erst spät in Behandlung kommen, das heißt erst spät Unterstützung für ihre Probleme erhalten, obwohl es sehr gute Unterstützungsangebote gibt. Das heißt eine wichtige Frage in unserer Arbeit dreht sich um den Zugang zu Versorgung, zu Therapieangeboten. Und ganz allgemein stellen wir uns die Frage, wie wir die Versorgung, die Behandlungsangebote verbessern können. #00:02:11‑8#
Camilla Kahlich: Ja, bevor wir weiter inhaltlich noch über deine Forschungsstelle sprechen bzw auch über deine konkreten Projekte, würden wir gern noch mal mit einem persönlichen Start beginnen. Und zwar. Wir beschäftigen uns im Rahmen dieses Podcasts mit spielerischen Ansätzen in der Psychotherapieforschung und daher auch erst mal an dich die Frage Was war früher als Kind dein Lieblingsspiel? Und ja, weißt du, warum das dein Lieblingsspiel war? #00:02:38‑2#
Stephanie Bauer: Ja, das ist eine interessante Frage. Also ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe am liebsten draußen gespielt, also im Feld, bei meinen Großeltern, im Hof, im Dorf. Und das sind so die meisten Erinnerungen. Wir hatten einen tollen Garten, ein Klettergerüst, Schaukel, Baumhaus, alles, was man so brauchte. Und ich glaube, am liebsten habe ich draußen gespielt, einfach weil es so viele Möglichkeiten gab und so viel Freiheit. Und ja, das habe ich in sehr guter Erinnerung. #00:03:07‑2#
Maxi Woelke: Das kenne ich sehr gut nachvollziehen. Okay, dann starten wir mit einer Blitzlichtrunde zu deinem Projekt. Du kannst gerne in kurzen Sätzen antworten. Seit wann gibt es das Vorhaben Thenaga und wie lange gibt es? #00:03:19‑6#
Stephanie Bauer: Das Projekt ist gestartet am 1. März 2025 und geht drei Jahre, also bis Ende Februar 2028. #00:03:28‑3#
Maxi Woelke: Wer außer der Uniklinik Heidelberg ist außerdem beteiligt? #00:03:31‑8#
Stephanie Bauer: Außer unserem Institut der Forschungsstelle für Psychotherapie sind zwei weitere Gruppen aus Heidelberg beteiligt. Zum einen das Institut für Ethik in der Medizin, zum anderen die Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie. Wir haben dann drei weitere Kinder jugendpsychiatrische Einrichtungen, die beteiligt sind von der Universität Marburg, der Universität Würzburg und dem Uniklinikum in Bern und darüber hinaus haben wir zwei technische Partner. Das eine ist die Firma Reconwell, die unsere Therapie App entwickelt, und das andere ist die Firma Digital Twin Technology, die das Serious Game entwickelt. #00:04:11‑2#
Maxi Woelke: Wie alt sind Kinder eurer Zielgruppe? #00:04:13‑3#
Stephanie Bauer: Unser Projekt richtet sich an Kinder im Grundschulalter, also Altersgruppe sechs bis elf. #00:04:18‑6#
Maxi Woelke: Welches Problem soll mit dem Projekt gelöst werden? #00:04:21‑3#
Stephanie Bauer: Wir haben eine Versorgungsperspektive in unserem Projekt. Wir wollen die Versorgung, die Therapie verbessern. Das heißt, das Angebot richtet sich an Kindern, die in kinderpsychiatrischer Behandlung sind, stationär und die während der Therapie in der Klinik unterstützt werden und darüber hinaus unser Angebot weiter nutzen können, um den Übergang zu verbessern. Von der Klinik in den Alltag. #00:04:45‑6#
Maxi Woelke: Danke dir. Das war die Blitzlichtrunde. #00:04:48‑4#
Camilla Kahlich: Ja, Daran anschließend ist wahrscheinlich der Hintergrund von eurem Projekt, dass die psychische Versorgungslage aktuell nicht so gut aussieht, sage ich mal passend dazu habe ich noch ein Zitat mitgebracht. Also zu der Versorgungslage gerade in Deutschland. Und zwar hat der Generalsekretär der Bundesschülerinnenkonferenz, Quentin Gaertner, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Ja, wie soll ich sagen Alarm geschlagen. Nämlich hat er gesagt „Wir befinden uns in einer schweren Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen. Das ist ein Notruf.“ Und infolgedessen hat die Bundesschülerinnenkonferenz auch einen Zehn Punkte Plan vorgeschlagen, wie man eben die Versorgung in Deutschland verbessern kann. Und ein Teil davon ist zum Beispiel, die psychotherapeutische Versorgung an Schulen auszuweiten, aber auch zum Beispiel mentale Gesundheit mehr auch in die Schule zu integrieren. Das heißt, das zum Thema zu machen im Unterricht. Und ja, jetzt die Frage an dich Ist das überraschend für dich? Die Aussage von Quentin Gaertner und wie sie die psychische Versorgung dann aktuell für Kinder aus. #00:06:03‑5#
Stephanie Bauer: Also da wir uns ja seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigen, ist die Aussage an sich nicht überraschend und sehr treffend, würde ich sagen. Also tatsächlich ist es ja so, dass wir einerseits ein gutes Versorgungssystem haben, gerade im Vergleich zu anderen Ländern und auf der anderen Seite trotzdem die Missstände groß sind. Also das heißt, es gibt an vielen Stellen Verbesserungsbedarf und dazu zählt natürlich zum einen, dass wir mehr Therapieplätze benötigen. Also es gibt zu wenige Therapieplätze, die Wartezeiten sind zu lang. Das ist also ein großes Problem. Und auf der anderen Seite ist es so, dass aber auch viele Betroffene von psychischen Erkrankungen erst sehr spät Versorgungsangebote in Anspruch nehmen. Das heißt, es dauert lange, bis psychische Erkrankungen erkannt und diagnostiziert werden. Aber auch wenn sie diagnostiziert wurden, gibt es eine große Gruppe, die nie in professionelle Behandlung kommt oder eben erst nach langen Verzögerungen. Und dafür gibt es unterschiedliche Gründe. #00:07:08‑5#
Camilla Kahlich: Auf was ist es zurückzuführen, dass Kinder oder Jugendliche, Erwachsene zu spät Therapieangebote überhaupt annehmen? #00:07:16‑1#
Stephanie Bauer: Also der eine Bereich, das ist, wie gesagt, sind so organisatorische, praktische Versorgungssystem, Barrieren, zu wenige Therapieplätze, gerade auf dem Land, zu lange Wartezeiten. Und auf der anderen Seite haben wir aber eher Barrieren, auch auf der individuellen Ebene, also einstellungsbezogene Barrieren, zum Beispiel Stigmatisierung, auch das Nichtwissen Wohin kann ich mich wenden? Wie sieht eine Behandlung aus? Welche Angebote gibt es überhaupt? Wie kann ich Zugang kriegen? Das heißt, das sind verschiedene Barrieren, die da zusammenspielen und im Ergebnis dazu führen, dass wir eine Unterversorgung haben und eine große Gruppe von Personen mit psychischen Erkrankungen, die nicht in Therapie kommen. #00:07:59‑1#
Camilla Kahlich: An welchem Punkt im System könnte sich am meisten was bewegen? Also welche Stellschrauben, denkst du, sind im Moment am relevantesten, dass sich die Versorgung verbessert? Sind es Stigmatisierungs oder Entstigmatisierungsprogramme, dass man mehr aufklärt über psychische Erkrankungen? Oder hast du da eine Meinung dazu? #00:08:18‑0#
Stephanie Bauer: Ja, ich glaube den Zugang zu erleichtern. Und das umfasst mehrere Komponenten. Das eine ist Entstigmatisierungen, also das sich bewusst machen und bekannt machen, dass psychische Erkrankungen irgendwann genauso selbstverständlich wahrgenommen werden wie körperliche Erkrankungen. Dass es genauso normal in Anführungszeichen ist, an einer psychischen Erkrankung zu leiden wie an einer körperlichen Erkrankung. Also auf der Ebene, glaube ich, ist nach wie vor viel zu tun, auch wenn die Bekanntheit von psychischen Erkrankungen sich sehr verbessert hat. Auch das Wissen um Behandlungsangebote allgemein besser geworden ist, glaube ich, kann man da noch viel tun. Und das andere ist tatsächlich die Schwelle zu senken, wie man Unterstützung bekommt. Und das kommt ein bisschen darauf zurück, was in diesem Zitat angesprochen wurde von den Schülervertreterinnen und Vertretern, dass man gucken muss, wie man möglichst niedrigschwellig Angebote schafft, dass der Einstieg in Unterstützung leichter wird und dass die Hürde nicht so groß ist, sich Hilfe zu suchen. #00:09:22‑5#
Camilla Kahlich: Ja, ich gebe tatsächlich seit einem halben Jahr auch Workshops an Schulklassen und da ist es mir auch aufgefallen, dass die Schülerinnen schon mehr Bescheid wissen. Also ich glaube, zu meiner Schulzeit wusste ich nicht so viel zu Erkrankungen, aber trotzdem auch die Hemmschwelle noch da ist. Also ich frage dann auch manchmal ja, würdet ihr euch zutrauen oder euch trauen, zum Psychotherapeuten an der Schule zu gehen und oder zur Psychotherapeutin an die Schule zu gehen? Und da ist dann doch vom Gefühl her eine recht hohe Schwelle oder Hemmschwelle da. #00:09:54‑1#
Maxi Woelke: Du sprichst ja mit Kindern in Berlin in einer Berliner Schule. #00:09:57‑3#
Camilla Kahlich: Genau. Es sind unterschiedlich unterschiedliche Schulen in Berlin. #00:10:01‑7#
Maxi Woelke: Das ist jetzt. Vielleicht hast du ein Stimmungsbild, welche Bereiche am stärksten betroffen sind. Sind es Kliniken, Notfallambulanzen, Praxen oder eher urbanere Gebiete? Oder ländlichere? Wie kannst du das einschätzen? #00:10:19‑8#
Stephanie Bauer: Meinst du jetzt betroffen von psychischen Erkrankungen oder. #00:10:23‑3#
Maxi Woelke: Von der Versorgungsnot? #00:10:25‑3#
Stephanie Bauer: Also es gibt sicher regionale Unterschiede in der Versorgungssituation. Es gibt weniger Therapieplätze auf dem Land, längere Wartezeiten in ländlichen Regionen. Das zum einen. Aber viele von den Barrieren, über die wir schon gesprochen haben, die treffen gleichermaßen zu. Egal, in welches Setting man sich bewegt und ich glaube, gerade wenn man auch an die jüngeren Altersgruppen denkt, also jetzt wie in unserem Projekt Kinder im Grundschulalter, muss man ja auch immer mitdenken, dass der Zugang zu Versorgung stark abhängig ist vom von den Eltern oder von den Bezugspersonen. Und die psychischen Probleme treten ja in der Regel zuerst im häuslichen Umfeld auf oder im schulischen Umfeld. Und da, glaube ich, kann man auch noch sehr viel verbessern, dass man an der Früherkennung arbeitet und eben dann auch an der Vermittlung, wie dann die Bezugspersonen eben gewährleisten können, dass Kinder die bestmögliche Unterstützung bekommen. #00:11:22‑6#
Maxi Woelke: Ich war kürzlich auf einem großen Kongress, auf dem auch viele Psychiaterinnen und Therapeutinnen zusammengekommen sind. Dort gab es super viele Symposien zur Kindergesundheit und auch zu digitalen Anwendungen. Also das Thema ist ja sehr präsent und bekommt super viel Aufmerksamkeit, gerade in Fachkreisen. Trotzdem bleibt die große Frage: Verändert sich jetzt wirklich etwas? Können wir optimistisch in die Zukunft blicken oder reden wir nur über Innovation und ohne dass sie wirklich bei Kindern ankommt? Und genau deshalb finde ich Forschungsansätze gerade wie euren super spannend. Ihr arbeiten mit Thenaga an einer möglichen Antwort auf diese Versorgungslücke. Bevor wir jetzt tiefer in das Projekt einsteigen. Thenaga klingt nach einem spannenden Akronym. Kannst du uns einmal mitnehmen? Wofür steht der Name und was verbirgt sich dahinter? #00:12:14‑1#
Stephanie Bauer: Also Thenaga steht für Therapiebegleitung und Nachsorge. Mittels einer Gamification basierten Intervention für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen. Ein langer Titel für unser Projekt und wir haben versucht, damit eben schon so grob zu umreißen, worum es im Kern geht, nämlich um die Begleitung während der Therapie und um die Unterstützung im Anschluss an die Therapie. Weil wir da eben eine große Versorgungslücke nach wie vor haben in diesem Übergang von der Klinik in den Alltag, in die weiteren Angebote, die es nach stationär gibt. #00:12:49‑9#
Camilla Kahlich: Wie ist das denn aktuell geregelt, wenn man aus der Klinik entlassen wird? #00:12:54‑1#
Stephanie Bauer: Also das ist aktuell und schon immer, sage ich mal, im Prinzip so geregelt, dass Nachsorge vorbereitet wird während des stationären oder teilstationären Aufenthaltes. Das heißt ähm, dass man plant: Wie geht es nach der Entlassung aus der Klinik weiter? Wie kann eine Überleitung gelingen in ambulante Therapie, in fachärztliche Weiterbetreuung? Es ist vorgesehen, dass es regelmäßige Termine nach dem Klinikaufenthalt gibt. Es ist vorgesehen, dass Eltern eingebunden werden, um eben auch diesen Übergang in das häusliche Umfeld zu erleichtern. Und das ist auch vorgesehen, dass eine Abstimmung zum Beispiel mit der Schule erfolgt, soweit das möglich ist. Und eine gute Nachsorge sieht natürlich so aus, dass sie unmittelbar nach der Akutbehandlung beginnt, dass es feste Ansprechpartner gibt und dass es eben diese Kombination gibt aus kliniktherapeutischer Unterstützung, häuslicher elterlicher Unterstützung und eben auch schulischer Unterstützung. Das wäre das Idealbild. In der Realität sieht es aber so aus, dass zumindest Teile sehr abhängig sind, wiederum vom elterlichen Engagement zum Beispiel oder von den Kompetenzen der Eltern, bestimmte Dinge zu organisieren und so eine Anschlussbehandlung eben möglich zu machen. Und das ist eine große Herausforderung, sodass, wenn man Betroffene fragt, sehr häufig im Anschluss an einen Klinikaufenthalt die Familien sich doch alleingelassen fühlen. #00:14:27‑0#
Maxi Woelke: Also kurz zusammengefasst Wir sprechen über die Entwicklung eines Konzepts. Therapiebegleitend dann zur Nachsorge, welches interaktiv und mit spielerischen Elementen vermittelt werden soll. Du hast eben die Worte Serious Games benutzt. Bevor wir gleich also über euren Serious Games Ansatz sprechen, klären wir vielleicht kurz einmal in unserem Wissenssnack Was sind eigentlich Serious Games und was sagt die Forschung dazu? Serious Games sind Spiele, die zwei Dinge miteinander verbinden. Erstens machen sie Spaß wie klassische Video oder Smartphone Games und zweitens verfolgen sie einen klaren, ernsthaften Zweck. Sie sollen also nicht nur unterhalten, sondern etwas trainieren. Zum Beispiel Wissen über psychische Erkrankungen vermitteln, Entspannung fördern oder den Umgang mit Ängsten unterstützen. Man kann es sich so vorstellen Serious Games nehmen Elemente aus der Psychotherapie und verpacken sie so, dass sie spielerisch im Alltag geübt werden können, etwa über eine App. Sie haben eine eigene Spielwelt, Regeln, Story und Mechaniken wie ein richtiges Game, einfach, aber mit therapeutischem, pädagogischen oder gesundheitlichem Ziel. Eine Übersichtsstudie von Gomez Leon aus dem Jahr 2025 zeigt, dass solche Ansätze tatsächlich wirksam sein können. In mehreren Untersuchungen verbesserten sich psychische Symptome, zum Beispiel Angst und Depression Symptome bei Kindern. Den Link zu der Studie findet ihr in der Episodenbeschreibung unter Wissenssnack. #00:15:56‑7#
Camilla Kahlich: Als Ergänzung zum Wissenssnack können wir vielleicht ganz kurz über ein Beispiel reden. Ich habe im Vorhinein ein bisschen geschaut, welche Apps auch solche Serious Game Ansätze verwenden und bin auf die Sprachlernapp Duolingo gekommen. Und ja, vielleicht kennen das einige Zuhörerinnen oder vielleicht kennt ihr das auch. Aber die Sprachlernapp, die ihr nutzt, auf jeden Fall auch so Gamification Elemente zum Beispiel, dass man verschiedene Level erreichen kann. Es gibt Ranglisten, man wird belohnt, wenn man eine Lerneinheit geschafft hat. Und dann gibt es zum Beispiel auch so spielerische Elemente wie diese grüne Eule, die auch an tägliche Lerneinheiten erinnert. Und ich habe jetzt in der Vorbereitung dazu gelesen, dass Duolingo beispielsweise schon als Serious Game Ansatz bewertet werden kann, aber irgendwie auch andere Informationen dazu gelesen bezüglich dass es nur Gamification Elemente hat. Kannst du vielleicht erklären, was ist der Unterschied zwischen Gamification und Serious Game? #00:17:01‑3#
Stephanie Bauer: Ich würde das vielleicht am Beispiel von unserem Projekt erzählen, weil wir auf beides zurückgreifen in Thenaga. Wir haben zum einen eine Therapieplattform, eine Therapieapp, in der wir Gamification einsetzen. Und das sind solche Elemente, die du gerade genannt hast, dass man zum Beispiel für das Lösen von bestimmten Aufgaben, für das Bearbeiten von bestimmten Materialien bekommt man Fleißpunkte, die man sammeln kann und die auch einen Anreiz darstellen, eben diese verschiedenen therapeutischen Inhalte zu bearbeiten. Das wäre so ein Gamification Mechanismus, den wir nutzen. Und dann haben wir als zweite Komponente in unserem Projekt das Serious Game, das ein abgeschlossenes Spiel ist, das aber auch auf therapeutische Inhalte zurückkommt, die aus der Therapieapp bekannt sind. Also zum Beispiel geht es darum, sich mit bestimmten Gefühlen auseinanderzusetzen und man kann in dem Serious Game die Punkte einsetzen, die man erworben hat in der Therapieplattform. Also es gibt so eine Verknüpfung von beidem, aber man könnte theoretisch dieses Spiel auch losgelöst von der Therapieapp spielen. Also das ist ein in sich geschlossenes, am Smartphone Tablet kompatibles Spiel. #00:18:21‑9#
Camilla Kahlich: Wie sieht denn das Spiel genau aus? Wie kann man sich das vorstellen? #00:18:25‑9#
Stephanie Bauer: Also ich muss dazu sagen, dass wir noch in der Entwicklungsphase sind. Also ich berichte euch über den aktuellen Stand. Das kann sein, dass es sich dann auch durch Rückmeldungen von den Nutzern und Nutzerinnen noch ändert, aber im Moment haben wir das Serious Game konzipiert als Entdecker Expedition, in der die Spieler als junge Magier unterwegs sind und sich auf die Suche begeben nach wundersamen Kreaturen. Die verkörpern zum Beispiel Gefühle. Und Ziel ist es zum einen, diese Kreaturen einzufangen, also sie aufzuspüren, sie einzufangen, sie zu sammeln. Dafür muss man kleine Aufgaben erledigen, die zum Teil auch wieder zurückkommen auf so therapeutische Inhalte. Da geht es aber auch um Geschicklichkeit, Schnelligkeit. Das heißt, die Kreaturen können auch entwischen. Manche kommen häufig vor, manche sind sehr selten. Um also die Motivation aufrechtzuerhalten. Man hat dann so ein Archiv, in dem kann man sehen, welche Kreaturen gibt es, welche hat man schon gesammelt, welche fehlen einem noch? Man kann die anklicken, kriegt dann auch so eine Kurzzusammenfassung und auch noch mal eine Rückverweisung auf die Therapieplattform. Also man kann zum Beispiel dann noch mal so einen Überblick kriegen über diese Wut Kreatur, was sie auszeichnet, was man tut, wenn man ihr begegnet, was helfen kann und zu welchem Therapiemodul. Ähm, eben diese Kreatur passt. Auf der App Seite sag ich mal, das ist also so der eine Bereich. Und ich hatte ja schon gesagt, man kann die Punkte, die man in der Therapieplattform erworben hat, kann man einsetzen, um sein eigenes Basislager auszubauen. Das heißt, man kann Gegenstände erwerben, man kann auch Fähigkeiten erwerben, zum Beispiel schnellere Schuhe. Kann es seine Kompetenzen sozusagen verbessern im Spiel und die Spielfigur damit besser ausstatten? Wichtig ist, dass wir die Spielzeit begrenzen, auch unabhängig davon, wie viel man diese Therapieplattform nutzt, wie erfolgreich man da ist, wird die Spielzeit begrenzt sein. Und wir haben das so umgesetzt in diesem Serious Game, dass es so eine Tag Nacht Metapher gibt. Das heißt, bei jeder einzelnen Runde muss man zurück in sein Basislager kommen, bevor die Sonne untergeht, also bevor der Tag zu Ende ist, und kann dann da seine Funde sichern. #00:20:46‑1#
Camilla Kahlich: Noch mal zu den schnellen Schuhen Was genau bewirken die schnellen Schuhe in dem Kontext. #00:20:51‑2#
Stephanie Bauer: Dass der junge Magier sich schneller bewegt im Spiel und dann eben mehr Kreaturen aufspüren kann, weil er schneller sich durch die jeweilige Welt bewegen kann? #00:21:01‑1#
Camilla Kahlich: Hm, okay, interessant. Und was genau machen noch die Kreaturen? Kannst du da noch mal drauf eingehen? Also lernt man da über die Emotionen? Lernt man Emotionen kennen? Was ist Wut? Oder wenn du jetzt sagst die Wut Kreatur. Habt ihr da schon genauere Vorstellungen? #00:21:17‑8#
Stephanie Bauer: Genau. Also, das Ziel ist, man spürt diese Kreaturen auf. Es gibt für die verschiedenen Gefühle verschiedene Kreaturen, die dann auch in verschiedenen Ausprägungen, also leichte Ängstlichkeit, stark ausgeprägte Angst oder stark ausgeprägte Wut sind verschiedene Kreaturen. Man kann die einsammeln, indem man bestimmte kleine Spiele geschicklichkeits Schnelligkeitsaufgaben löst, und kann dann, wenn man diese Kreaturen in seinem Archiv hat, die anklicken und da drüber noch mal kurz zusammengefasst Informationen wissen, therapeutische Inhalte rekapitulieren, die einem bekannt sind aus dem Bearbeiten der Therapieapp. Also das gibt so eine Verbindung zu den therapeutischen Inhalten in der App, aber eigentlich das eigentliche Lernen. Wissensvermittlung findet hauptsächlich schon in der Therapie App statt, muss man sagen. #00:22:08‑1#
Maxi Woelke: Okay, wollen wir dann jetzt vielleicht mal grundlegend über das Konzept sprechen? Also wir haben jetzt schon gehört, ihr entwickelt ein Spiel, ihr habt spielerische Elemente dabei. Du hast gerade angefangen von Therapie zu sprechen, vielleicht mal so einen Überblick über alles, was Thenaga ausmacht, zusätzlich. Also jetzt erweitert um das Spiel, was wir jetzt schon einen kleinen Einblick bekommen haben. Noch mal so einen, so einen Überblick schaffen. #00:22:38‑3#
Stephanie Bauer: Genau das ist also ganz wichtig, dass Thenaga aus zwei Bereichen besteht. Der eine ist eben die Therapieplattform, die App, der zweite ist das Serious Game und die Reihenfolge ist auch so, Also das Kind bearbeitet zunächst die therapeutischen Inhalte in der Therapieapp und im Anschluss darf das Serious Game genutzt werden. Und um mal so einen Eindruck zu geben von dem vom Umfang oder von dem, was uns an Nutzungszeit im Moment wir uns vorstellen, ist, dass man dreimal pro Woche während des Klinikaufenthaltes sich mit der Therapieapp beschäftigt, jeweils so etwa 15 20 Minuten und im Anschluss eben auch wieder für etwa 15 Minuten das Serious Game nutzen kann. Das ist das, was während des Klinikaufenthalts umgesetzt werden soll und auch im Anschluss an die Entlassung, jeweils begleitet von einer erwachsenen Bezugsperson, das heißt in der Klinik von Pflegepersonal oder pädagogischem Personal zu Hause von Erziehungsberechtigten. Das heißt, es ist keine Intervention, die Kinder ganz alleine nutzen, sondern eben schon mit Anleitung. #00:23:46‑4#
Camilla Kahlich: Und das primäre Ziel ist die Wissensvermittlung in beiden Bereichen, also in der App und auch im Serious Game. #00:23:52‑2#
Stephanie Bauer: Nicht nur die Wissensvermittlung, sondern eben auch das Üben von bestimmten, neu erlernten Kompetenzen und dass der Transfer in den Alltag, sag ich mal, und zwar in den Alltag auch schon während des Klinikaufenthaltes. Da ist es ja auch so, dass man an bestimmten therapeutischen Angeboten teilnimmt, zum Beispiel psychotherapeutischen Sitzungen oder Gruppenangeboten und ganz viele Anregungen oder auch Hausaufgabenaufträge bekommt und es dann eben auch wichtig ist, im Alltag während des Klinikaufenthaltes und eben auch danach bestimmte Dinge und Kompetenzen zu üben. Das heißt, das Wissen ist das eine, aber dann eben auch dran zu bleiben und das auszuprobieren und zu reflektieren. Wie hat das geklappt? Und dabei soll Thenaga eben unterstützen. #00:24:38‑6#
Maxi Woelke: Wird das kontrolliert in irgendeiner Form, ob die Anweisungen oder bzw Übungen stattgefunden haben? Wie gut die stattgefunden oder wie gut die geklappt haben. Also wie? Wie wollt ihr das nachvollziehen? #00:24:53‑9#
Stephanie Bauer: Genau. Also zum einen ist wie gesagt vorgesehen, dass das Kind das Programm nutzt mit einer Bezugsperson zusammen. Es ist auch so, dass bevor es losgeht, die Therapeutin oder Therapeuten festlegen, welche Module sollen bearbeitet werden und welche Teile innerhalb dieser Module sollen bearbeitet werden? Das heißt, es ist ein flexibler Ansatz, der individuell zugeschnitten wird. Das heißt, jedes Kind hat auch Zugriff auf unterschiedliche Inhalte und unterschiedliche Sitzungen zu bearbeiten in der App. Und der typische Ablauf sieht dann so aus, wenn man von einer Nutzung dreimal pro Woche ausgeht. Das in der ersten Sitzung würde also ein neues Thema vorgestellt werden. Wir haben so eine Begleitfigur, Luca, die das Thema vorstellt, die aus eigenen Erfahrungen berichtet und auch bestimmte Übungen vorschlägt. Und dann werden Übungen durchgeführt. Es wird auch festgelegt, welche Übungen für das Kind vielleicht besonders wichtig sind. Die kommen in so eine Schatzkiste, damit man später noch mal drauf zurückgreifen kann. Und das ist so der erste Teil in der Woche, sag ich mal, dann gibt es eine zweite Sitzung, da geht es um Reflexion. Das noch mal zu wiederholen, noch mal vielleicht von einer anderen Seite drauf zu schauen und noch mal zu vertiefen. Und dann, in der dritten Sitzung pro Woche geht es darum, aus dieser Schatzkiste noch mal bestimmte Übungen nachzuvollziehen oder noch mal weiter zu üben. Zu der Frage, wie wir das kontrollieren, ist natürlich haben wir zum einen haben wir natürlich Zugriff auf die Logdaten. Das heißt, wir können sehen, wer hat sich mit welchen Inhalten wie lange beschäftigt. Aber zum anderen haben wir auch bei jeder Sitzung Fragen eingebaut. Wir fragen das Kind selbst, wie es einschätzt. Wie viel hat es geübt, wie gut hat es geübt, die Ziele verfolgt und auch die Bezugsperson. Das heißt, es gibt so eine Einschätzung der Selbsteinschätzung und auch eine Fremdeinschätzung. Wie gut hat das geklappt, dass man an den jeweiligen Aufgaben dran geblieben ist. #00:26:57‑1#
Maxi Woelke: Das läuft dann alles über einen Sprachassistenten. Die Kinder sind ja wahrscheinlich noch nicht alle dazu in der Lage zu lesen, oder? #00:27:04‑2#
Stephanie Bauer: Genau. Also man kann die Inhalte auf der Therapieplattform Seite lesen, man kann sich auch Audios anhören. Wir haben vieles auch über Videos umgesetzt und haben auch eine Text to Speech Funktion. Das heißt, man kann auch sprechen und das Programm verschriftlicht dann das gesprochene. #00:27:20‑2#
Maxi Woelke: Okay, und ihr beschäftigt euch mit oder Eure Zielgruppe sind ja Kinder, die. bzw ihr habt keine spezifische, kein spezifisches Krankheitsbild, wo ihr euch darauf fokussiert, sondern einfach Kinder mit Herausforderungen, die aus ganz verschiedenen Gründen eine Therapie benötigen oder machen. Da stelle ich mir jetzt irgendwie super schwer vor, die App so zu entwickeln, dass die wirklich für alle Kinder anwendbar ist bzw. dann auch hilfreich sein könnte. #00:27:54‑5#
Stephanie Bauer: Genau das ist ein wichtiger Punkt. Also uns war es wichtig, nicht ein diagnosespezifischen Ansatz zu verfolgen, sondern wirklich was transdiagnostisches zu entwickeln. Das heißt eben eine Intervention, die für möglichst viele Kinder in stationärer Therapie relevant ist und die auch entsprechend flexibel zugeschnitten werden kann. Sag ich mal, das heißt, die Themen, die drin sind. Viele von den Inhalten sind schon für sehr viele Kinder in psychiatrisch Psychotherapeutischer Behandlung relevant. Also ich sage mal ein paar Beispiele. Da geht es um Emotionsregulation. Es geht um so was wie Selbstwert, Ressourcenentspannung, Achtsamkeit, soziale Kompetenzen, Umgang mit anderen und solche Themen. Das heißt, das sind allgemeine Themen, von denen bekannt ist, dass sie eine Rolle spielen bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen im Kindesalter. Und dadurch, dass wir die Möglichkeit haben, eben die Inhalte einzelnen Kindern zuzuweisen, sag ich mal, entsteht eben eine Individualisierung und die Möglichkeit, dass das Programm bestmöglich zu den Problemen passt und man auch priorisieren kann. Welcher Bereich steht im Vordergrund? Woran soll zuerst gearbeitet werden? #00:29:12‑1#
Camilla Kahlich: Ganz schön umfangreiches Projekt, was ihr euch vorgenommen habt. Ja, mich würde noch interessieren, wie ihr genau die App entwickelt. Also ihr habt ja einen Co Creation Ansatz, was ich gelesen habe. Das heißt ihr beteiligt die betroffenen Personen, vielleicht auch die Sorgeberechtigten. Wie sieht das aus bei euch? Wie? Wie entwickelt ihr die App in der Zusammenarbeit mit Angehörigen oder betroffenen Personen? #00:29:39‑4#
Stephanie Bauer: Genau. Also wir haben, wie du gesagt hast, in Co Creation Ansatz, der uns auch ganz wichtig ist, weil wir natürlich möchten, dass das Programm, das entsteht, zu der Zielgruppe passt, auf der einen Seite aber eben auch von den Eltern akzeptiert wird und unterstützt wird und natürlich auch von den Behandelnden akzeptiert und unterstützt wird. Das heißt, wir brauchen die Perspektiven von drei Seiten den Kindern selbst, den Sorgeberechtigten und den Behandelnden und haben deshalb damit gestartet, dass wir diese drei Zielgruppen in sogenannten Fokusgruppen befragt haben. Das heißt, wir haben in den vier Kliniken, die an dem Projekt beteiligt sind, die jeweils. Gesprächsrunden durchgeführt mit Kindern, die gerade in stationärer Therapie sich befinden, mit Sorgeberechtigten von Kindern, die sich in Therapie befinden, und mit Behandlungsteams, um die verschiedenen Perspektiven zu erfragen. Bei den Kindern ging es natürlich sehr stark um die Frage: Welche Art von Spiel wird euch gefallen? Was wäre euch wichtig? Was wird euch Spaß machen? Auch welche Erfahrungen habt ihr in dem Bereich und bei den Eltern? Sorgeberechtigten haben wir natürlich auch gefragt Inwiefern würden Sie das unterstützen? Was wäre ihnen wichtig, worauf es zu achten? Und bei den Behandlungsteams war uns natürlich wichtig, sicherzustellen, dass das, was wir entwickeln, am Ende auch integrierbar ist. In den Klinik, in den Klinikalltag. Das heißt, da kommen wir natürlich ganz schnell zu der Frage, Wer soll das betreuen bei der eh schon sehr hohen Arbeitsdichte in der Klinik. Wer hat Zeit, das zu unterstützen? Wie kann das integriert werden in die Therapie? #00:31:28‑2#
Maxi Woelke: Das habe ich mich tatsächlich auch gefragt. Also das klingt ja irgendwie so nach, dass es eine eins zu eins Betreuung das Kind braucht immer eine Person, die mit drauf schaut oder interagiert, die das zusammen erleben und durchspielen. Wie ist da die Vision für später? Also bleibt das so, dass das Kind zwingend immer eine Person braucht, um das zu erleben? Oder kann man das irgendwann vielleicht auch dem Kind einfach in die Hand drücken? Jetzt lapidar gesagt aber. #00:31:59‑4#
Stephanie Bauer: Ich denke, wir werden das nach der Pilotstudie beantworten können, wie intensiv diese Unterstützung sein muss. Und da reichen die Vorstellungen natürlich von dieser eins zu eins Betreuung, auf der einen Seite die intensivste Form bis zu na ja, jemand muss die Geräte ausgeben in der Klinik, aber möglicherweise können dann die Kinder Doch das größtenteils alleine nutzen. Oder vielleicht auch in einem Gruppenraum, jeder mit seinen Kopfhörern parallel an der Therapieapp arbeiten. Das sind Fragen, die werden wir dann im Rahmen der Pilotstudie schon auch noch mal adressieren und auch eine Erfahrung sammeln, wie viel Unterstützung es benötigt. Kommt bestimmt auch auf das Alter an, auf die Medienkompetenz, die Erfahrung auch im Umgang mit Medien. Und da werden wir auf jeden Fall interessante Erkenntnisse erzielen. #00:32:50‑7#
Maxi Woelke: Die so genannten Hausaufgaben. Ist das vielleicht auch eine Idee, das in dieser Gruppensituation mit anderen Kindern zusammen zu erleben und zu üben und immer wieder sich neu zu reflektieren oder Gedanken zu machen irgendwie in Gruppensituationen. Oder ist das eher Kontra Indikativ? #00:33:10‑5#
Stephanie Bauer: Also das ist nicht systematisch geplant. Dass jetzt diejenigen, die an dem Projekt teilnehmen, als Gruppe betreut werden oder interagieren, das ist nicht systematisch vorgesehen, sage ich jetzt mal, sondern eher, dass die Kinder in ihrem Stationsalltag eben bestimmte Erfahrungen machen. Und da spielen natürlich auch die mit Patientinnen und Patienten eine große Rolle. Und aber jetzt nicht, dass die innerhalb des Projekts sozusagen als Gruppe interagieren, das ist nicht vorgesehen. Und wir haben uns auch dagegen entschieden, dass man innerhalb der App oder innerhalb des Spiels interagieren kann. Das war natürlich schon ein Vorschlag, der auch von Kinderseite kam, dass sie den Austausch. Oder wir treffen uns online und befreunden uns innerhalb des Spiels, zum Beispiel, dass sie das spannend gefunden hätten. Aber da ist natürlich zu berücksichtigen, dass das sehr Kinder mit sehr unterschiedlichen Problemen auch sind und wir natürlich gewährleisten müssen, dass das Programm sicher ist. Und es ist eindeutig als einzelindividuelle Intervention konzipiert. #00:34:16‑0#
Camilla Kahlich: Angenommen, euer Ansatz Ja, ist erfolgreich, sage ich mal, Also es wirksam. Was denkst du denn? Wie würden Kliniken darauf reagieren? Es gibt ja teilweise auch Kliniken, die wirklich ein absolutes Handyverbot haben. Ja, was meinst du dazu? #00:34:32‑2#
Stephanie Bauer: Ja, das zeichnet sich jetzt schon ab, dass wir da unterschiedliche Kooperationspartner auch in unserem Projekt haben. Da ist der Umgang sehr unterschiedlich mit Mediennutzung. Und was uns wichtig war für das Projekt, ist, dass die Zeit, die Sie also mit der Thenaga-Intervention verbringen, das zählt nicht zur normalen Medienzeit, das ist eindeutig Therapiezeit. Das heißt, wenn in der Klinik täglich oder wöchentlich eine bestimmte Zeit Medien genutzt werden dürfen, dann kommt also die Zeit, die mit Thenaga verbracht wird, zusätzlich dazu. Ansonsten wird es so sein Wenn das Projekt erfolgreich ist und wir nachweisen können, dass die Intervention einen Effekt hat, hilft die Therapie zu verbessern, die Nachsorge zu verbessern, dann kann ich mir vorstellen, dass das sehr gut angenommen wird. Also die. Ich glaube, das Interesse ist schon groß. Solche digitalen Unterstützungsangebote zu nutzen. Und wir haben, wie gesagt, versucht, das Programm so zu entwickeln, dass es auch integrierbar ist in den Klinikalltag. Natürlich wird es so sein, dass es Einrichtungen gibt, die sich das eher vorstellen können, das zu integrieren als andere. Und wir wissen auch aus anderen Projekten, dass damit der Erfolg steht und fällt, wie ein digitales Angebot integriert wird, wie es vermittelt wird und wie sehr auch die Einrichtung dahinter steht. Letztendlich. Und das wird hier mit Sicherheit auch so sein. #00:35:58‑8#
Maxi Woelke: Ich finde es auch eine total schöne Lösung mit diesem Tag Nacht Modell. Also wir haben jetzt verschiedene Projekte uns ja schon angehört und da gab es auch immer Bildschirmzeit als Thema natürlich. Aber dieses Tag Nacht Modell, die Idee, die höre ich jetzt tatsächlich das erste Mal, die finde ich richtig schön. #00:36:15‑2#
Camilla Kahlich: Steffi, kannst du vielleicht uns noch mal so in ein, zwei, drei Sätzen noch mal die Quintessenz von eurem Projekt sagen? Was? Was soll man jetzt aus unserem Podcast auf jeden Fall mitnehmen? #00:36:29‑0#
Stephanie Bauer: Ja, gerne. Also Thenaga richtet sich an Kinder mit psychischen Erkrankungen im Grundschulalter, die aktuell in einer stationären Therapie sich befinden. Und das Angebot, das wir entwickeln, besteht aus zwei Teilen einer Therapieapp und einem Serious Game. Und die Idee ist, dass wir also mit dem Spiel einen nachhaltigen Anreiz schaffen, um sich regelmäßig mit den therapeutischen Inhalten, mit den eigenen Zielen zu beschäftigen. Und das heißt also Fortschritte in der Therapie App werden zu Spielvorteilen und durch das Spielen beschäftigt man sich auch weiter mit den therapeutischen Inhalten. Das heißt, im besten Fall gibt es da eine gegenseitige Verstärkung. Und worauf das Ganze abzielt, ist eben die Therapiebegleitung, also die Verbesserung der Therapie in der Klinik, aber eben dann vor allem auch die Nachsorge, das heißt den Übergang aus der Klinik in den Alltag zu unterstützen und Behandlungserfolge zu stabilisieren und längerfristig eben ein Unterstützungsangebot im häuslichen Umfeld zu machen. #00:37:41‑9#
Camilla Kahlich: Gibt es sonst noch irgendwas, was du in dem Podcast über Thenaga drin haben möchtest? #00:37:48‑0#
Stephanie Bauer: Ich glaube, eigentlich haben wir ganz umfassend das Ganze besprochen. #00:37:51‑7#
Camilla Kahlich: Dann vielleicht noch eine allerletzte Frage Was würdest du dir wünschen im gesellschaftlich politischen Umgang mit psychisch belasteten Kindern? Die Frage stellen wir immer unseren Gästen. #00:38:02‑6#
Stephanie Bauer: Also auf gesellschaftlicher Ebene Im Prinzip das, was ich vorhin schon gesagt habe, dass psychische Erkrankungen genauso selbstverständlich ernst genommen werden und wahrgenommen werden wie körperliche Erkrankungen. Dass mehr Verständnis dem entgegengebracht wird, weniger Schuldzuweisungen. Dachte, dass wir besser darin werden, Belastungen früh zu erkennen, Hilfe früh anzubieten, bevor eben die Erkrankung sich manifestiert. Auch chronische Erkrankungen entstehen. Und dafür brauchen wir einfach einen besseren Zugang zu niedrigschwelligen Angeboten, geringere Hürden. Und ich würde mir wünschen, dass das Erreichen von Hilfe weniger abhängig ist von zum Beispiel dem Elternhaus oder den Kompetenzen, die die Familien mitbringen. Weil wir natürlich sehen, dass bestimmte Gruppen noch viel größere Schwierigkeiten haben, in professionelle Hilfe zu kommen. Das heißt, ich glaube, da können wir noch viel besser werden und auf politischer Ebene natürlich mehr Therapieplätze und verbindlichere Übergänge zwischen den verschiedenen Sektoren, also eine bessere Versorgungs Kontinuität von Prävention zu Therapie, von Therapie zu Nachsorge. Und da ist der Teil, den wir mit Thenaga abdecken, eben nur ein kleiner, aber wichtiger eben dieser Übergang von der Klinik in den Alltag. #00:39:29‑7#
Camilla Kahlich: Ja, danke. Damit möchten wir enden. Es gibt viele Lösungsansätze. Wir haben uns heute mit dem Projekt Thenaga beschäftigt. Vielen Dank, Steffi, dass du heute nach Potsdam angereist bist. Vielen Dank auch an das Podcaststudio und an den Schnitt. Und ja, liebe Zuhörerinnen, schön, dass ihr bis hierhin zugehört habt. Ansonsten bleibt nur noch zu sagen Folgt uns gerne auf unserem LinkedIn und Instagram Account. Hier posten wir Bilder, Reels und mehr zu den Themen und Projekten, die wir im Rahmen des Podcasts besprechen. Und für Fragen oder Anmerkungen haben wir auch eine Mail eingerichtet. Alle Infos dazu findet ihr auch in der Podcastbeschreibung. Das war Gamki kinderleicht und komplex. Macht's gut. #00:40:11‑3#