Intro Folge - Was erwartet dich?
Episodenbeschreibung:
In dieser Folge stellen wir uns kurz vor: Wir sind Maxi und Cami. Gemeinsam sprechen wir darüber, warum es gerade jetzt so wichtig ist, über neue und ergänzende digitale Ansätze in der Psychotherapie zu reden: Therapieplätze sind knapp, viele Kinder warten lange auf Unterstützung. Welche digitalen Möglichkeiten werden in der Psychotherapieforschung aktuell erforscht - und welche Lösungen könnten helfen? Hör gerne rein und bekomme ein Gefühl dafür, worum es in diesem Podcast geht. Wir freuen uns, wenn wir dein Interesse mit dieser Intro-Folge wecken und hoffen, du hast Lust auf mehr!
“Wissenssnack”: zur Versorgungslage in Deutschland.
Rodney-Wolf, K., Bauch, J., Greiner, F., Saalbach, H., Heitz, K., Baumann, E., & Schmitz, J. (2025). Ambulante psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Ergebnisse der ersten Erhebungswelle eines längsschnittlichen Monitorings. Zeitschrift Für Klinische Psychologie Und Psychotherapie, 54(2), 86–98. https://doi.org/10.1026/1616-3443/a000813
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Transkript dieser Episode anzeigen
Camilla Kahlich: Willkommen zu GamKi: kinderleicht & kopfkomplex! In diesem Podcast beschäftigen wir uns mit der aktuellen Psychotherapieforschung für Kinder.
Um die Forschung hautnah zu erleben und greifbar zu machen, laden wir für jede Episode Personen aus der Wissenschaft ein. Im Mittelpunkt stehen innovative digitale Ansätze in der Psychotherapie. Wir fragen uns, wie Therapie durch neue und spielerische Methoden Spaß machen kann. Außerdem wollen wir wissen, wie diese Ansätze das Gesundheitssystem entlasten können und – vielleicht am wichtigsten – wie sie Kindern mit psychischen Erkrankungen nachhaltig helfen können.
Maxi Woelke: Vielleicht stellen wir uns kurz vor. Ich bin Maxi, ich bin Doktorandin an der Professur für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Potsdam. Ich befasse mich vor allem mit Risikofaktoren, die die körperliche und mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Besonders interessiert mich, wie die Lebensumstände in verschiedenen Regionen wirken – also zum Beispiel, ob Kinder in Gegenden mit weniger Freizeitangeboten, schlechterer Infrastruktur oder weniger finanziellen Möglichkeiten häufiger gesundheitliche Probleme entwickeln. So versuche ich zu verstehen, wie ungleiche Startbedingungen schon früh die Gesundheit prägen können.
Camilla Kahlich: Und ich bin Cami. Ich studiere im Master Psychologie mit dem Schwerpunkt auf Kognition und Verhalten an der Uni Potsdam. Ansonsten bin ich Workshopleiterin und gehe an verschiedenen Berliner Schulen, um dort über Mental Gesundheit mit Schüler:innen zu sprechen. Und das ganze findet im Rahmen eines Präventionsprogramms für Mentale Gesundheit statt.
Während Maxi also eher sich mit Risikofaktoren in den Lebensumständen von Kindern beschäftigt, ist mein Fokus, Kindern und Jugendlichen erste Tools an die Hand zu geben, was man machen kann um mit schwierigen Lebensphasen besser umzugehen.
Maxi Woelke: Dieser Podcast entsteht im Rahmen eines Forschungsprojekts, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird.
Gefördert werden 13 sogenannte Proof-of-Concept-Studien, also Machbarkeitsstudien, in denen geprüft wird, ob neue spielerische Ansätze in der Psychotherapie grundsätzlich umsetzbar sind.
Im Fokus steht dabei eine zentrale Frage: Wie können spielerische und digitale Methoden Kinder in der psychotherapeutischen Versorgung unterstützen?
Untersucht wird zum Beispiel, ob solche Ansätze Wartezeiten auf einen Therapieplatz überbrücken können, wie sie Symptome auch zwischen den Sitzungen erfassen oder Motivation und therapeutische Fähigkeiten auf spielerische Weise fördern.
Camilla Kahlich: Neben den 13 Machbarkeitsstudien gibt es ein wissenschaftliches Begleitprojekt, das ebenfalls vom BMFTR gefördert wird.
Dieses Begleitprojekt ist Teil des Gesamtvorhabens und begleitet die Forschungsprojekte während ihrer gesamten Laufzeit.
Ziel ist es, die Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten zusammenzuführen, gemeinsam auszuwerten und zentrale Fragen zu beantworten – zum Beispiel:
Wie wirken technologiegestützte, spielerische Ansätze in der Psychotherapie? Und unter welchen Bedingungen sind sie sinnvoll, wirksam und verantwortungsvoll einsetzbar?
Dafür beschäftigt sich das Begleitprojekt unter anderem mit Evaluation, ethischen Fragen, Partizipation von Betroffenen, dem Abbau von Stigmatisierung und der verständlichen Vermittlung wissenschaftlicher Ergebnisse.
Maxi Woelke: Die Wissenschaftskommunikation ist ein für uns zentraler Bestandteil des Begleitprojekts. Cami und ich sind Teil dieses Teams und sprechen hier im Podcast mit Expert:innen, geben Einblicke in laufende Projekte und zeigen, welches Potenzial digitale und spielerische Ansätze für die Psychotherapie von Kindern haben.
Camilla Kahlich: Hintergrund von all dem ist: Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland sind psychisch belastet.
Die Belastung hat in vielen Bereichen zugenommen: u.a. aufgrund der Klimakrise, der Corona-Pandemie, Kriege und ein allgemeines Unsicherheitsgefühl.
Das große Problem dabei: die Versorgung kommt einfach nicht hinterher.
Ich habe euch eine aktuelle Befragung von Psychotherapeut:innen mitgebracht, die Studie zeigt: Von der ersten Anfrage bis zum Start einer Psychotherapie vergehen im Schnitt mehr als 28 Wochen.
Also: ein gutes halbes Jahr.
Und das muss man sich mal klar machen: wenn man eine psychotherapeutische Praxis kontaktiert, haben Betroffene in der Regel schon einen ziemlich hohen Leidensdruck. Und trotzdem heißt es erstmal – warten.
Gerade bei Kindern ist das besonders kritisch. Denn in dieser Zeit passieren viele wichtige Entwicklungsschritte – und ein halbes Jahr ist da einfach zu lang.
Maxi Woelke: Die Befragung, die von der Universität Leipzig durchgeführt wurde, hat außerdem gezeigt: Noch schwieriger ist die Situation auf dem Land.
Während man in größeren Städten oft etwas schneller einen Platz bekommt, müssen Kinder und Jugendliche in ländlichen Regionen teilweise sogar länger warten. -> Das zeigt: Die Bedarfsplanung in Deutschland passt nicht zur Realität und muss dringend angepasst werden. Zumal es von offizieller Seite heißt, dass viele Regionen „überversorgt“ seien, aber die langen Wartezeiten sprechen für sich..
Camilla Kahlich: Absolut, viele haben sicherlich schon von den Wartezeiten was mitbekommen. Wir brauchen also dringend mehr Kapazitäten – damit die psychische Gesundheit der jetzigen, aber auch der kommenden Generation gesichert werden kann.
In diesem Podcast wollen wir darauf schauen: Welche Rolle neue Technologien spielen können, um die Versorgungsengpässe abzumildern?
ist es überhaupt möglich Therapeut:innen dadurch zu entlasten – und die klassische Face-to-Face-Therapie sinnvoll zu ergänzen?
Aktuell gibt es super spannende Forschungsprojekte. Viele davon kennt man, wenn überhaupt, nur in der Fachwelt – in der breiten Öffentlichkeit sind sie aber kaum sichtbar. Und genau das wollen wir hier ändern.
Maxi Woelke: Wir möchten Psychotherapieforschung für Kinder verständlich und zugänglich machen und digitale Ansätze für diese Altersgruppe erklären. Noch immer existieren zahlreiche Vorurteile und Missverständnisse – sowohl in Bezug auf Psychotherapie als auch hinsichtlich digitaler Anwendungen.
Mit diesem Podcast möchten wir Forschenden eine Raum geben, über diese wichtigen Themen zu sprechen. Wir wollen Wissen teilen, das zum Nachdenken anregt.
Camilla Kahlich: Was könnt ihr konkret als Zuhörer:innen erwarten. In diesem Podcast sprechen Maxi und Ich mit den Menschen hinter der Forschung: Was treibt sie an, woran forschen sie derzeit – und wie könnte die Zukunft der Psychotherapie aussehen?“
„Dabei schauen wir besonders auf Innovation mit technischen Ansätzen: von Apps über Chatbots bis hin zu VR-Brillen.
Maxi Woelke: Bevor ihr weiter hört, will ich euch nochmal darauf hinweisen, dass wir keinen Alltagspsychologie-Podcast machen, in dem wir Tipps geben oder auch, wenn ihr Angehörige habt oder selbst Betroffene seid, wird dieser Podcast keine therapeutische Hilfestellung ermöglichen. Ihr bekommt Einblicke in Konzepte, Visionen und Methoden, die künftig ihren Weg in die psychotherapeutische Praxis finden sollen. Dabei nehmen wir euch mit hinter die Kulissen – in die Prozesse, aus denen therapiebegleitende Maßnahmen entstehen und in die Umsetzung gebracht werden.
Wir hoffen, ihr bleibt dran – denn Forschung kann nicht nur spannend, sondern auch hoffnungsvoll sein.
Camilla Kahlich: „Ich freu mich auf jeden fall total auf die Gespräche! Und ganz wichtig: Vergesst nicht, unseren Podcast zu abonnieren, damit ihr keine Folge verpasst. Schickt uns außerdem gern eure Fragen oder Themenwünsche per Mail oder nutzt die Kommentarfunktion. Ihr könnt uns auch auf Instagram und LinkedIn finden, die Accounts findet ihr in der Podcast Beschreibung. Hier posten wir spannende Erkenntnisse aus der aktuellen Psychotherapieforschung und vieles mehr:)
Wer jetzt noch tiefer einsteigen möchte, zum Beispiel zur aktuellen Versorgungslage in Deutschland, da findet ihr alle wichtigen Links in der Episodenbeschreibung.“
„Das war unsere Intro Folge zu „GamKi : kinderleicht & kopfkomplex”
Machts gut!