Mobbing - Nicht mit uns! Kinder stärken mit CONFIDENCE.
Episodenbeschreibung:
Neues aus der Psychotherapieforschung
Mobbing-Erfahrungen stellen einen Risikofaktor für psychische Erkrankungen, beispielsweise Depressionen, dar. Doch wie kann man Kinder resilienter gegenüber Mobbing machen? Das Forschungsteam „CONFIDENCE“ beschäftigt sich mit einem digitalen, spielerischen Ansatz, um Kinder zu stärken. Um mehr über das Projekt zu erfahren, haben wir mit Dr. Patrick Gebhard gesprochen. Was genau entwickelt das Forschungsteam derzeit? Was erhoffen sie sich von einem digitalen Angebot für Kinder und welche Risiken sehen sie bei digitalen Angeboten?
“Wissenssnack”: zum Zusammenhang zwischen Mobbing und Depressionsrisiko
Ye, Z., Wu, D., He, X., et al. (2023). Meta-analysis of the relationship between bullying and depressive symptoms in children and adolescents. BMC Psychiatry, 23, 215.https://doi.org/10.1186/s12888-023-04681-4
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Mobbing - Nicht mit uns! Kinder stärken mit CONFIDENCE.
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Camilla Kahlich: Herzlich willkommen bei Gamki. Kinderleicht und komplex. In diesem Podcast sprechen wir über spielerische Innovationen aus der Psychotherapieforschung für Kinder. Wir reden mit Forschenden über ihre Projekte und schauen darauf, welche Antworten sie auf aktuelle Herausforderungen bieten. Gemeinsam haben alle diese Projekte, dass sie spielerische bzw gamificationbasierte Elemente nutzen. Und diese Ansätze sollen unter anderem die Motivation der Kinder steigern, damit Therapie nicht nur Arbeit ist, sondern auch Spaß machen kann. Heute widmen wir uns dem Projekt Confidence, das Kindern helfen soll, besser mit Mobbing umzugehen. Doch was genau bedeutet eigentlich Mobbing? Was können Kinder dagegen tun? Also wie können sie sich schützen und welche neuen Ansätze gibt es dazu in der aktuellen Psychotherapieforschung? Das möchten wir heute mit Dr. Patrick Gebhardt besprechen, bevor wir loslegen. Ich bin Cami und. #00:00:527#
Maxi Woelke: Ich bin Maxi und hier zu Gast bei uns ist Dr. Patrick Gebhardt. Patrick, du bist Forscher am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, dem DFKI. Deine Arbeit bewegt sich an einer spannenden Schnittstelle zwischen KI und Psychologie. Damit alle, die heute zuhören, egal ob groß oder klein, gut mitkommen. Wie würdest du deinen Forschungsschwerpunkt jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat? #00:01:150#
Patrick Gebhard: Ja. Guten Morgen. Erst mal schön, dass ich da bin. Also, das ist eigentlich ganz einfach. Angefangen habe ich damit mit dem Wunsch, die Welt zu verstehen. Und da habe ich Physik studiert. Und das nächste war Physik. Das erklärt die Welt, aber nicht die Menschen. Ich war mehr an den Menschen interessiert und habe dann angefangen, mit KI Methoden Systeme zu bauen, mit denen ich versucht habe, die Menschen zu verstehen. Das mache ich heute noch. Und der Schwerpunkt, mit dem ich das mache, ist, dass ich versuche, was Verhalten bedeutet, aber auch, was im Inneren von Menschen abgeht, sozusagen. Und das Wichtigste dabei ist das emotionale Erleben. Und das machen wir in meiner Forschergruppe interdisziplinär. Mit vielen Menschen. #00:02:011#
Camilla Kahlich: Okay, super spannend. Bevor wir loslegen, würden wir tatsächlich noch mit etwas Persönlichem starten. Da wir in diesem Podcast ja über spielerische Ansätze in der Psychotherapie sprechen, interessiert uns, was dich selbst als Kind begeistert hat. Also daher mal die Frage Was war dein Lieblingsspiel und warum? #00:02:224#
Patrick Gebhard: Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, es war so was wie Hm, gute Frage. Räuber und Gendarm ist mir direkt in den Kopf gekommen, aber es war eher so was wie Huckleberry Finn. Also ich bin in einer kleinen Stadt in Württemberg aufgewachsen und da gab es eine Insel und dort haben wir uns eben so Shelter gebaut, wie man das heutzutage so macht und haben geguckt, wie wir da so überleben können in der Gruppe. #00:02:513#
Maxi Woelke: Danke dir fürs Teilen. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kommen mir Situationen in den Sinn, die mir nicht immer leicht gefallen sind. Ich war zum Beispiel oft die Kleinste und die Jüngste in der Klasse. Wenn wir uns nach Größe oder Alter aufstellen sollten, dann stand ich automatisch ganz hinten oder in alphabetischer Reihenfolge. War ich mit meinem Nachnamen, der mit W beginnt, auch immer am Ende der Reihe. Das hatte dann schon hin und wieder Potential für Kommentare von den anderen. Und obwohl ich schon immer super sportlich war, wurde ich bei der Wahl des Teams wegen meiner Größe trotzdem häufig erst sehr spät ausgewählt. Und ich denke, solche Situationen erleben viele Kinder im Alltag. Kommentare, Hänseleien oder kleine Sticheleien können sich schnell summieren und super belastend werden. Und genau deshalb wollen wir heute über das Thema Mobbing sprechen und darüber, wie man Kinder besser schützen und unterstützen kann. Nun ist aber Zeit für eine kleine Blitzlichtrunde. #00:03:417#
Camilla Kahlich: Mit der Blitzlichtrunde. Wollen wir mal kurz auf dein Projekt schauen und im Prinzip kannst du in einem Satz gerne die Fragen beantworten, damit wir so ein grobes Gefühl für dein Projekt erstmal bekommen. Zu Anfang. Wann hat dein Projekt angefangen? Dein Projekt heißt ja Confidence. Und wie lange wird das noch gehen? #00:04:004#
Patrick Gebhard: Okay, das ist eine krasse Frage, weil ich das nicht so im Kopf habe. Wir kümmern uns generell um Kinder und machen das schon seit mehreren Jahren. Das Projekt Confidence hat im Sommer diesen Jahres angefangen und dauert drei Jahre. #00:04:165#
Camilla Kahlich: Okay, also bis 2028 dann, ja. Und wer ist beteiligt? Uni, Firmen? #00:04:246#
Patrick Gebhard: Das ist ein ganz gemischter, bunter Haufen. Es sind zwei Universitäten beteiligt. Das ist die Universität Augsburg, die Universität des Saarlandes mit dem Uniklinikum des Saarlandes, des DFKI beteiligt. Davon bin ich. Dann sind noch zwei Firmen beteiligt die Firma Pioneo, die die App Entwicklung macht, und die Firma Caramell, die virtuelle Charaktere für uns gestaltet. #00:04:504#
Camilla Kahlich: Okay, da werden wir auf jeden Fall später noch vertiefend drauf eingehen, was die einzelnen Akteure machen. Und welche Altersgruppe wollt ihr ansprechen mit eurem Projekt? #00:05:017#
Patrick Gebhard: Zehn bis 12-jährige. #00:05:040#
Camilla Kahlich: Welches Problem soll mit dem Projekt konkret gelöst werden? Also welche Herausforderungen seht ihr aktuell und was ist euer Ansatz dafür? #00:05:136#
Patrick Gebhard: Das Thema ist Mobbing. Wir wollen Kinder stark machen. Wir wollen Kinder stark machen durch interaktives Training. #00:05:209#
Maxi Woelke: Nun wollen wir das Thema kurz einordnen und haben einen kleinen Wissenssnack für euch vorbereitet. Eine Metaanalyse, also eine Studie, die mehrere Forschungsergebnisse zusammenfasst, zeigt folgendes Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden, entwickeln fast dreimal so häufig depressive Symptome wie Gleichaltrige ohne Mobbingerfahrungen. Jugendliche, die selbst mobben, liegen immer noch deutlich darüber. Sie zeigen etwa doppelt so oft depressive Symptome wie nicht mobbende Jugendliche. (...) Am stärksten betroffen sind diejenigen, die sowohl mobben als auch gemobbt werden. In den Studien zeigen sie über dreimal so häufig depressive Symptome wie Jugendliche, die gar nicht im Mobbing verwickelt sind. Den Link zur Studie findet ihr in der Episodenbeschreibung unter dem Titel Wissenssnack. #00:06:121#
Camilla Kahlich: Genau. Man muss einschränken zu der Studie dazu sagen, dass die Studie nur einen Zusammenhang beschreibt und nicht das Mobbing die Ursache für Depression ist. Aber was ich in der aktuellen Forschungsliteratur dazu gefunden habe, ist, dass man Mobbing als eine Art Risikofaktor für psychische Erkrankungen betrachten kann und damit eine psychische Erkrankung entsteht. Da treffen aber meist mehrere Faktoren aufeinander. Also nicht Mobbing alleine reicht aus, eine psychische Erkrankung auszulösen. Und genau waren die Zahlen für dich überraschend, Patrick? oder die anzahl an an risikofaktoren für. Für beide Gruppen. #00:06:557#
Patrick Gebhard: Nein, die Zahlen sind nicht überraschend. Die kriege ich täglich in dem Projekt mit. #00:07:011#
Camilla Kahlich: Gut, jetzt haben wir ein paar Zahlen zu Mobbing gehört, aber was verstehst du eigentlich unter Mobbing? Vielleicht sollten wir das erst mal zu Anfang klären. Patrick. Es gibt ja auch verschiedene Formen von Mobbing. Und welche sind in eurem Projekt besonders prominent? #00:07:178#
Patrick Gebhard: Also wir sehen Mobbing eher generell und für uns ist Mobbing ein Trauma, welches Kinder erfahren können. Natürlich auch Erwachsene. Unser Fokus ist Kinder. Wir sehen das so, dass es ein länger anhaltendes und wiederholtes aggressives Verhalten von jemandem gegenüber jemand anderem ist. Und der Zweck davon ist, dass der andere niedergemacht wird, klein gemacht wird. #00:07:468#
Maxi Woelke: Jetzt stellt sich mir die Frage Was treibt Kinder denn dazu, gemein zu sein zu anderen Kindern? #00:07:539#
Patrick Gebhard: Ich glaube, das ist die zentrale Frage, wenn man Kind ist. Gerade unsere Altersgruppe, die wir betrachten, das sind Zehn bis 12-jährige, die wachsen auf. Die müssen sich in der Gesellschaft orientieren und müssen ihren Platz finden. Und das ist vor allem mit Unsicherheiten behaftet und ein Weg, der nicht gute Weg ist. Eben durch aggressives Verhalten versuchen eine Sicherheit, eine Kontrolle zu bekommen. Das Ganze hat natürlich gewisse Ursachen, da können wir ja später drauf eingehen. #00:08:290#
Camilla Kahlich: Also kann man sagen, dass es eine Art Emotionsregulation sstrategie ist, dass man auch andere versucht, also mit Mobbing, dass man versucht, mit eigenen Problemen, sag ich mal, zurechtzukommen. #00:08:433#
Patrick Gebhard: Ja, sicherlich. Also das, was wir unter Mobbing verstehen, das ist ja generell das Verhalten, das ist das Symptom oder das Beobachtbare dieser Regulationsstrategie, dieser Emotionsregulation sstrategie, die hauptsächlich über aggressives Verhalten eben sich manifestiert. Richtig funktional ist sie natürlich nicht. #00:09:051#
Camilla Kahlich: Und welche Formen gibt es da? Also du hast schon gesagt, aggressives Verhalten, Das kann sich wie äußern. #00:09:131#
Patrick Gebhard: Na ja, also man denkt bei Mobbing vielleicht generell an an schlagen, an Schubsen, aber das hat eine ganz große Bandbreite. Man kann auch durch, sagen wir mal Blicke oder durch rhetorisches Verhalten andere klein machen. #00:09:307#
Camilla Kahlich: Also zum Beispiel Beleidigungen oder. #00:09:333#
Patrick Gebhard: Ja, genau. #00:09:342#
Maxi Woelke: Wenn man über Mobbing nachdenkt oder sich beliest oder auch in den sozialen Medien oder Nachrichten davon Erfährt, gibt es ganz oft dieses Täter Opfer Profil. Hier aber jetzt ein Hinweis zu unserem Wording. Wir versuchen ganz bewusst, nicht von Tätern und Opfern zu sprechen, sondern von Kindern, die mobben, und Kindern, die von Mobbing betroffen sind. Das ist deutlich weniger stigmatisierend. #00:10:016#
Patrick Gebhard: Ja, das finde ich gut, weil wenn man sich die Daten anguckt, wie es den Kindern geht, die mobben oder die gemobbt werden, kann man bei beiden sehen. Bei beiden Gruppen sehen, dass die Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu regulieren und keine funktionale Emotionsregulation Strategien haben. Und in der längeren Beobachtung und da gibt es auch Studien dazu, sieht man bei beiden, dass es denen nicht so gut geht damit. #00:10:306#
Camilla Kahlich: Ja, das zeigt ja eigentlich auch der Wissenssnack ganz gut, dass bei beiden Gruppen, sage ich mal, das Risiko erhöht ist, eine Depression zu bekommen. Später. Und ich habe tatsächlich auch eine andere Studie gelesen, die auch gezeigt hat, dass wenn man als Kind betroffen ist oder eben Mobbing ausübt, dass man später auch eher dazu neigt, Drogen oder Alkohol zu konsumieren, was ja auch eine Art Emotionsstrategie oder Emotionsregulation sstrategie ist. #00:11:001#
Patrick Gebhard: Korrekt. Wir nennen da wir nennen das im Projekt als dysfunktionale Emotionsregulation Strategie. Also eine, die die zwar irgendwie schon schnell hilft, aber auf lange Zeit nicht so gut wirkt oder nicht so gut für das System Mensch ist, weil eben dann Symptomatiken wie Depression, Schlafstörungen, Selbstverletzungen usw und so fort auftreten können. #00:11:252#
Camilla Kahlich: Okay, wir haben ja jetzt schon sehr viel darüber gesprochen, was Mobbing verursachen kann oder was das für ein Risikofaktor für die psychische Gesundheit ist. Was kann man denn nun machen, wenn man von Mobbing betroffen ist? Was sind da schützende Aspekte? Und da kommen wir zu deinem Projekt, Patrick. Das Projekt heißt Confidence. Da steckt ja schon Selbstbewusstsein drin. Welchen Ansatz habt ihr denn mit eurem Projekt? #00:11:530#
Patrick Gebhard: Na ja, also Selbstbewusstsein, selbstbewusstes Auftreten ist generell etwas, was man gerne beobachtet, weil das zeigt Stärke, das zeigt Sicherheit in einer Situation und gibt anderen Menschen dann auch einen Vorbildcharakter. Das ist das, was wir gerne den Kindern mitgeben würden, die das vielleicht vom Elternhaus nicht mitbekommen haben oder wo es das schulische Umfeld das nicht erlaubt, dererlei Fähigkeiten dort sich anzueignen. #00:12:248#
Maxi Woelke: Jetzt bin ich super gespannt, wie ihr diese Strategie umsetzt. Jetzt haben wir die ganze Zeit so um den heißen Brei drumherum geredet. Jetzt erzähl uns doch mal, wie plant ihr ganz konkret Kindern zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. #00:12:404#
Patrick Gebhard: Okay, also spannende Frage das Ganze. Das hat sich schon. Also die Idee dazu, die lauert schon seit über zehn Jahren bei uns in der Gruppe sozusagen. Weil wir haben festgestellt, dass wenn wir Menschen für Job Bewerbungsgespräche mittels virtueller Figuren trainieren, also die praktisch das nachmachen, was, ähm, was auch Menschen im Jobinterview machen, nämlich Fragen stellen, dass diejenigen, die mit diesen Figuren trainieren, im Vergleich zu die sich ein Video angeguckt haben oder ein Buch angeguckt haben, wie man so ein Jobinterview macht, besser abgeschnitten haben. Und zwar vom in ihrer Selbstwahrnehmung, aber auch in der Wahrnehmung von Expertinnen und Experten. Und da ist uns die Idee gekommen Mensch, Leute, das können wir ja auch nutzen, Um Kinder stark zu machen. Und als der die Bekanntmachung Gamki rauskam, war der erste Schritt oder der erste Griff an ans Telefon. Und dann habe ich meine Kollegin, die Eva Möller, von der UKS angerufen und habe ihr gesagt Sag mal, was hältst du davon, wenn wir das mit virtuellen Figuren trainieren? #00:13:586#
Camilla Kahlich: Für was steht noch mal UKS? #00:14:006#
Patrick Gebhard: Das ist das Universitätsklinikum des Saarlandes und das ist nämlich in Homburg. #00:14:047#
Maxi Woelke: Okay, jetzt haben wir richtig viel zu virtuellen Figuren gehört. Was für Figuren plant ihr umzusetzen? #00:14:139#
Patrick Gebhard: Das ist eine sehr gute Frage. Und vielleicht erst noch mal Warum machen wir Figuren? Wir beschäftigen uns in meiner Forschergruppe sozusagen mit ähm, wie erleben Menschen die Welt? Und ein zentraler Faktor des Erlebens sind Beziehungen. Und wir haben festgestellt, dass eigentlich alles über Beziehungen geht. Das heißt, wenn wir einen Job Bewerbungsgesprächen mit einer virtuellen Figur machen, dann stellen wir uns einen Menschen vor im Kopf, den wir schon kennen, oder Teile davon und basteln dann das zusammen. Aber da ist eine Beziehung involviert und dies haben wir auch ausgenutzt für das Projekt Confidence. Es gibt also zwei virtuelle Figuren im Projekt Confidence, eine sogenannte Peer Figur. Die ist ein bisschen älter als unsere Zielgruppe, also 14 Jahre. Und die erzählt von sich aus, dass sie Mobbing. Also sie wurde gemobbt und sie hat das überwunden und kann Strategien mitteilen, wie man wie man schwierige Situationen bewältigen kann. Und dann haben wir eine zweite virtuelle Figur, die wird automatisch generiert, und zwar basierend auf den Eingaben von den Kindern, die sich mit der ersten Figur, die nennen wir jetzt mal Xenia unterhalten. Und dann entsteht sozusagen eine Art Abbild dessen, wovor sie, die Kinder, sich fürchten. Wir nutzen auch eine zweite Figur, und die entsteht sozusagen durch die Eingaben der Kinder mit Xenia. Also was die der Xenia erzählen, was sie so fürchten oder was sie belastet. In der im Umgang mit anderen Kindern, mit der können sie dann später, wenn sie genug Skills gesammelt haben, in der App auch interagieren. Das ist erst mal gescriptet und irgendwann, da kommt der Gamification Aspekt rein. Irgendwann verhält die Figur sich nicht mehr so wie im Skript und dann stellt sich eben raus okay, jetzt muss ich mal meine Skills, die ich gelernt habe, anbringen und versuchen eben diese Situation zu meistern. Und wenn ich das kann, dann habe ich es geschafft. #00:16:229#
Camilla Kahlich: Okay, das war jetzt wirklich viel Information. Super spannend. Noch mal eine Rückfrage. Also ihr entwickelt eine App und wenn man sich jetzt, also wenn man die App einmal öffnet, was genau passiert dann als ersten Schritt? #00:16:379#
Patrick Gebhard: Okay, also man muss. Man muss erst mal unterscheiden. Wir entwickeln ein App Konzept und wir erforschen eine Wirksamkeit von einer bestimmten Vorgehensweise, die in dem App Konzept passiert. Das ist ein Forschungsprojekt und wir wollen aber den Kontext mitdenken, dass nach der Projektlaufzeit auch ein Produkt entstehen kann. Deswegen App Konzept. Wir werden nicht alles was, was wir jetzt als App Konzept besprechen, realisieren können. Insbesondere fokussieren wir uns auf diese. Wir nennen das die zweite Phase, die Sparringsphase, wo wir eben mit dieser generierten virtuellen Figur, die schwierig ist, wo sich da Kinder auseinandersetzen müssen. Zum Appkonzept selber ist es so, dass dass wir gucken, dass es eine Skills Phase gibt. Es gibt zwei Phasen die Skills Phase und die Sparringsphase. So ein bisschen ist die Sparringsphase klar geworden. In der Skills Phase übernimmt die Xenia einige Aufgaben, die in der Therapie, und zwar in einer Therapie in der Klinik stattfindet, um so auch das Klinikpersonal zu entlasten. Da geht es generell erstmal um repetitive Übungen, das heißt Übungen, um zu verstehen, was sind denn eigentlich Gefühle, Wie äußern sich die Gefühle? Was machen Gefühle mit mir? Das kann ich in Ruhe üben und dafür sind virtuelle Figuren richtig klasse. #00:18:113#
Camilla Kahlich: Und das ist eine Art Chatbot also. Oder wie interagiert man dann mit Xenia? #00:18:169#
Patrick Gebhard: Ja, das ist auch eine gute Frage. Chatbot ist es nicht. Es ist eine virtuelle Figur, die sogenanntes reziprokes Verhalten hat. Das heißt, wenn ich mit Menschen rede Und die verstehen mich. Dann nicken die normalerweise oder geben mir irgendein Zeichen. Okay, mach weiter. Finde ich gut, was du sagst oder eben nicht. Das kann auch sein. Und das kann die Figur auch. Das heißt, ich spreche mit dieser Figur und die hat sozusagen die nutzt die Kamera. Also er hat Augen und reagiert eigentlich wie wie eine gute Freundin mir gegenüber. #00:18:543#
Camilla Kahlich: Das heißt, die Kinder halten dann das Handy so 20 Zentimeter weit von sich weg und sprechen dann in das Handy. #00:19:018#
Patrick Gebhard: Ja also das wäre das die die App, die dann danach rauskommen soll. Für uns ist das ein bisschen anders. Wir realisieren das mit dem großen Bildschirm, weil wir möchten eine Wirksamkeitsstudie machen und das muss kontrolliert werden. Das heißt, auch später wird es kein Handy sein. Es wird eher ein Tablet sein, weil die Figur dann größer sichtbar ist. Und das Tablet? Das schließen wir an einen Monitor an, um es standardisiert machen zu können. #00:19:311#
Maxi Woelke: Ich würde ganz kurz versuchen, das noch mal zusammenzufassen, um zu schauen, ob ich alles gut verstanden habe. Also wir reden von Kindern, die in einem stationären Aufenthalt sind, weil sie Emotionsregulation sprobleme haben, die dann während ihrer ihres ganz normalen Therapiealltags zusätzlich eine eine Machbarkeitsstudie joinen Und das Ziel ist erstmal als Entlastung für therapeutisches Personal das zu entwickeln. Das wird über einen Bildschirm laufen. Die Kinder setzen sich davor und gehen in eine ein Gespräch und in eine Interaktion mit einer Figur mit der Xenia. sollen sie sich der Xenia öffnen und Emotionen kommunizieren. Und wenn das gut funktioniert hat, dann sind sie bereit für die zweite Phase, wo sie dann mit unangenehmen Situationen konfrontiert werden und im besten Fall besser darauf reagieren können oder einen guten Umgang damit finden können. Stimmt das so grob? #00:20:544#
Patrick Gebhard: Also ja, grob stimmt das. Es sind halt sehr, sehr viele Aspekte, die bei so einem Projekt bedacht werden müssen. Und sehr viele Ebenen. Also sagen wir mal so die App Ebene ist vielleicht die, die für viele Menschen interessant sein könnte, weil das, was wir untersuchen, das kann später dann präventiv verwendet werden. Das heißt, jeder kann schwierige Situationen trainieren. Für uns ist aber auch wichtig zu gucken, Wie bringen wir so ein System, ein soziotechnisches System in den Klinikalltag rein. Das heißt, wir müssen auch bedenken, wie machen wir das für Fachpersonal? Gut, dass nicht mehr Arbeit entsteht, sondern ein Mehrwert entsteht für das Fachpersonal, aber auch für die Kinder. Also die Kinder stehen hier im Vordergrund. Es darf aber nicht sein, dass es dann ein Gewurschtel gibt und am Ende legt man das zur Seite und sagt Damit kann ich nicht arbeiten. Und das muss man auch mitbedenken. #00:22:001#
Maxi Woelke: Wie sind denn die Strategien, um das zu messen? Also wie stellt ihr fest, ob das jetzt wirklich ein hilfreiches Tool ist oder vielleicht eher doch Mehraufwand stellt? Habt ihr Fragebögen oder. Also wie validiert ihr das Ganze? #00:22:165#
Patrick Gebhard: Oh ja, das ist eine sehr große Herausforderung. Also jede Klinik, jede Praxis hat eine andere Vorgehensweise mit Kindern, die MobBingerfahrung haben, umzugehen. Da muss man genau gucken, was sind denn die Wünsche von. Von den. Von den? Von dem Fachpersonal? Wir arbeiten mit zwei Kliniken zusammen. Das eine, das habe ich ja schon genannt, das UKS Universitätsklinikum des Saarlandes. Und das andere sind die, die die EschG Kliniken, also die Kinder und Jugendpsychiatrie. Von den beiden Eschg steht für Saarländische Heilgesellschaft oder sowas. Wir gucken, ob das so stimmt. Und da haben wir schon zwei. Sagen wir mal Kliniken. Also bei uns geht es um Kliniken, weil. Weil dort haben wir den den, ja den Raum das auch auf die Wirksamkeit hin zu evaluieren. In Praxen ist die Vorgehensweise noch mal noch mal schwieriger Und wir werden das qualitativ evaluieren und vor allem auch mit den den Expertinnen und Experten zusammen entwickeln. #00:23:300#
Camilla Kahlich: Okay. Und qualitativ heißt im Sinne von Ihr werdet Interviews führen und das dann auswerten am Ende. #00:23:361#
Patrick Gebhard: Korrekt. #00:23:370#
Camilla Kahlich: So, wir haben jetzt total viel über dein Projekt erfahren. Schon mal vielen Dank für die ganzen Informationen. Jetzt noch eine kleine Zwischenfrage, und zwar eine kritische Zwischenfrage: Wie sieht es mit der Bildschirmzeit aus? Ihr habt ja eine sehr junge Altersgruppe und wie behandelt ihr das im Projekt? #00:23:549#
Patrick Gebhard: Sehr gute Frage. Also allgemein würde ich sagen und da spreche ich auch als Vater von drei Kindern. Die Bildschirmzeit ist zu lang. Hier muss man jetzt sehen, dass es in der Klinik eingesetzt wird als therapeutische Assistenz. Und wenn ich ganz ehrlich bin, eigentlich wäre es besser, wenn das Menschen machen würden, ist doch klar. Jetzt ist die Frage, haben wir so viele Fachkräfte Fachpersonal, die uns als Gesellschaft dabei unterstützen können? Und da ist leider die Antwort Nein, das haben wir nicht. Und im Moment sehen wir eben das als Ausweg. Mit dieser Art Technologie das zu kompensieren. #00:24:410#
Camilla Kahlich: Wie sieht es mit der Bildschirmzeit dann für die App aus, die ihr potenziell entwickelt? Also habt ihr da ein Limit dann auch gesetzt? Also, dass man sagt okay, dann ist die Übung beendet. Und wie sieht es bei euch aus? Wie versucht ihr das zu integrieren? #00:24:563#
Patrick Gebhard: Genau. Also diese therapeutische Unterstützung ist ja in den Klinikalltag eingebettet und das ist natürlich auch mit Zeiten vorgesehen. Und wenn man jetzt ein bisschen abstrakter werden. Also wenn man sich überlegt, wie das nachher dann umgesetzt wird als App, kann man sich vorstellen, dass die Xenia auch den Kindern, den Anwenderinnen und Anwendern sagt So, jetzt ist genug. Geh mal raus, rede mit deinen Freunden, rede mit deinen Eltern. Und das ist ein zentrales Element, was wir, was wir generell im Kontext von dem Konzept der App diskutieren. #00:25:385#
Maxi Woelke: Wenn sich eure Machbarkeitsstudie am Ende für positiv bewährt, dann wird es. Oder es ist Zukunftsvision oder Traum, dass in die Breite Versorgung einzubetten, so dass dieses Konzept dann auch wirklich für Zuhause nutzbar sein wird. Oder wird das immer therapiebegleitend bleiben? #00:26:044#
Patrick Gebhard: Also wir müssen sicherstellen, dass das eine gute Wirksamkeit hat. Das ist für uns zentral. Alle, ausnahmslos alle im Projekt beteiligten Partner wünschen sich, dass wir das als App umsetzen und auch als Präventionsmaßnahme sowie als unterstützende Maßnahme für Schulen realisieren als Produkt. Ich habe eine lange Projekterfahrung, das heißt, ich mache das schon über 20 Jahre. Und ich kann sagen, dass ich, dass das Team, was wir jetzt haben, das war noch nie so fokussiert darauf, diese Sachen tatsächlich umzusetzen. Das sind auch die zwei Firmen daran beteiligt, die den riesen Mehrwert sehen. #00:26:520#
Maxi Woelke: Jetzt ist ja bei KI vor allem im aktuellen Medienkonsum immer so ganz kritisch, dass also das speist sich ja aus Informationen. Je mehr Informationen man reingibt, umso bessere Informationen kommen raus. Was passiert denn jetzt? Oder gibt es überhaupt das Risiko, dass das Outcome verfälscht sein kann, also dass man der KI falsche Emotionen beibringt durch. Weiß nicht. Eigentlich bin ich traurig, aber lache dabei, weil das irgendwie so eine Art von Copingstrategie von mir ist. Was? Was könnte schlimmstenfalls passieren? #00:27:321#
Patrick Gebhard: Also da muss man jetzt ein bisschen mehr in die Theorie reingehen. Das ist übrigens eine der Expertisen meiner Gruppe, dass wir durch Beobachtung von nonverbalen Verhalten durchaus in der Lage sind, auf, sagen wir mal schwierige interne emotionale Erlebnisse Rückschlüsse ziehen zu können. Das heißt gerade was du gesagt hast mit Copingstrategien. Ich lache und eigentlich finde ich das nicht so prickelnd. Das findet man auch im Jobinterview und das wird dann vor allem interessant, wenn es auch um so kritische Themen geht, wie ich Kinder stark mache. Und na ja, man lernt auch in dieser Phase seine eigenen Gefühle als Phase des Lebens, seine eigenen Gefühle zu verstecken. Das gibt einem selber auch eine gewisse Macht, eine gewisse Kontrolle. Und das muss den KI Modellen natürlich auch in Anführungszeichen klar sein. Die sind sich selber nicht bewusst dessen. Deswegen machen wir das so, dass wir immer hybride KI Modelle generieren. Das heißt, dass die nicht einfach frei laufen, sondern dass die durch andere Daten oder andere Modelle kontrolliert werden und vor allem auch durch Expertinnen wie die Eva Müller zum Beispiel und ihr Team, sodass wir sicher sind, dass die kein Mist produzieren. Um es kurz zu sagen. #00:29:011#
Camilla Kahlich: So zu unserer letzten Frage Wenn du einen Wunsch frei hättest, was sollte sich gesellschaftlich oder politisch im Umgang mit psychisch belasteten Kindern ändern. #00:29:119#
Patrick Gebhard: Eine wichtige Frage. Ich denke, Kinder und Familien müssten mehr unterstützt werden, weil das sind die Zukunft unserer Gesellschaft und eine. Also ganz einfach Starke Kinder machen eine starke Gesellschaft. #00:29:249#
Camilla Kahlich: Damit wollen wir enden. Vielen Dank, Patrick, dass du heute hier warst. Liebe Zuhörerinnen, schön, dass ihr bis hierhin zugehört habt. Wir hoffen, dass ihr viele spannende Einblicke in das aktuell laufende Projekt Confidence habt. Und ja, folgt uns für mehr Informationen auf unserem Instagram Kanal. Gamce Unterstrich kinderleicht. Hier werden wir euch auch bewegtes Bildmaterial zur Verfügung stellen für das Projekt Confidence und schreibt uns sonst bei Fragen oder Anmerkungen eine Mail. Alle Infos findet ihr in der Podcastbeschreibung. Das war Gamki, kinderleicht und komplex. Machts gut und schön, dass ihr zugehört habt. #00:30:042#
Patrick Gebhard: Super! Hat sehr viel Spaß gemacht. #00:30:066#
Maxi Woelke: Danke. Tschüss. #00:30:082#
Patrick Gebhard: Tschüss. #00:30:093#