Das Russische Kaiserreich

zwischen 1789 und 1905


Napoleon und andere Folgen
der Französischen Revolution

- Die Jahre 1789 bis 1848 -

Die russische Regierung verfolgte eine expansorische Politik. An das Land fielen 1795 Teile Polens, 1809 Finnland und 1812 Bessarabien. Im Winter 1812 wurde die napoleonische Armee in Rußland geschlagen. Die vier Großmächte der antinapoleonischen Koalition - Großbritannien, Rußland, Preußen, Österreich - sahen sich nach ihrem Sieg in der Meinung bestärkt: Die internationale, von Frankreich ausgehende Große Bürgerliche Revolution erfordert eine internationale, gegenrevolutionäre Antwort. So bildeten sie einen gemeinsamen Bund, die „Heilige Allianz".
Auf das entfernte Rußland hatten die Ideen der Französischen Revolution keine direkten Einwirkungen. Die russische Monarchie hielt jeglichen Liberalisierungsversuchen stand. Politische, soziale und kulturelle Befreiungsbewegungen mußten sich in Opposition zum herrschenden System entwickeln. Diese schweren Bedingungen spaltete die Intelligenz in zwei Lager: Die „Westler" entdeckten nach den napoleonischen Kriegen den neuen französischen Sozialismus. Sie setzten sich mit der Philosophie Schellings und Hegels auseinander.
Die „Slawophilen" distanzierten sich von den „Westlern". Sie flohen in ihre nationale Vergangenheit. In einem südrussischen Dorf. Holzstich aus dem Jahr 1883.
In einem südrussischen Dorf. Holzstich aus dem Jahr 1883.

Die russische Literatur erreichte im 19. Jahrhundert Weltgeltung.
Dazu haben neben

Ein Bollwerk gegen den Fortschritt?

- Die Jahre 1848 bis 1904 -

Während später in West- und Mitteleuropa in dem Revolutionsjahr 1848 unmißverständlich die Forderungen nach mehr Freiheit und Demokratie gestellt wurde, blieb in Rußland alles beim alten: Der Zar konnte als unumschränkter Alleinherrscher seinen Willen durchsetzen. Erst nach der schwe- ren Niederlage im Krimkrieg (1853-56) begann unter Zar Alexander II. (1855-81) eine Periode der inneren Reformen. Diese wurden jedoch nur sehr zögerlich durchgeführt. Verwaltung und Bildungs- wesen wurden modernisiert, nicht aber demokratisiert.  Rußland war im 19. Jahrhundert noch ein reines Agrarland. Die Leibeigenschaft wurde 1861 aufge- hoben, für eine umfassende Modernisierung der Landwirtschaft fehlte das notwendige Kapital. Trotz des allmählichen industriellen Aufschwungs konnten die sozialen Probleme nicht beseitigt wer- den. Forderungen nach Demokratie beantwortete der Zar mit Verhaftung und Verbannung nach Sibirien. Seit den späten sechziger Jahren kam es zu einer Welle von Terroranschlägen gegen Politiker, denen Zar Alexander II. 1881 selbst zum Opfer fiel. Sein Nachfolger Alexander III. verschärfte die Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Opposition: Parteien blieben verboten, nichtorthodoxe Christen wurden verfolgt, Zeitungen zensiert. Unter Nikolaus II. wurde das Eisenbahnnetz weiter ausgebaut. Damit wollte er die wirtschaftliche Entwicklung Rußlands und den Anschluß an westliche Staaten beschleunigen. Die Textil- und Schwerindustrie blühte auf, die Landwirtschaft verwelkte. Versorgungsnöte schürten die allgemeine Unzufriedenheit. Die Hungrigen liefen den verbotenen Parteien zu.


Versuche zur Demokratisierung

im Jahr 1905

Die Niederlage im russisch-japanischen Krieg von 1904/05 verminderte das Ansehen der zaristischen Regierung noch mehr. Eine Protestdemonstration von 200 000 Arbeitern endete unter den Schüssen von Soldaten. Dieser Petersburger Blutsonntag war der Anlaß für eine landesweite Woge von Aufständen, Attentaten und Generalstreiks. Nun mußte sich der Zar beugen: Am 17./30. Oktober verbriefte er im „Oktobermanifest” bürgerliche Freiheiten, eine Verfassung und ein Parlament (Duma). Die Duma blieb jedoch der Willkür des Monarchen unterworfen. So zögerte er Entscheidungen hinaus. Die Arbeiter- parteien wurden unterdrückt und ihre Führer verbannt. Die Lage blieb gespannt.


Copyright © 1998 1999 Universität Potsdam, Institut für Slavistik.
Sebastian Schütze
Letzte Aktualisierung:

Übersicht Rußland
Home