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Einfuehrung in die Russistik

Bedeutung III.

Monosemie und Polysemie. Polysemie und Homonymie. Lexikalisch-semantische Beziehungen im System.


Monosemie und Polysemie.

In den meisten Faellen haben Lexeme nicht nur eine "Bedeutung", sondern mehrere, sie sind also nicht monosem (eindeutig, однозначны), sondern polysem (mehrdeutig, многозначны).

Die einzelnen "Bedeutungen" (Sememe) eines polysemen Lexems sind in der Regel nicht gleichwertig, man kann unter ihnen mindestens eine, manchmal auch mehrere Hauptbedeutungen unterscheiden. Als "Hauptbedeutung" wird dabei jene angesehen, die im Bewusstsein der Sprachtraeger mit dem Formativ zu einer besonders festen Einheit verbunden ist, somit bei der Wahrnehmung ausserhalb des Kontextes durchschnittlich zuerst reproduziert wird. Als Hauptbedeutung fungiert zumeist die direkte Bedeutung, in der die Merkmalkomplexe der Dinge und Erscheinungen in der Regel unvermittelt reflektiert werden.
Die direkte Bedeutung ist im Vergleich zu den uebertragenen (Neben-)Bedeutungen frei, d.h. sie bedarf keiner Stuetze durch andere Bedeutungen.

Lexikalisch-semantische Varianten (Semem) und Lexem.

Man kann eine Unterscheidung zwischen lexikalisch

Polysemie und Homonymie.

 

Totale Homonymie (Homonyme), partielle Homonymie (Homoformen - Homographen)

мир, ключ

худой, поцелуй

гвоздика, замок

Syntagmatische und paradigmatische Beziehungen

Bei der Beschreibung des ganzen Systems einer Sprache - nicht nur ihrer lexikalischen Ebene - spielen syntagmatische und paradigmatische Beziehungen eine wichtige Rolle.

Syntagmatische Beziehungen bestehen zwischen angrenzenden Elementen, die in einer linearen Kette sprachlicher Zeichen vorkommen bzw. vorkommen koennen. Die Wirkung solcher Beziehungen kommt in der Kompatibilitaet/Inkompatibilitaet (Vetrtraeglichleit/Unvertraeglichlichkeit) entsprechender sprachlicher Zeichen zum Ausdruck. In der Syntax, der Satzlehre ist die Fuegungspotenz, die sich in der Faehigkeit aeussert, bestimmte lexikalisch-semantisch Varianten an sich zu binden (Valenz) das bestimmende Beispiel. Im lexikologischen Bereich zeigen sich syntagmatische Beziehungen besonders deutlich in der Wortbildung.

Paradigmatische Beziehungen bestehen zwischen Elementen, die nach einem invarianten Merkmal geordnet werden und die in der Lage sind, eine bestimmte Position in der Kette aktueller Zeichen auszufuellen. In der Morphologie bilden z.B. alle Kasus ein paradigmatisches (Teil-)System. Sie koennen nicht gleichzeitig auftreten, sondern werden bei der Sprachproduktion entsprechend den grammatischen Regeln ausgewaehlt

Paradigmatische Beziehungen im lexikalischen System (Auswahl)

  1. Beziehungen der Unterordnung und Nebenordnung
    Hyponomie - Hyperonymie und Kohyponyme
  2. Identitaets- und Aequivalenzbeziehungen
    Synonymie
    Synonyme und Dubletten (орфография - правописание) und Heteronyme
    Begriffliche (ideographische) ( известный - знаменитый) und stilistische Synonyme (лошадь - конь)
    Synonymreihen
  3. Gegensatzbeziehungen
    Logische Grundlagen (polare und kontradiktorische Gegensaetze)
    Qualitative Gegensaetzlichkeit (легкий - трудный), Komplementarietaet (холостой - женатый), Konversivitaet (увеличивать - уменьшивать)
  4. Aehnlichkeitsbeziehungen
    Paronymie (экскаватор - эскалатор)

Literatur

Autorenkoll. u. d. Ltg. v. L. Wilske. Die russische Sprache der Gegenwart. Bd. 4. Lexikologie. Leipzig: Enzyklopaedie, 1978.
Schippan, Th. Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig. Bibliographisches Institut, 1984, 126.


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[Letzte Aktualisierung: 16.04.2006 6:28 PM ]