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Einfuehrung in die Russistik

Sprache im Gebrauch. (Rhetorik.) Stilistik. (Pragmatik.) (Gespraechsanalyse.)

Die Untersuchung der Frage nach dem wirkungsvollen Sprachgebrauch ist offensichtlich so alt wie Wissenschaftsgeschichte. Ihre erste systematische Reflexion erfuhr diese Frage in der antiken (griechischen) Rhetorik. Viel spaeter wandelt sich das Interesse der Rhetorik weg vom Konzipieren und Realisieren verschiederer Redeformen hin zum Ausschmuecken der Texte in der Ornatus-Lehre der mittelalterlichen Stilistik, ehe sich in der neueren und neuesten Zeit differenzierte Forschungsrichtungen dieses Problems annahmen. Dies macht es unmoeglich, von einem und nur einem Ansatz aus alle relevanten wissenschaftlichen Reflexionen zur ausgeworfenen Frage erfassen und geordnet darstellen zu wollen. Deshalb verstehen sich die nachfolgenden Ausfuehrungen lediglich als aspektuale Annaeherungen an das Thema.

Wirkungsvoller Sprachgebrauch laesst sich zunaechst relativ eng als Verwendung besonderer sprachlicher Einheiten und Strukturen zum Ausdruck emotional-expressiver Nuancen interpretieren. Z.B. kuendet die Aussage "Иван очень глупый" ziemlich direkt vom geistigen Zustand Iwans. "Иван не очень умный" kann Dasselbe bedeuten, erscheint jedoch gemaeszigter, allerdings wiederum etwas weniger, als wenn ich sage "Не мог бы сказать, чтобы Иван был бы умным". Dagegen ist "Иван тупой" schon wieder sehr direkt, wenngleich wir es hier mit einer Bedeutungsuebertragung zu tun haben, denn urspruenglich bedeutet 'тупой' - "Недостаточно отточенный, такой, к-рым трудно резать, колоть" (Ожегов, С.И., Шведова, Н.Ю. Толковый словарь русского языка. ... 4-ое изд., доп. М.: Азбуковник, 1998, 816). Richtig positiv kann die Aussage wirken, wenn ich zu Verkleinerungsformen greife: "Глупенький наш Иванушка у нас опять". Aehnliches kann erreicht werden, wenn ich mich einer Intonation bediene, die Ironie zum Ausdruck bringt.
Festzuhalten waere an dieser Stelle, dass die Sprache (das Sprachsystem) offensichtlich ueber ein Reservoir an Mitteln auf unterschiedlichen Ebenen verfuegt - auf phonetischer E., lexikalischer, einschlieszlich derivatologischer und phraseologischer E., auf grammatischer (syntaktischer, aber auch morphologischer) E., um die Aussagen mit differenzierten "Zwischentoenen" zu versehen.
Die lexikalischen Moeglichkeiten, emotionale und expressive Schattierungen auszudruecken, werden - sofern es sich um Umschreibungen und Uebertragungen handelt - gewoehnlich als "Tropen" (Sg. Tropus) bezeichnet, die syntaktischen Moeglichkeiten als "Figuren". (MICHEL [1983, 467ff.] bietet eine plausible Uebersicht ueber alle Tropen und Figuren.)

Wirkungsvoller Sprachgebrauch laesst sich auch als zweckmaeszige Verwendung sprachlicher Mittel innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Sphaeren begreifen. Diese Fokussierung findet man in der Funktionalstilistik, deren Tradition Anfang vorigen Jahrhunderts vom Prager Linguistischen Kreis begruendet wurde und in der sowjetischen Linguistik einen beachtlichen Forschungsstrang hervorgebracht hat.

Zur Begrifflichkeit von "Stilistik" s. folgende Bestimmungen:

Zur Einfuehrung in das Gebiet s.auch Sowinski, B. Stilistik. Stiltheorien und Stilanalysen. 2., ueberarb u. akt. Aufl. Stuttgart: Metzler, 1999.

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[Letzte Aktualisierung: 16.04.2006 6:50 PM ]