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Einführung in die Linguistik

Beiträge von Studenten - Boris Ronis

Ludwig Heinrich von Jakob (26.02.1759 - 22.07.1827)

Wurde am 26. Februar 1759 in Wettin geboren. Dort erhielt Ludwig Heinrich von Jakob seinen ersten Unterricht in der Domschule von Merseburg. Ab 1773 besuchte er das Gymnasium in Halle. Ab 1777 begann er das Studium der Philologie an der dortigen Universität. Da er aus verarmten Verhältnissen stammte, erwarb er sich den Lebensunterhalt durch das Geben von Privatunterricht an wohlhabende Studenten. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums fand er 1781 eine Anstellung als Gymnasiallehrer. Nach bestandener Promotion und weiterer Beschäftigung mit philosophischen Fragen erhielt er 1789 eine außerordentliche Professur. Weiterhin beschäftigte er sich mit Fragen der Nationalökonomie und der Staatswissenschaften.
In Folge der Auflösung der Universität durch Napoleon im Jahre 1806, nahm er eine Berufung an die Universität Charkow an. Nach einer Arbeit über das russische Papiergeld wurde er 1809 als Mitglied einer Finanzkommission nach Petersburg berufen und verfasst einen "Entwurf eines Kriminalgesetzbuches für das russische Reich". Die Rückkehr nach Halle im Jahre 1816 verband die russische Regierung mit der Erhebung in den Adelsstand. In Halle wirkte er weitere 10 Jahre und veröffentlichte das zweibändige Werk "Die Staatsfinanzwissenschaft".

Die sprachwissenschaftlichen Erungenschaften Ludwig Heinrich von Jakob:

  • Sprachwissenschaftlich hat von Jacob das Buch "Aufzeichnung der allgemeinen Grammatik für die Gymnasien des russisschen Reiches" (1812) verfaßt. Er erklärt in ihm, zum erstenmal in der Geschichte der russischen Sprachwissenschaften, den Begriff der Sprache mit Hilfe des Zeichenbegriffs und seiner Rolle im geistigen Leben der Menschen.
  • Mit Sprache konnte man, nach von Jacob, jedes System von Zeichen mit Gedanken willkürlich übermitteln
  • Nach der Zeichenlehre, die er entwickelt hat, sind Zeichen "jeder sinnliche Gegenstand, der dazu dient, einen bestimmten anderen Begriff in unserer Seele auszulösen, und zwar auf richtige Weise".
  • Er unterschied zwischen naürlichen (notwendigen) und künstlichen (willkürlichen) Zeichen. Unter den Natürlichen verstand er die nichtsprachlichen Arten der Informationsübermitlung (z.B. Körperbewegungen, Blicke etc.). Die Künstlichen bildeten hingegen die Wortsprache.
  • So formulierte er auch die Vorteile der künstlichen (willkürlichen) Zeichen:
    • sie sind nicht zahlreich, aber ihre unterschiedliche Verteilung erlaubt es, "eine große Vielfalt andereZeichen zusammenzustellen".
    • Durch ihre geringe Zahl lassen sie sich leichter im Gedächnis behalten.
    • Die Willkürlichkeit des Zeichens erlaubt seine Verwendung als Verständigungsmittel.
    • Das Zeichen läßt sich unter beliebigen Umständen verwenden.
    • Zeichen haben einen abstrakten Charakter. Diese Besonderheit der Zeichen machen sie geeignet "zum Denken, denn ohne sie kann man einen Gedanken in seiner Abstraktheit weder verfertigen noch erst recht behalten".
  • von Jacob unterscheidet streng zwischen "Sprache" und "Rede". Er definierte Sprache als eine Summe von aus artikulierten Lauten betstehenden Wörtern. Rede war für ihn hingegen eine Reihe von Wörtern, die zusammengefügte Gedanken ausdrückten.

Übersicht der Werke von Ludwig Heinrich von Jakob: Grundriss der allgemeinen Logik (Halle, 1788) Grundsätze der Polizeigesetzgebung und Polizeianstalten (Leipzig, 1809); Einleitung in das Studium der Staatswissenschaften (Halle, 1819); Entwurf eines Kriminalgesetzbuchs für das russische Reich (Halle, 1818) und Staatsfinanzwissenschaft (Band 2, Halle, 1821).

Literatur
Berezin, Fedor Michailovich: Istorija ruskogo jazykoznanniya. Vysshaya Shkola. Moskva, 1979

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Letzte Aktualisierung: 14.04.2006 9:06 PM