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Einführung in die Linguistik

Beiträge von Studenten - Tat'yana Marchuk

Buslaev, Fedor Ivanovich
(1818 –1897)

Lebenslauf:

  • entstammte einer armen Kreisanwaltsfamilie
  • bekam die Anfangsgründe der russischen Grammatik am Gymnasium in Pensa von Belinski vermittelt
  • 1834-1838 Studium in Moskau
  • von 1847 an hielt Vorlesungen an der Moskauer Universität – zum erstenmal in Russland zur vergleichenden Grammatik des Indoeuropäischen und zur historischen Grammatik des Russischen
  • 1860 wurde Akademiemitglied; danach widmete sich hauptsächlich der altrussischen Literatur, der Folklore und den Miniaturen auf alten Büchern

Werke:

  • - "Über den Muttersprachunterricht", 1844
  • "Über den Einfluss des Christentums auf die slawische Sprache", 1844
  • "Versuch einer historischen Grammatik der russischen Sprache", 1858
  • verschiedene Rezensionen zu den Schriften von Sresnewski, Aksakow, Pawski

Allgemeine Probleme der Sprachwissenschaft bei Buslaev:

  • - Für Buslaev war die Sprache ein kontinuierlicher Schöpfungsprozess.
  • Die Sprache widerspiegelt das ganze Leben des Volkes, diese Hauptthese vertrat Buslaev immer wieder.
  • Buslaev behandelte die meisten Probleme der Wechselbeziehungen von Sprache und Denken im Geiste der philosophischen Grammatik. Die Sprache ist zwar Ausdruck der Denktätigkeit, der Gedanke entwickelt sich aber unabhängig von den Formen der Sprache. Buslaev erkannte, dass Sprache und Denken zusammenhängen, trennte aber doch das Denken von der Sprache; er sah Sprache und Denken als Parallelen an.
  • Ganz im Sinne der seinerzeit verbreiteten philosophischen Auffassungen der Romantiker unterschied Buslaev in bezug auf das Verhältnis von Sprache und Denken eine ältere und eine jüngere Periode der Sprachwissenschaft. In der älteren Periode füge sich „der Ausdruck des Gedankens stärker der Lebendigkeit des Eindrucks und den Eigenschaften der gesprochenen Sprache“. In der jüngeren Periode sei die Sprachschöpfung bereits fertig, sei die Sprache schon ein sterbender Organismus.
    Diese Vorstellungen übertrug Buslaev auch auf die russische Sprache; ihre Geschichte sei ein fortlaufendes Zerstören der ursprünglichen, grundlegenden und wesentlichen Sprachformen. Die älteste Periode sei in der Sprachgeschichte am interessantesten und am nützlichsten.
  • Verschiedene Thesen von Buslaev gelten auch heute noch, so z.B. in bezug auf den Systemcharakter der Sprache. Für Buslaev war die Sprache eine Summe grammatischer Formen der unterschiedlichsten Herkunft und Zusammensetzung; das Sprachsystem bildete eine Verknüpfung zeitlich unterschiedlicher Erscheinungen. Die Sprachgeschichte steht "in engem Zusammenhang mit der Gegenwartssprache, denn sie rekonstruiert und erklärt das, was heute unbewusst gebraucht wird".
  • Buslaev sah einen engen Zusammenhang zwischen der vergleichenden und der historischen Erforschung der Sprache.
  • Die russische Sprache als lebendes Ganzes sei seiner Meinung nach nur in Verbindung mit den übrigen indoeuropäischen Sprachen erfassbar.
  • Buslaev hielt es für erforderlich, auch die Geschichte der russischen Sprache vergleichend zu untersuchen.
  • Die historische Erforschung der russischen Sprache sollte sich nicht auf die geschriebene Sprache beschränken. Da die herrschende Sprache dem Einfluß der regionalen Mundarten unterliegt, müsse man die „Provinzialismen“ untersuchen.
  • Buslaev erschloß der Sprachwissenschaft die historische Grammatik der russischen Sprache. Die theoretische Aufbereitung des von ihm zusammengetragenen umfangreichen sprachgeschichtlichen Materials war für die weitere Forschung von großer Bedeutung.

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Letzte Aktualisierung: 14.04.2006 9:38 PM