Die Universität Potsdam - Ein Portrait

Wissen und Visionen


Physikgebäude
Fotos: K. Fritze

Denken und Sprache, Geist und Gehirn. Was nimmt der Mensch wahr? Und wie speichert er es im Gedächtnis? Die kognitiven Prozesse des Lernens - an keinem anderen Ort sind sie so präsent wie an einer Universität. Und nirgends greifen Neugier und Erkenntnissuche, Fantasie und Schöpfergeist so weit voraus wie in der Wissenschaft.
Die Potsdamer Alma Mater hat der geistigen Leistungsfähigkeit des Menschen eine besondere Stellung eingeräumt. Mit den Kognitionswissenschaften schuf sie in Forschung und Lehre einen ersten Exzellenzbereich, mit dem sie sich international etablieren will: ein aktuelles Forschungsfeld, auf dem sich verschiedene Disziplinen feinnervig vernetzen.

Reagenzglas

Im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens hat sich die Universität Potsdam innerhalb der traditionsreichen Forschungslandschaft der brandenburgischen Landeshauptstadt ein klares Profil gegeben. Auf acht Zukunftsfeldern bündelt sie ihre Kompetenzen:
Die Geowissenschaften untersuchen vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen und des sich wandelnden Klimas die Wechselwirkungen zwischen Erdinnerem, Erdoberfläche und den klimatischen und biologischen Abläufen in der Natur. Wie sich der globale Wandel auf die ökologischen Systeme, die Biodiversität und die natürlichen Ressourcen auswirkt, erkundet der Profilbereich Funktionelle Ökologie und Evolutionsforschung.
Der rapide fortschreitende Klimawandel rückt zudem die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen ins Blickfeld. Die Pflanzengenomforschung und Systembiologie fragt nach der Rolle der Gene und nach den molekularen und zellulären Netzwerken, die diese Prozesse in den Pflanzen steuern. Materialien für die Welt von morgen entwickelt der Bereich Funktionale Weiche Materie. Hier entstehen beispielsweise hocheffiziente Leuchtdioden, neuartige Solarzellen und künstliche Muskeln.

Auch in den Gesellschaftswissenschaften zeigt die Universität Konturenschärfe: Der Profilbereich Politik, Verwaltung und Management stellt die Steuerung und Verwaltung in Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf eine wissenschaftliche Grundlage. Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft in einer globalisierten Welt untersucht der Bereich Kulturelle Begegnungsräume. Und die Empirischen Bildungswissenschaften stellen sich den Herausforderungen der Wissensgesellschaft. Neue Methoden des Lehrens und Lernens werden hier entwickelt und in der Praxis erprobt.
Der achte Profilbereich, die Komplexen Systeme, erforscht die Ordnung im Chaos. Als methodisch orientierte Wissenschaft ist sie wie keine andere dazu geeignet, die verschiedenen Disziplinen zusammenzuführen, sei es in der Erforschung kosmischer Strukturen, molekularer Systeme oder kognitiver Prozesse.

Wie im Innern, so vernetzt sich die Universität Potsdam auch nach außen. Im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung - beides Institute der Leibniz-Gemeinschaft - sowie dem Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum hat die Hochschule wissenschaftliche Partner von Weltgeltung gefunden. Mit den Max-Planck-Instituten für Molekulare Pflanzenphysiologie, für Kolloid- und Grenzflächenforschung sowie für Gravitationsphysik und vielen weiteren Forschungseinrichtungen bestehen enge Kooperationen und gemeinsame Professuren. Nicht zuletzt arbeitet die Universität mit den beiden Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft im Wissenschaftspark Golm zusammen, einem Forschungscampus, der weit über die Grenzen Deutschlands an Renommee gewinnt.

Blick in Hörsaal

Potsdam gilt mit der größten Universität Brandenburgs und der Vielzahl außeruniversitärer Institute als eine der am dichtesten besiedelten Forschungslandschaften Deutschlands. Mehr als 8000 Menschen arbeiten hier bereits in der Wissenschaft. Synergien zu nutzen, liegt da auf der Hand. Das "pearls • Potsdam Research Network", ein bundesweit einmaliger Verbund von Forschungseinrichtungen, organisiert den Diskurs über brisante Themen und künftige Forschungsfelder und bindet dabei vor allem den wissenschaftlichen Nachwuchs ein. Um die Ideen gemeinsam zu verwirklichen, wird pearls zu einer Plattform für die Akquise neuer Forschungsverbünde ausgebaut. In einem weiteren Schritt sollen die Innovationen aus Potsdamer Laboren in die Praxis überführt werden und so die Wirtschaftskraft des Landes stärken.

Als Preisträgerin des Wettbewerbs "Exzellenz in der Lehre" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz setzt die Universität Potsdam konsequent ihr Konzept zur Verbesserung der Lehre um: Im Programm "Junior Teaching Professionals" werden Promovierende die Lehre mit Bezug zur eigenen Forschung spannend und lebendig mitgestalten. Das "Senior Teaching Professionals"-Modell qualifiziert Neuberufene und Post-Docs für die Entwicklung von Curricula. Erfahrene Wissenschaftler bringen hier ihre Kompetenzen in die Weiterbildung von Hochschullehrern ein. Das "Online Studierendenpanel" hilft als unbürokratisches Evaluationsverfahren die Instrumente der Qualitätssicherung weiterzuentwickeln.

Die Universität Potsdam ist eine lebendige Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden. Erforschtes und Entwickeltes fließen direkt in die Lehre ein, und die Studierenden spüren die wissenschaftliche Dynamik ihrer Fächer. Sie erleben zudem, dass ihre Studiengänge einer ständigen Qualitätsprüfung unterzogen werden. Modular aufgebaute Studiengänge und begleitende Prüfungen ermöglichen den Studierenden einen erfolgreichen und zügigen Abschluss.

Gruppe auf Treppe

In den überarbeiteten Bachelor-Studiengängen wird eine strukturierte Eingangsphase zunehmend mit Auslandsstudien und einer gezielten Berufsorientierung verknüpft. Dafür baut die Universität ihre internationalen Beziehungen aus. Die Studienmöglichkeiten an den über 30 europäischen Partner-Universitäten werden mit jenen in Potsdam zunehmend kompatibel.
Auch die darauf aufbauenden Masterstudiengänge und Promotionsprogramme richten sich stärker international aus. Gute Kontakte gibt es unter anderem bei den Romanisten zur Universität Paris Ouest-Nanterre/La Défense und bei den Wirtschaftswissenschaftlern zu Universitäten in St. Petersburg und Moskau. Künftig sollen weitere Allianzen entstehen, etwa mit den Erdwissenschaften an der entstehenden Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul.
Einen zusätzlichen Anreiz, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, erfahren besonders Begabte, indem sie schon während ihres Studiums in die Forschung einbezogen werden und mit der Promotion abschließen können. Um die fachliche Betreuung der Doktoranden und die Qualität ihrer Arbeiten zu verbessern, hat die Universität die fakultätsübergreifende Potsdam Graduate School gegründet, die den Wissenschaftsstandort Potsdam für Nachwuchskräfte aus dem In- und Ausland noch attraktiver macht.

In der sensiblen Bewerbungsphase nach Studium oder Promotion verhilft der Career Service zu beruflicher Orientierung. Hier erworbene Schlüsselkompetenzen erleichtern den Studierenden den Übergang in die Arbeitswelt. Auch Praktika und Kontakte zu Unternehmen in Wirtschaft und Verwaltung werden vermittelt.
Absolventen mit Geschäftsideen finden die Unterstützung des Gründerservice der Universität, der vom Institut für Gründung und Innovation BIEM CEIP getragen wird. Seit Jahren belegt die Universität Potsdam im nationalen Gründerranking vordere Plätze, 2009 erstmals sogar den Spitzenplatz. Ein sichtbares Zeichen des Erfolgs ist der Go:Incubator in Golm, ein Gründerzentrum, in dem Geschäftsideen reifen können.
Für den Wissens- und Technologietransfer kann die Universität zudem auf eine profilierte Tochtergesellschaft, die UP Transfer GmbH, zurückgreifen. Sie hilft dabei, Innovationen aus der Forschung in die Praxis zu überführen. Mehr und mehr zeigt sich, dass man in Potsdam nicht nur studieren kann, sondern auch gute Arbeits- und Karrieremöglichkeiten vorfindet.


 

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