Seit Jahren bietet sich am Uni-Standort das gleiche Bild: Kräne drehen sich, Bagger schaufeln, was das Zeug hält, Neues wächst aus dem Boden, Altes bekommt ein neues Gesicht. Das wird sich auch im Studienjahr 2007/2008 nicht ändern. Kleine und große Bauvorhaben werden weiter den täglichen Studien- und Forschungsbetrieb vor Ort begleiten.

Ein Meilenstein bei der Gestaltung des gesamten Komplexes dürfte die Errichtung des Hauses 28, des neuen Gebäudes für die Physik, darstellen. Seine Übergabe ist nach Aussage Hans Göbels, des Leiters der Uni-Bauverwaltung, für Januar nächsten Jahres geplant. Die neuen Nutzer können dann voraussichtlich in den Monaten Februar und März einziehen. Das Institut für Physik bietet zukünftig in Golm 500 Studienplätze und Raum für 17 Arbeitsgruppen. Baulich hat man sich etwas einfallen lassen. Der Dreigeschosser besticht wie schon die Nachbar-Gebäude durch viel Glas und Licht. Drinnen gibt es auf fast 6000 Quadratmetern Nutzfläche Platz für Forschungslabore, Übungsräume und einen Hörsaal. Vier Treppenhäuser ermöglichen das bequeme Erreichen der Flure. Eines der Treppenhäuser führt bis auf die Dachfläche und dient als Zugang zu einer Observationskuppel. "Das kleine Observatorium werden wir vor allem für das astrophysikalische Praktikum nutzen", erklärt Physik-Professor Wolf-Rainer Hamann auf Nachfrage. "Erst in zweiter Linie dient es kleineren wissenschaftlichen Projekten." Die Gesamtbaukosten für das Gebäude belaufen sich auf über 23 Millionen Euro, die zur Hälfte aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammen. Ein Viertel zahlt der Bund, ein weiteres Viertel das Land Brandenburg selbst.
Gleich neben dem Haus der Physiker entsteht das neue Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ). Die Bauarbeiten hierfür beginnen voraussichtlich schon im November und sollen bis 2010 dauern. Das IKMZ wird unter anderem Sitz der Bibliotheksverwaltung, der Abteilung Medienbearbeitung und des Uni-Verlages. Unter seinem Dach finden die Leser später die Buchbestände der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Humanwissenschaftlichen Fakultäten, ein Magazin für weitere Literaturbestände der verschiedenen Standorte und bibliophile Raritäten. Das Zentrum soll insgesamt Platz für eine Million Bände bieten. Und nicht nur das. Geplant sind darüber hinaus ein Multimedia-Bereich, je ein Vortrags- und Schulungsraum sowie mehrere Gruppen- und Arbeitsräume.
Fast fertig ist dagegen das östlich des Hauses 14 gelegene Gewächshaus für die Pflanzenwissenschaftler. Nach der Übergabe des Gewächshauses muss nun noch die Ausstattung mit den für eine gentechnische Anlage erforderlichen Geräten erfolgen, bevor es für die Kultur gentechnisch veränderter Pflanzen zugelassen werden kann. So müssen zwei große Autoklaven installiert werden, durch die biologisches Material vollständig inaktiviert wird. Auch der Anschluss an die Notwärmeversorgung des zentralen Heizungsgebäudes ist noch herzustellen, das sich derzeit in einer Umrüstung und Erweiterung befindet. "Ich hoffe, dass diese Maßnahmen in naher Zukunft abgeschlossen sind und das Gewächshaus für unsere Arbeit voll zur Verfügung steht", zeigt sich Martin Steup, Professor für Pflanzenphysiologie, optimistisch.
Weniger glücklich sind gegenwärtig die Mitarbeiter des Instituts für Geografie, die im Frühjahr 2008 ins erste Obergeschoss des Hauses 14 ziehen sollen. Ins gleiche Haus zieht im Februar 2008 schon das Institut für Grundschulpädagogik. Beide Institute müssen, so Hans Göbel, das Haus 9 verlassen, weil es innen saniert und für den Einzug des Institutes für Mathematik vorbereitet wird. Das bereitet nicht nur Institutsleiter Prof. Dr. Manfred Rolfes Kopfschmerzen, der sich ein stärkeres Einbeziehen der Betroffenen in die Planungen wünscht, damit am Ende eine für alle Seiten optimale Lösung herausspringt. Entspannt hat sich dagegen die Parkplatzsituation, die im Zuge der Gestaltung der Außenanlagen stark verbessert wurde. "Wir haben das Gros der erforderlichen Stellflächen erreicht", so Gernolf Schulz vom Hochschulgebäudemanagement der Universität Potsdam zum Stand der Dinge. Autofahrer können inzwischen auf 750 Parkplätzen ihre kleinen oder großen Karossen abstellen.
Während beispielsweise für ein weiteres Gebäude erst die Planungen beginnen, ist ein anderes großes Bauvorhaben bereits in vollem Gange. Gemeint sind die Arbeiten am Bahnhof Golm und die damit zusammenhängende Straßenverbindung von Wissenschaftspark und Uni-Campus. Ursprüngliche Planungen sahen vor, dass das gesamte Ensemble zum Ende des Jahres fertig ist. "Das werden wir nicht halten können", meint Martina Woiwode vom Fachbereich Grün- und Verkehrsflächen, Bereich Verkehrsanlagen der Stadtverwaltung. Grund dafür seien Grundwasserprobleme unter der Bahnbrücke. Dadurch verzögere sich die Leitungsverlegung. Ansonsten jedoch geht es offensichtlich gut voran. Derzeit laufen die Straßenarbeiten und auch die Arbeiten an den Abgängen der Bahnsteige. Im November soll der Bahnhofsvorplatz an der Uni-Seite ein neues Gesicht bekommen: mit einem entsprechenden Belag, Bäumen und farbigen Sitzpollern. Kommen sollen Park-and-ride-Anlagen für 50 Autos sowie auf beiden Seiten der Bahn Bike-and-ride-Anlagen für insgesamt 150 Fahrräder. An fünf behindertengerechten Bushaltestellen rings um den Bahnhof herum werden künftig die Golmer und die vielen Studierenden und Wissenschaftler, die hier inzwischen beheimatet sind, ein- und aussteigen können.