Juli bis September 2008
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Gärtner, Dichter und Florist

Nahaufnahme: Thomas Sinde ist Mitarbeiter des Botanischen Gartens

Er bringt Farben, Düfte, Harmonie und Schönheit. Keine Feierlichkeit, kein Festakt oder Empfang an der Universität Potsdam kommt ohne seine kunstvollen Sträuße, Gebinde oder Gestecke aus. Gäbe es sie nicht, fehlte etwas. Nicht selten werden sie bestaunt und bewundert, immer mit der Hoffnung, ihre Frische bliebe möglichst lange erhalten. Meist liefert er seine Arrangements selbst an und hilft beim Drapieren, vom Ficus und Efeu bis zur Schnittblume in der irdenen Vase. All die Blumen und Pflanzen eben, die im Botanischen Garten der Uni Potsdam gedeihen und, je nach Jahreszeit, Bedarf und Anlass, zum Ausschmücken oder Überreichen geeignet scheinen.


Gärtner Sinde:
"Die Leute hier sind kreativ."
Foto: Fritze

Thomas Sinde, der gelernte Gärtner für Zierpflanzen, möchte sein floristisches Geschick nicht überbewertet wissen. "Wenn man immer wieder damit zu tun hat, sich damit lange genug beschäftigt, dann kommt das von ganz allein. Aber das Dekorieren macht schon Spaß, auch weil ich dadurch viel herum komme, viele Menschen und andere Berufsfelder näher kennen lerne."
In Babelsberg im Mai 1970 geboren, wuchs Sinde in Teltow auf, ging dort zur Schule und begann danach eine Gärtnerlehre im Botanischen Garten der Universität Potsdam. Mit deren Abschluss im Jahre 1988 wird er Potsdamer. "Es war Zufall, dass ich ausgerechnet diesen Beruf erlernte. Eigentlich hätte ich lieber etwas mit Holz gemacht. Aber ich bereue es nicht, im Gegenteil, ich liebe meinen Beruf."
Sein Arbeitstag beginnt meist auf dem Drachenberg unweit der Maulbeerallee, wo er Blumen schneidet, arrangiert und dann, seine Bestellliste abarbeitend, an die jeweiligen Uni-Standorte liefert. Seinen Arbeitsplatz empfindet Sinde als Refugium mit besonderer Atmosphäre. Auch mit Blick auf sein privates Leben ist es der Ort, von dem eine entscheidende Richtungsänderung ausging: Anfang der neunziger Jahre lernte er hier die Frau kennen, die bis heute seine Lebensgefährtin und seine Kollegin ist.
Weil man den Besucher mit seiner botanischen Neugier und Aufmerksamkeit immer im Hinterkopf habe, kämen viele Vorschläge, auch was die Außenwirkung angehe, von den Mitarbeitern selbst. "Die Leute hier sind kreativ, die gehen alle auf in ihrer Arbeit." Gleichwohl: "Man ist mittlerweile stärker auf sich selbst angewiesen, hat mehr Verantwortung, da die Arbeit mehr geworden ist und im gesamten Gewächshauskomplex lediglich noch zwei volle und zwei ‚verkürzte' Kräfte tätig sind." Entlastung und Erleichterung seien aber auch spürbar. "Früher waren ja die Mitarbeiter hier halbe Handwerker, mussten mauern und malern, ganz zu schweigen vom Heizen. Heutzutage können wir uns wirklich auf die eigentlichen Arbeiten mit den Pflanzen konzentrieren, also Pflege, Haltung und Ausbau der Arten."
Zu den täglichen Arbeiten des Vaters einer Tochter und eines Sohnes zählen das Bewässern oder Transportieren der Palmen und Saisonpflanzen, das Umtopfen, Umkübeln und Umdekorieren, Düngen oder Rasen mähen. Es fällt immer etwas an. Er kümmert sich um die Vermehrung der Gewächse, ist verantwortlich für die Gewächshaustechnik, erledigt organisatorische Dinge, ist mit zuständig für die Lehrlinge und vertritt die Sekretärin bei deren Abwesenheit im Urlaub oder Krankheitsfalle. Und er leitet Führungen durch den Botanischen Garten, wo er Ausführliches vor allem über die Passionsblume, seiner unumstrittenen Lieblingspflanze, zu berichten weiß. "Immerhin dreißig reine Arten der ‚Passiflora' wachsen unter diesen Dächern", so Sinde.
Persönliche Kontakte zu den Besuchern sind ihm wichtig, auch deren kritische Anmerkungen. Oft kommt es zur Fachsimpelei. "Die hoffen natürlich auf Ratschläge und suchen nach Bestätigung für ihren Umgang mit den eigenen Pflanzen zu Hause. Aber manchmal erzählen sie einem auch ihr ganzes Leben."
Gut möglich, dass Sinde aus solchen Begegnungen ein Gedicht macht. Früher viele Jahre Hobby-Keyborder in einer Band, hat er vor etwa zehn Jahren damit begonnen, regelmäßig Gedichte zu schreiben. Seit dieser Zeit versucht der Robert Gernhard-Verehrer die Welt in Reime oder manchmal auch in Aphorismen zu fassen. Unter www.gedichte.com stellt er sie ins Netz, wo er als "Strassenreimer" bekannt ist und im Forum seine und die aktuellen Schreibversuche anderer diskutiert. Demnächst erscheinen einige Zeilen von ihm in einer zum Buch gebundenen Lyrikanthologie. "Oft führe ich den Leser auf eine falsche Fährte und konfrontiere ihn am Schluss mit einer unerwarteten, oft humoristischen Pointe. Ich bekomme viele Ideen für meine Verse hier im Grünen. Die schönsten Begleiterscheinungen meiner Arbeit sind die Inspirationen, die sie mir ermöglicht, egal, ob auf handwerklichem oder geistigem Gebiet."

tp
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[Letzte Aktualisierung 08.07.2008, Schroeter]