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7. Ausgabe: Dezember 2009
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Auf Empfehlung gut beraten

Sportwissenschaftler Jörg Latuske ist freiberuflicher Unternehmens- und Kommunikationsberater

As early as a year before his graduation as a sports scientist, Jörg Latuske began his professional career as an educator at the Education Institute of the State Sports Association of Brandenburg. With his degree in his pocket, he then entered into the field of medical research as a research associate at the university hospital in Ulm. After a number of temporary employment contracts, he became unsatisfied with the unsettledness of his professional life. Therefore, in 2004 he entered into self-employment as a business and communications consultant.

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Jörg Latuske: Lieber selbstständig als immer
nur Zeitverträge.
Foto: privat

Bereits ein Jahr vor seinem Abschluss als Diplom-Sportwissenschaftler gelang Jörg Latuske der Berufseinstieg beim Bildungswerk des Landessportbundes Brandenburg. Hier war er als pädagogischer Mitarbeiter angestellt. Mit dem Diplom in der Tasche wechselte er dann die „Seiten“ und ging als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Uniklinik in Ulm. Die zeitliche Befristung der aufeinander folgenden Arbeitsverträge empfand er jedoch als unbefriedigend. 2004 machte er sich deshalb als Unternehmens- und Kommunikationsberater selbstständig.

Mein erster Chef nach dem Studium, ein Mediziner, fand meine Projektberichte durchgehend „zu literarisch“. Bei den Geisteswissenschaftlern sei das wohl so üblich, aber hier müssten mehr Zahlen rein. Als Diplom-Sportwissenschaftler war ich in die Medizin geraten und wurde mit naturwissenschaftlichem Denken in Reinform konfrontiert. Untersuchungsgegenstände – dazu zählen auch Menschen – werden in erster Linie kausalanalytisch und empirisch betrachtet. Und das mir, der sich gerade noch in seiner Diplomarbeit mit qualitativer Forschungsmethodik und den Grundlagen des Konstruktivismus auseinander gesetzt hat.

Aber der Reihe nach: Ich wechselte von der Freien Universität Berlin an die Uni Potsdam, wo ich von 1995 bis 2000 den Diplomstudiengang Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportmanagement (ein Kind der Mischehe aus philosophischer sowie wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Fakultät) absolvierte. Meine erste „richtige“ Anstellung – nach diversen studentischen Jobs und studienbegleitendem Taxi fahren – fand ich bereits 1999, als pädagogischer Mitarbeiter im Bildungswerk des Landessportbundes Brandenburg. Mein Studium schloss ich mit einer Diplomarbeit zum Thema „Berufsbezogenes Studieren im Berufsfeld Sport“ ab. Anschließend ging ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Uniklinik Ulm, in die Abteilung Sport- und Rehabilitationsmedizin.

Als ich damals Berlin in Richtung Ulm verließ, erschien mir das als eine große Chance. Jobs als Wissenschaftlicher Mitarbeiter waren zu der Zeit – wahrscheinlich wie auch heute noch – rar gesät. Trotzdem war der Weggang für meine Familie, meinen Freundeskreis und mich nicht einfach. Ich habe in den Jahren viel Zeit auf den Autobahnen zwischen Berlin und Ulm verbracht. Die zeitliche Befristung der Arbeitsverträge (mal drei, mal sechs, mal neun Monate) bewirkte, dass ich mich nicht auf einen endgültigen Abschied von Berlin und einen Neuanfang in Ulm einlassen konnte. Ich war immer „unterwegs“. Als ich dann einen Zweijahresvertrag hätte haben können, wollte ich nach Berlin zurück und lehnte ab.

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Berater Jörg Latuske wünscht sich mehr Geistes-
wissenschaftler in Führungsetagen.
Foto: Markus Püttmann

Eine Weiterbildung zum systemischen Coach sowie nebenberufliche Beratungsaufträge im Hochleistungssport und in der Wirtschaft ermutigten mich zum Schritt in die berufliche Selbständigkeit. Seit 2004 bin ich als freiberuflicher Unternehmens- und Kommunikationsberater unterwegs und berate Menschen in Unternehmen zu ihrem Führungs- und Kommunikationsverhalten. Auf dem Weg in die Selbständigkeit gestaltete sich der Aufbau eines Kundenstammes und Beziehungsnetzwerkes, die Empfehlungen aussprechen, als das Aufwändigste. Es hat einiges an Arbeit erfordert und mehrere Jahre gedauert, bis Aufträge auf Empfehlung zustande kamen.

Empfehlungen erleichtern die Entscheidungsfindung sowohl bei Kunden, als auch bei Arbeitgebern. Meine beiden angestellten Tätigkeiten, im Bildungswerk und der Uni Ulm, resultierten – neben der fachlichen Eignung – aus Kontakten und Empfehlungen meiner Dozenten und Professoren an der Uni, die mich auch als studentische Hilfskraft und Tutor kennen gelernt hatten. Nach meinem Weggang aus Ulm kam auch mein Nachfolger aus Potsdam – auf Empfehlung.

Die Arbeit in der Sportmedizin Ulm habe ich als sehr produktive Zeit in Erinnerung. Ich denke, es lag auch daran, dass ich mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund dort ergänzen konnte, wo naturwissenschaftliches Denken seine „blinden Flecken“ hatte. Dieses „vermittelnde Denken“ vermisse ich heute manchmal in Unternehmen und wünsche mir mehr Geisteswissenschaftler in den Führungsetagen. Nach wie vor dominieren dort analytisches Kausaldenken und naturwissenschaftliche Methodik. Dieses dominierende Bestreben nach Exaktheit führt dazu, dass Teile aus Zusammenhängen gerissen werden, um einzelne lineare Kausalbeziehungen erfassen zu können. Das komplexe Ganze wird dabei aus den Augen verloren.

Jörg Latuske



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[Letzte Aktualisierung 28.11.2009, Räder]