Logo alumni
7. Ausgabe: Dezember 2009
Linie links Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Linie mitte Startseite der Universität Potsdam Linie mitte Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit Linie rechts

Auf Umwegen zum Ziel

Für Christian Francke kam die berufliche Orientierung mit der Teilnahme an einem Austauschprogramm

For Christian Francke, studying literary studies and Romance studies always meant more than preparation for a specific career goal. Rather, he saw his vocational training as a constant trying out of possibilities. This method was ultimately successful. After several internships, it was a study visit in Spain that determined his professional orientation. It was as if the country would not let him go. Today, Francke works as a French and German teacher at a British school in Madrid.

Bild
Lebensmaxime: Offen sein für viele Möglichkeiten.
Foto: privat

Für Christian Francke bedeutete sein Studium der Literaturwissenschaften und Romanistik immer mehr als die Vorbereitung auf ein konkretes Berufsziel. Die Ausbildung betrachtete er als ein ständiges Ausprobieren von Möglichkeiten. Das sollte Folgen haben. Denn nach einigen absolvierten Praktika war es ein Studienaufenthalt in Spanien, der schließlich den Ausschlag für die berufliche Orientierung gab. Das Land ließ ihn nicht mehr los. Francke ist heute an einer britischen Schule in Madrid Lehrer für Französisch und Deutsch.

Als ich mich im April 2001 für das Studium der Literaturwissenschaften und Romanistik an der Uni Potsdam einschrieb, hatte ich keine klare Vorstellung von der beruflichen Tätigkeit, die ich später einmal ausüben wollte. Nach dem Abitur war ich hinsichtlich der Wahl eines Studienplatzes unschlüssig und froh, mit dem Zivildienst einen Zeitraum vor mir zu haben, in dem ich arbeiten und mich orientieren konnte. Den Dienst habe ich auf einer neurochirurgischen Station in einem Koblenzer Krankenhaus abgeleistet. Ich hatte an der Arbeit so großen Spaß, dass ich zunächst ein Medizinstudium oder zumindest die Ausbildung zum Krankenpfleger ins Auge gefasst, dann aber wieder verworfen habe. Nach dem Dienst hatte ich das Gefühl, lieber die Welt erkunden und Erfahrungen sammeln zu wollen, als umgehend mit dem Studium zu beginnen. So ging ich für ein halbes Jahr nach Island, um dort auf einem Bauernhof zu arbeiten.

Potsdam war als Studienort für mich attraktiv, wegen seiner Überschaubarkeit und der Nähe zu Berlin. Ich hatte mich zu diversen Gelegenheiten bei Berufsinformationszentren über die Aussichten für Geisteswissenschaftler informiert. Die Auswahl schien verlockend: Journalismus, Verlagswesen, PR-Agenturen, Uni-Karriere, Übersetzung. Mit diesen Berufsbildern konnte ich stets als Antwort auf die Frage aufwarten, was ich mit meinem Studium denn einmal machen wollte. Oft genug ist mir diese Frage gestellt worden, gerade von meiner Familie, in der eindeutig die naturwissenschaftlich-technischen Gebildeten dominieren.

Es war allerdings schwer zu vermitteln, inwiefern das Studium für mich mehr bedeutete als die reine Vorbereitung auf ein klar umrissenes Berufsbild – eine Vorstellung, die angesichts der Herausforderungen unserer heutigen Zeit ohnehin obsolet geworden zu sein scheint. So war mein Studium eher ein ständiges Ausprobieren von Möglichkeiten als das Beschreiten eines klar vorgegebenen Weges. Ich habe hinreichend Erfahrungen durch Praktika gesammelt, die mir bei meiner beruflichen Orientierung von großer Hilfe waren. Allerdings hatte der persönliche und ideelle Wert dieser Praktika für mich stets Priorität vor der Frage, inwieweit sich die jeweilige Berufserfahrung am besten in meinen Lebenslauf „verkaufen“ lässt.

Bild
Lehrer in Madrid: Christian Francke fühlt sich wohl in
diesem Beruf.
Foto: privat

Neben der Betreuung von Studierenden durch die Zentrale Studienberatung habe ich in diversen Vereinen Erfahrungen in den Bereichen politische Bildung und Kulturmanagement gesammelt. Den guten Rat einer Dozentin der Romanistik befolgend, habe ich mich zusätzlich zu meinem Magisterstudium für das Lehramt an Gymnasien eingeschrieben. Allerdings schien mir das Lehramt eher als eine Erweiterung des Spektrums der für mich möglichen Berufe als ein bald anzustrebendes Ziel. Die Wende kam mit meinem einjährigen Erasmus-Aufenthalt an der Université Libre von Brüssel 2002/03, bei dem ich angefangen habe, Spanisch zu lernen. Nach meiner Rückkehr nach Potsdam habe ich Spanisch als weiteres Fach gewählt und mit Magister und Erstem Staatsexamen im Juni 2008 abgeschlossen.

Die konkrete berufliche Orientierung kam mit der Teilnahme an einem Austauschprogramm, das durch den DAAD gefördert wurde. 2005 bin ich für ein Jahr zum Studium an die Universidad Complutense nach Madrid gegangen. Die Stadt hat mir so gut gefallen, dass ich mich im Anschluss für ein einjähriges Praktikum in der Buchhandlung eines wissenschaftlichen Verlags mit Publikationsschwerpunkt Hispanistik beworben habe. Der Verlag war mir aus Studienzeiten ein Begriff, die Initiative der Bewerbung ging von mir aus.

An die Zeit in dem Unternehmen denke ich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich habe vor allem gelernt, strukturierter und zielgerichteter zu arbeiten, als ich dies von der Uni gewöhnt war. Darüber hinaus jedoch wusste ich nach Ablauf des Praktikums im Sommer 2007 genau, dass ich im Verlagswesen und auch als Buchhändler nicht arbeiten wollte. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir bewusst, dass meine Stärken im pädagogischen Bereich und in der Fremdsprachendidaktik liegen. So habe ich mehr als 300 Initiativbewerbungen an sämtliche Privatschulen in Madrid gesandt, um mich für eine Stelle als Lehrer für Fremdsprachen zu bewerben. Die Zusage für eine Stelle kam für mich überraschend früh. Ich hatte meinen Magisterabschluss zu diesem Zeitpunkt aber schon abgelegt.

Seit September 2007 bin ich in Madrid als Lehrer für Französisch und Deutsch an einer britischen Schule fest angestellt und fühle mich sehr wohl in meinem Beruf. Für die Schule hat es zum Glück kein Problem dargestellt, dass ich meine letzten Staatsexamensprüfungen für das Lehramt erst im Frühjahr dieses Jahres abgelegt habe. Mit Blick in die Zukunft könnte ich mir vorstellen, im Bereich Fremdsprachendidaktik zu promovieren und an die Uni zurückzukehren.

Als Geisteswissenschaftler steht man unter dem besonderen Zwang, den Nutzen des Studiums ständig neu unter Beweis stellen zu müssen. Sicherlich ist oftmals der direkte Berufseinstieg aus diesem Grund für Geisteswissenschaftler schwieriger und mit dem Umweg über nicht bezahlte Praktika und unterqualifizierte Tätigkeiten verbunden. Allerdings erfordert der heutige Arbeitsmarkt eine Flexibilität, wie sie gerade Geisteswissenschaftlern eigen ist, die sich schon im Laufe ihres Studiums mit verschiedenen Berufsfeldern auseinander gesetzt haben. Ich habe nie bereut, dieses Studium absolviert zu haben. Ich hätte allerdings gerade zu Anfang nicht damit gerechnet, einmal als Lehrer zu arbeiten.

Christian Francke



KONTAKT // Mitglieder des Alumni-Programms können zu den Alumni-Autoren dieses Heftes auch über das alumni-portal Kontakt aufnehmen. Den Login-Button finden Sie unter www.alumni.uni-potsdam.de

Copyright© 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 28.11.2009, Räder]