Logo alumni
6. Ausgabe: Dezember 2008
Linie links Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Linie mitte Startseite der Universität Potsdam Linie mitte Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit Linie rechts

"Abgeordnetenmitarbeiter im Außendienst"

Der Politikwissenschaftler Mike Schubert sucht als SPD-Politiker den Kontakt zu den Wählern

If the occupation of politician were a dish, what ingredients would one need? Surely, a large portion of down-to-earthedness, for example won through a commercial apprenticeship. One also would need quite a few tablespoons of sociability and enjoyment of political discourse, political instruments which one learns while serving in party youth organizations. If one adds university studies in political science, then the dish receives the right consistency. Of course, the tastiest element is still missing: passion and love. "I took love away from the university," says Mike Schubert, party chairman and leader of the SPD parliamentary group in Potsdam. Since 2006, he is married. He and his wife first met at Potsdam's alma mater.

Stellt man sich den Beruf des Politikers als Gericht vor, welche Zutaten bräuchte man? Sicherlich eine gute Portion Bodenständigkeit - beispielsweise aus einer kaufmännischen Ausbildung. Mehrere Löffel Kontaktfreude und Spaß an der politischen Auseinandersetzung, die man als politisches Handwerkszeug in Jugendorganisationen der Parteien mit auf den Weg bekommt. Wenn dem "Essen" noch ein politikwissenschaftliches Studium beigegeben wird, erhält es die richtige Konsistenz. Keine Frage, die Krönung fehlt noch: Ohne Leidenschaft und Liebe bleibt das Mahl fad - "die Liebe", sagt Mike Schubert, Partei- und Fraktionsvorsitzender der Potsdamer SPD, "habe ich von der Uni mitgenommen". Seit 2006 ist er verheiratet. Seine Frau hat er an der Potsdamer Alma Mater kennen gelernt.

Bild
Dialog: Mike Schubert im Gespräch mit
Potsdamer Bürgerinnen und Bürgern.
Foto: Daniel Pietras

Meinen Ausbildungsweg habe ich noch zu DDR-Zeiten begonnen - mit der Aufnahme einer Lehre als Betriebs-, Mess- und Regelungstechniker. Später habe ich auf eine kaufmännische Lehre in Berlin umgesattelt und diese mit einem Abschluss beendet. Überlegungen, mich auf das akademische Parkett zu wagen und ein Studium zu beginnen, sind in meiner Bundeswehrzeit Anfang der 1990er-Jahre entstanden.
Die fachrichtungsbezogene Eingangsprüfung hat mir die Tür zur Universität Potsdam geöffnet. Meiner Meinung nach eine Möglichkeit der Weiterbildung, von der viel zu wenige Menschen Gebrauch machen. Schließlich profitieren nicht nur sie selbst, sondern auch die Hochschulen von Studenten, die bereits Berufserfahrung gesammelt haben.
Fünf Tage vor der Niederlage Rudolf Scharpings gegen Oskar Lafontaine im Streit um den Parteivorsitz 1995 habe ich hier in Potsdam bei der SPD angeklopft und gefragt, ob ich "mitmachen kann". Die meisten Schnittstellen habe ich damals mit dem politischen Programm der Sozialdemokraten gesehen. Insofern habe ich auch meine Entscheidung für einen Beitritt völlig unabhängig von den ziemlich dunklen Gewitterwolken getroffen, die damals über der linken Mitte hingen. 1998 bin ich als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Mit den Wahlen zum Fraktions- und Parteivorsitzenden der Potsdamer SPD 2006 und 2008 haben mir meine Parteifreunde ihr Vertrauen ausgesprochen.
Diese Funktionen bekleide ich ehrenamtlich. Mein Studium der Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung habe ich trotzdem als "berufsbegleitend" empfunden. Einerseits: Wie setzt man politische Ideen praktisch um? Als Stadtverordneter habe ich hier einigen praktischen Input bekommen. Andererseits: Welche politikwissenschaftlichen Modelle stehen hinter den Entscheidungen auf kommunaler Ebene? Mit den Professuren von Heinz Kleger und Jochen Franzke - Politische Theorie beziehungsweise Verwaltung und Organisation - habe ich die für mich idealen Anlaufstellen gefunden. So konnte ich auch an der Uni politische Theorie und die handfeste verwaltungstechnische Umsetzung verbinden.

Bild
Hat seine politische Heimat gefunden: Mike Schubert teilt
sich das Podium mit SPD-Parteivize Andrea Nahles.
Foto: Daniel Pietras

Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung war nicht die Studienrichtung, in der ich mich richtig zu Hause fühlte. Deswegen habe ich mich für eine Umschreibung zu Politikwissenschaften entschieden, was sich allerdings als ein ziemlich komplizierter bürokratischer Prozess entpuppte. Hinzu kam, dass ich 2002 eine Studienpause eingelegt habe, um als Pressesoldat für sechs Monate in den Kosovo zu gehen. Letztendlich war mein Antrag, den Studiengang zu wechseln, erfolgreich. Ich glaube allerdings, dass hier trotzdem eine größere Offenheit gefragt ist: Wie geht es denn jemandem, der 19 Jahre alt ist, zum ersten Mal Uni-Luft schnuppert und sich kaum darüber im Klaren sein kann, in welche Richtung es mal gehen soll? Flexiblere Wechselmöglichkeiten würden sicherlich einiges erleichtern.
Die Frage, womit ich mich im Moment hauptsächlich beschäftige, ist nicht so schwer zu beantworten. Während des Kommunalwahlkampfes habe ich mich bereits auf die Elternteilzeit gefreut, in der ich mich momentan ganz intensiv meinem Nachwuchs widmen kann. Mein Geld verdiene ich mit der Arbeit als Abgeordnetenmitarbeiter im Wahlkreisbüro von Matthias Platzeck. Mit der ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadtverordneter finden sich viele Überschneidungen. Ich sage immer, ich bin "Abgeordnetenmitarbeiter im Außendienst".
Das Wort "Außendienst" begreife ich tatsächlich als Auftrag. Parteien haben eine Scharnierwirkung. Sie vermitteln zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Politik und sollten sich um Problemlösung bemühen und konstruktive Anregungen aufnehmen. In diesem Sinne verstehe ich mich als Dienstleister. Selten wird tatsächlich erwartet, dass man als Politiker sofort eine Lösung für jedes spezifische Problem zur Hand hat. Ich betrachte es als meine Aufgabe, ein offenes Ohr zu haben, zu helfen, wo Hilfe möglich ist, und Anliegen weiterzutragen, wenn sie an anderen Stellen besser aufgehoben sind. Dabei ist es auch immer wieder interessant, wenn man in Reaktion auf Bürgeranfragen das Gespräch aufnimmt und fragt: Wie würden Sie vorgehen, um ihres Problems Herr zu werden?
Eine Scharnierfunktion bedeutet natürlich auch, dass man als Partei und als einzelner Politiker das erste Ziel für Kritik ist. Damit muss man umgehen können. Ein zu dicker Panzer ist allerdings kontraproduktiv. Ich versuche nach den Kategorien verletzende Kritik, inhaltliche Kritik und Kritik am Politikstil zu unterscheiden. Das funktioniert nicht immer, schließlich sind offensive Klagen häufig auch mit vielen Emotionen verbunden. Wenn es in der Auseinandersetzung mal sehr persönlich werden sollte, weiß ich aber mein privates Umfeld hinter mir, das mich auffängt. Öffentlichkeit gehört zur Politik dazu. Nur wenn Politiker so präsent sind wie möglich, behalten sie über den Kontakt mit der Gesellschaft die nötige Bodenhaftung.

Mike Schubert

Kontakt: Mike Schubert, E-Mail: mike.schubert@spd-potsdam.de, www.mike-schubert.de

CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]