Logo alumni
6. Ausgabe: Dezember 2008
Linie links Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Linie mitte Startseite der Universität Potsdam Linie mitte Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit Linie rechts

Sagen, was gespielt wird

Musikwissenschaftlerin Andrea Palent verweist mit Stolz auf zwei "Arbeitsleben"

Andrea Palent works as the managing and artistic director of the Musical Festival Sanssouci and the Nikoaisaal Potsdam. For ten years, the musicologist taught and researched at the University of Potsdam and its predecessor institution. Today, she still utilizes her research of the history of music in Berlin and Potsdam from the 17th and 18th centuries, and she greatly enjoyed her university career. Nonetheless, Palent also wanted to be active outside of the academic setting. So, during the transition phase in the early 1990s, she jumped into the free market-and created her own field of activity.

Andrea Palent ist Geschäftsführerin und Künstlerische Leiterin der Musikfestspiele Sanssouci und des Nikolaisaals Potsdam. Zehn Jahre lehrte und forschte die Musikwissenschaftlerin an der Potsdamer Uni und deren Vorgängerinstitution. Auf ihre Arbeiten über die Berliner und Potsdamer Musikgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts aus dieser Zeit stützt sie sich noch heute. Gerne hat sie an der Hochschule gewirkt. Aber Palent wollte gestalten. Also stürzte sie sich mit dem Nachwendemut der frühen 1990er Jahre auf den freien Markt - und schuf sich ihr eigenes Betätigungsfeld.

Bild
Vor großen Aufgaben: Andrea Palent bei den
Vorbereitungen der Musikfestspiele Sanssouci.
Foto: zg.

Die Geschäftsführung und die künstlerische Leitung der Musikfestspiele Sanssouci und der Nikolaisaal Potsdam gGmbh sind, wie bei vielen meiner Generation, sozusagen mein zweites Arbeitsleben. Mein erstes begann in der DDR und endete kurz nach der Wende.
Nach meiner Promotion in Musikwissenschaft über Georg Friedrich Händel an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg forschte ich vorwiegend über das 18. Jahrhundert. In Potsdam war ich zehn Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Musik. Den Wechsel von der Pädagogischen Hochschule zur Universität konnte ich hautnah miterleben. Meine Arbeit als Dozentin für Musikgeschichte und -analyse und die Forschung insbesondere zu Carl Philipp Emanuel Bach und der Preußischen Hofkapelle haben mir viel Spaß gemacht. Als aber die Wende kam, fühlte ich, dass ich etwas Neues wagen wollte. Endlich konnte man in europäischen Dimensionen arbeiten. Und vor allem wollte ich meine musikwissenschaftlichen Forschungsergebnisse auch praktisch anwenden. Damals suchte die Stadt Potsdam nach einem neuen Konzept für die damaligen Parkfestspiele. Also setzte ich mich hin und schrieb eines. Ganz praktisch. Und ich hatte Erfolg. Für die Dauer von drei Jahren habe ich parallel die Festspiele aufgebaut und noch an der Uni gearbeitet. Bis heute kann ich mich auf die wissenschaftlichen Vorarbeiten stützen, die während meiner Zeit hier entstanden sind. So habe ich mich an der Uni fünf Jahre sehr bodenständig mit philologischen Fragen beschäftigt, umfangreiche Kataloge mit Signaturen erarbeitet. Ungemein hilft mir für meine heutige Arbeit auch die Forschungstätigkeit zur brandenburgisch-preußischen Musikgeschichte. Schon damals haben wir Stücke wiederentdeckt, sie teilweise sogar aufgeführt.
Zusätzliches Wissen musste ich im Bereich Musikmanagement erwerben. Neben der doppelten Buchführung ging es in einer zweijährigen betriebswirtschaftliche Ausbildung um GmbH-Recht, Finanzierungsverfahren, Umgang mit öffentlichen Geldern, Kameralistik, Künstlersozialkasse, GEMA und Steuerfragen. Da ich Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Musikfestspiele und des Nikolaisaals bin, zählt sowohl der finanzielle, organisatorische und technische Bereich als auch die künstlerische Planung und Vorbereitung zu meinen Aufgaben. Unterstützt werde ich dabei von meiner für Finanzen und Verwaltung zuständigen Prokuristin. Neben dem regulären Spielbetrieb führen wir im Nikolaisaal Großveranstaltungen für Firmen, Seminare und Kongresse durch.

Bild
Viel künstlerischer
Gestaltungswille:
Andrea Palent.
Foto: zg.

Die Geschäftsführung ist nur ein Teil meines Alltags, der größere aber ist bestimmt von der Entwicklung künstlerischer Programme. Gerade bereite ich die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2009 zum Thema "Haydns Welt" vor. Friedrich Wilhelm II. war ein großer Fan des Komponisten. Er selbst spielte Cello. Haydn hat dem König mehrere Stücke dediziert. An den Originalkonzertstätten des Königs, dem Palmensaal im Neuen Garten oder dem Konzertzimmer im Marmorpalais sind sicher auch Haydns Stücke aufgeführt worden. Das Festspielprogramm umfasst 35 Konzerte und Opernaufführungen. Es hat immer einen klaren Bezug zu Potsdam-Brandenburg, sodass meine musikwissenschaftlichen Forschungsarbeiten jedes Jahr wieder neu einfließen. Derzeit werden die Verträge der zirka 500 mitwirkenden Künstler, deren Reisen und letzte Programmdetails besprochen. Zeitgleich erfolgt das Casting für die Sänger der beiden Opernproduktionen im Schlosstheater. Außerdem arbeite ich gemeinsam mit meinem Dramaturgen schon an 2010. Da wird das Thema Exotismus sein und der gerade für die Kunst des 18. Jahrhunderts typische und vitale Einfluss fremder Kulturen im Zentrum der Musikfestspiele stehen. Für das Friedrichjahr 2012 gibt es eine Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin. Eine dort arbeitende Doktorandin sichtet eine Vielzahl von Quellen. Da dürfen wir gespannt sein.
Natürlich steht man als Hauptverantwortlicher auch mal im Rampenlicht, aber sowohl ich als auch meine Familie haben gelernt, damit umzugehen. Lieber ist es mir aber, nicht im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Mich freut es in erster Linie, wenn ich anderen Freude bereiten kann.

Andrea Palent

Kontakt: Andrea Palent, E-Mail: info@nikolaisaal.de

CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]