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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Zielgruppe Teilzeitgründer

Die Volkswirtschaftlerin Karin Leppin ist freie Journalistin und berät Gründer

Even before she began studying economics, Karin Leppin had already completed a traineeship in journalism. Her studies were intended to provide her with the skills to work as an editor for a business magazine. However, her future plans went by the wayside when the new economy bubble burst. She initially returned to a part-time position at the University of Potsdam and began to work as a free-lance journalist, something that she enjoyed. Inspired by her experiences as a free-lancer, she started consulting founders of new businesses. Five years have passed since she began working exclusively in self-employment which, for her, is the best way to achieve a proper "work-life balance".

Schon vor dem Studium der Volkswirtschaft hatte Karin Leppin ein Volontariat absolviert. Das Studium sollte sie ihrem Wunsch, als Redakteurin bei einem Wirtschaftsmagazin zu arbeiten, näher bringen Mit der Blase des "Neuen Marktes" platzten jedoch auch Karin Leppins berufliche Träume. Zunächst kehrte sie auf eine halbe Stelle an die Universität Potsdam zurück. Nebenbei arbeitete sie als freie Journalistin und fand Geschmack daran. Zum Journalismus kam dann - auch aus ihrer Erfahrung mit der Selbständigkeit inspiriert - die Beratung von Gründern. Seit fünf Jahren arbeitet sie nur noch freiberuflich. In der Selbständigkeit sieht sie die beste Möglichkeit, eine "Work-Life-Balance" zu verwirklichen.


Nutzte eigene Erfahrung mit der Gründung
als Geschäftsidee: Karin Leppin.
Foto: privat

Selbstständigkeit, das war für mich während meines Studiums der Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung an der Universität Potsdam kein Thema. Ich wollte als Journalistin arbeiten, soviel stand fest. Vor meinem Studium hatte ich in dem Beruf gearbeitet und ein Volontariat absolviert. Das Studium war für mich der Schritt in Richtung Wirtschaftsredakteurin. Ich hatte sogar das Feld Wirtschaft extra gewählt, weil hier die Aussichten auf eine Stelle die besten waren. Besser jedenfalls als in meinen persönlichen Lieblingsdisziplinen Literaturkritik oder Feuilleton. Und tatsächlich: Gegen Mitte meines Studiums wurden Wirtschaftsredakteure händeringend gesucht. Kurz vor meinem Diplom brach dann alles zusammen.
Mit der Blase "Neuer Markt" platzte auch so manche neu gegründete Wirtschaftszeitung. Die großen Verlage bauten plötzlich Personal ab. Schlechte Zeiten für Neueinsteiger - das wurde mir auch bei Zeitungspraktika bewusst, die ich unmittelbar nach der Uni ergattert hatte. So kam das Angebot gerade recht, auf eine halbe Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft zur Uni Potsdam zurückzukehren. Eine Möglichkeit, nebenbei Kontakte aufzubauen, um mich langfristig als freie Journalistin zu etablieren, denn die Selbständigkeit war der beste Ausweg. Ich konnte meinem Wunschberuf Journalismus nachgehen auch ohne eine der knapp gewordenen festen Stellen. Zugleich konnte ich mir zum äußerst schmalen Hilfskraftgehalt etwas hinzuverdienen. Meine Stelle am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre wurde immer nur um drei Monate verlängert. Oft war bis zuletzt fraglich, ob sie verlängert würde. Ein zweites Standbein war da angenehm. Ich nutzte die Zeit neben den von mir gehaltenen Lehrveranstaltungen auch, um mich weiterzubilden. Redakteure, die ich auf Seminaren traf, wurden später meine Kunden. Sie machten mir aber auch bewusst, dass das Leben als freie Journalistin meinen beruflichen Vorstellungen viel näher kommt als eine Redakteursstelle.
Mit den ersten Aufträgen als freie Journalistin "gründete" ich - auch wenn es sich nicht so anfühlte. Irgendwie ging alles einfacher, als ich erwartet hatte. Das lag vor allem daran, dass ich mit einer Portion Naivität an die Sache herangegangen war. Einiges hatte ich beim Finanzamt erfragt, anderes im Internet recherchiert - nie hatte ich Zeit, mich genauer mit Themen zu befassen. Immerhin - das weiß ich heute - habe ich das Wichtigste aufgeschnappt. Doch Fehler blieben nicht aus, und permanent begleitete mich das schlechte Gewissen, bestimmt irgendetwas falsch zu machen. Ein Fehler kostete mich gleich im ersten Jahr ein paar Hundert Euro. Ich hatte auf meinen Rechungen die Mehrwertsteuer ausgewiesen, obwohl ich als Kleinunternehmerin davon befreit war. Am Ende des Jahres folgte der Haken. Ich musste die Mehrwertsteuer abführen, konnte mir aber nicht die Vorsteuer auf gekauften Geschäftsbedarf ersetzen lassen.
Nach und nach komplettierten sich mehr oder weniger schmerzhaft die Informationen. Als mich eines Tages ein Chefredakteur einer Zeitschrift für Gründer anrief und einen Artikel über "nebenbei" Selbstständige in Auftrag gab, konnte ich aus meinen eigenen Erfahrungen schöpfen. Gleichzeitig stellte ich fest, wie wenige verlässliche Informationsquellen es gab. Damals beschäftigte sich kein einziges Buch mit den Besonderheiten der Teilzeitgründer. Also habe ich einige Verlage angeschrieben und ein Buch mit dem Titel "Nebenbei Selbstständig" vorgeschlagen. Ein Verlag biss an, und seit das Buch im November 2004 erschienen ist, lässt mich das Thema nicht mehr los. Auch wenn ich seit fünf Jahren selbst nicht mehr nur teilweise, sondern ganz und gar selbstständig bin. Denn nach zwei Jahren zeichnete sich ab, dass ich von dem Geld aus meinen Nebenaufträgen leben konnte. Meinen eigentlichen Plan, zu promovieren, hatte ich aus verschiedenen Gründen ebenfalls aufgegeben.
Inzwischen teilt sich meine Arbeit in zwei Hauptfelder - die Beratung von Existenzgründern und die journalistische Arbeit. Wobei es oft Überschneidungen gibt. Zum Beispiel, wenn ich Artikel über oder für Gründer schreibe. Ansonsten gebe ich Seminare und berate Gründer vor allem kleiner Unternehmen und natürlich von Teilzeitunternehmen.
Eine Sache ist mir dabei wichtig und ich mache es "meinen" Gründern immer wieder klar: Zu beginnen und den Schritt zu wagen, ist wesentlich einfacher, als oft kolportiert wird. Auch die Bürokratie ist weniger kompliziert, als man denkt. Viele Gründer beschäftigen sich viel mit Formalien, aber viel zu wenig mit der Idee selbst. Oft haben sie keine konkrete Vorstellung davon, wieviel die Geschäftsidee abwerfen kann. Gründer müssen sich zwar meist auf eine harte Anfangszeit gefasst machen, in der sie oft nur wenig verdienen. Doch wenn dieser Zustand länger anhält, haperte es meist an den grundlegenden Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit der Idee. Dazu muss man kein Experte sein oder Wirtschaft studieren, sondern man muss gut recherchieren, selbstkritisch sein und die Idee an den Markt anpassen. Wer hier genau überlegt, hat als Gründer die Aussicht auf selbstbestimmte Arbeit und viel Abwechslung.
Vor allem für Frauen und Männer, die Kinder haben wollen, kann ein eigenes Unternehmen eine gute Möglichkeit sein, qualifiziert zu arbeiten und zugleich Familienaufgaben zu bewältigen. Viele Gründer, die ich beraten oder interviewt habe, haben genau dieses Ziel, das man vielleicht unter dem Stichwort "Work-Life-Balance" zusammenfassen kann. Längst sehen sie sich nicht mehr als Selbstständige, die "selbst" und "ständig" arbeiten. Und das ist auch meine Vorstellung für die Zukunft: Eine Familie und meinen spannenden Job zu verbinden. Mit Freiheiten und einer flexiblen Zeiteinteilung, die mir ein Chef nicht gewähren würde - außer ich bin es selbst.

Karin Leppin

Kontakt: Karin Leppin, E-Mail: leppin(at)textkombinat.de

Textkombinat
Karin Leppin
Berliner Journalistenbüro
Manteuffelstr. 40
10997 Berlin
Tel.: +49 30 611 3411
Fax.: +49 30 618 9160
www.textkombinat.de
www.nebenbei-selbstaendig.de

Nebenbei Selbständig. Ratgeber für Selbständige in Teilzeit
von Karin Leppin, Konar Mutafoglu
Zum Inhalt: Mehr als die Hälfte aller Existenzgründer in Deutschland gründen nebenbei. Sie bauen sich Schritt für Schritt eine Existenz auf, ohne gleich den Job aufzugeben oder Familie oder Studium zu vernachlässigen. Erst, wenn Sie sich sicher sind, wagen Sie den Kopfsprung. Das Buch zeigt ihnen, wie sie den Balance-Akt zwischen Job, Familie und Gründung schaffen können, wie es andere geschafft haben und welche Voraussetzungen notwendig sind. Gründungen neben Studium, Familie, Arbeitsstelle und Arbeitslosigkeit (inkl. Harz IV) werden behandelt.
ISBN: 3899940385, Preis: 12,90 Euro, Broschiert: 152 Seiten, Verlag: Humboldt; Auflage: 1 (November 2004), 3. aktualisierte Auflage Sommer 2006
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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]