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3. Ausgabe: Dezember 2005
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Mit der Absage kam der Ehrgeiz

Psychologin Odette Wegwarth erlebt die Vor- und Nachteile eines Industriestipendiums

During her whole university studies, Odette Wegwarth did not make any professional plans. One thing was clear to her, though: a doctorate was out of the question for the psychology major. But, at the end of her studies an interesting topic for a dissertation was brought to her attention, and she changed her mind. After her application for a doctoral fellowship was declined, she became even more ambitioned in pursuance of her goals. This paid off, and she subsequently took an industrial fellowship in order to be able to work on her dissertation. Sometimes, she misses the university during her research. On the whole, however, she is happy with her decision and is satisfied with her work.

Berufliche Zukunftspläne hat Odette Wegwarth während des ganzen Studiums nicht geschmiedet. Nur eines war klar: Eine Promotion kam für die Psychologin nicht infrage. Am Ende des Studiums wurde ein interessantes Promotionsthema an sie herangetragen und sie änderte ihre Meinung. Als sie eine Absage für das Promotionsstipendium bekam, packte sie der Ehrgeiz. Das zahlte sich für sie aus. Sie ergatterte ein Industriestipendium und arbeitet jetzt an ihrer Promotion. Manchmal vermisst sie dabei die Uni, aber insgesamt ist sie froh über ihre Entscheidung und zufrieden mit ihrer Arbeit.


Wollte eigentlich nicht promovieren und ist jetzt
begeistert: Odette Wegwarth.
Foto: Räder

Als ich 1996 mein Psychologiestudium in Potsdam begann, hatte ich noch keine feste Vorstellung von meiner späteren beruflichen Laufbahn. Das blieb das ganze Studium über so. Vieles schien möglich, am abwegigsten war jedoch für mich die Idee, nach dem Studium eine Doktorarbeit zu schreiben.
Kurz nach meiner Diplomarbeit und mitten im ersten Prüfungsblock erfuhr ich durch meinen Diplomvater von zwei Dissertations-Stipendien und dass eine Kollegin von der Berliner Humboldt-Universität händeringend zwei Doktoranden suche. Die beiden Wörter "Pharmakodiagnostische Tests" in einem der offerierten Themenbereiche, erweckten meine Neugier und so verabredete ich mich mit der Psychologin von der Humboldt-Universität, um mehr über das Thema zu erfahren.
Sie erklärte mir, dass sie ein Industriestipendium und eines von der Heinrich-Böll-Stiftung zu vergeben hätte und wenn mich die Thematik interessieren würde, für mich das Heinrich-Böll-Stipendium vorgesehen wäre. Es müssten nur die generellen Regularien der Bewerbung eingehalten werden. Ich habe mir zuvor nie Gedanken über eine Doktorarbeit und demnach auch nicht über die Stipendiumvergabe gemacht.
So bewarb ich mich neben den Prüfungen und einem Umzug bei der Heinrich-Böll-Stiftung und konnte mich für die zweite Bewerberrunde qualifizieren. Die Anforderungen des zweiten Durchlaufs verlangten mir viele Nachtschichten ab; Konzepte beschreiben, Zeitpläne erstellen, Projektpläne durchdenken und nebenbei für die Prüfungen lernen. Als zwei Monate später die Absage kam, war das für mich ein großer Schock. Von meiner Betreuerin kamen leider nur Ratlosigkeit.
Angesichts all der Zeit und Kraft, die ich bis hierher investiert hatte, konnte und wollte ich es nicht dabei belassen. Nach gut einer Woche Schockbewältigung, rief ich bei dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens an, welches das Industriestipendium vergeben wollte. Wo ein Industriestipendium ist, sind vielleicht auch zwei. Wir vereinbarten einen Termin, damit ich ihm meine Projektidee vorstellen konnte. Zwar war er am Thema sehr interessiert, teilte mir aber mit, dass sein alleiniges Votum nicht zählt. Bereits das erste geplante Industriestipendium hatte er bisher im Unternehmen nicht an einen Betreuer binden können. Wenn es mir und den anderen Mitstreiter aber gelänge, jemanden intern dafür zu begeistern, wären wir mit im Boot. Nach zwei Präsentationen und einer Modifizierung unserer jeweiligen Thematik hatten mein jetziger Kollege und ich dann die Industriestipendien.


Vorteil Industriestipendium: Volle Konzentration auf
Promotion möglich.
Foto: Räder

Seit knapp zwei Jahren schreibe ich nun an meiner Dissertation zum Thema "Medizinische Entscheidungsfindung über die Verwendung pharmakodiagnostischer Tests im Bereich der Krebsbehandlung". Gerade im Bereich der Krebsbehandlung stehen Onkologen meist nur Therapien zur Verfügung, die wenigen der behandelten Patienten helfen, aber bei allen meist schweren Nebenwirkungen verursachen. Mit Pharmakodiagnostischen Tests können Onkologen zukünftig präziser bestimmen, ob eine in Erwägung gezogene Krebstherapie bei einem Patient wirklich wirkt oder nicht. Die Tests liefern jedoch nur Wahrscheinlichkeitsaussagen. Genau hier setzt ein interessantes Entscheidungsproblem an. Man würde für den Nutzen, Patienten eine nicht wirksame und nebenwirkungsreiche Behandlung zu ersparen, auch zu einem gewissen Maße riskieren, anderen Patienten die Behandlung vorzuenthalten, die davon profitiert hätten.
Um Antworten auf die Frage zu bekommen, wer unter Berücksichtigung des Testergebnisses letztendlich eine bestimmte Therapie bekommen soll, befrage ich Onkologen, Patienten und Pathologen in Deutschland und den Vereinigten Staaten nach ihren Erfahrungen.
Und wie lebt es sich nun mit dem Industriestipendium? Als einen klaren Vorteil erlebe ich die Möglichkeit, nahezu ausschließlich an meiner Dissertation arbeiten zu können. Überdies wird mir vom Unternehmen die Möglichkeit geboten, meine Untersuchungen im Ausland durchzuführen. Dagegen vermisse ich die direkte Anbindung an die Universität und damit auch den schnellen Zugriff auf ihre Ressourcen sowie die ihrer An-Institute. Mal schnell mit einem Problem zum Professor und anderen Wissensträgern zu laufen, ist nicht möglich. Das wird auch durch das Vorhandensein von neuen Kommunikationswegen wie E-Mail kaum wettgemacht. Online-Literatur-Recherche vom Schreibtisch aus, Unterstützung durch studentische Mitarbeiter und einiges mehr fallen ebenfalls weg. Ein weiteres Manko könnte es sein, falls man in der Forschung bleiben möchten, dass es schwieriger ist, wieder einen Fuß in die Tür der Universität zu bekommen.
Meine Entscheidung habe ich jedoch nie bereut. Die Doktorarbeit hat mir neue und ungeahnte Möglichkeiten eröffnet und jedes graue Haar, das ich mir derzeit bei der Bearbeitung des Themas hole, ist es mir wert. Was ich nach der Doktorarbeit machen will, weiß ich jedoch noch nicht so genau. Vieles scheint spannend. Und so ist die Zukunft jetzt so offen wie einst in Golm, nur die Möglichkeiten sind größer geworden.

Kontakt: Odette Wegwarth, E-Mail: odette.wegwarth@rz.hu-berlin.de

Odette Wegwarth
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]