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3. Ausgabe: Dezember 2005
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"Im Ausland interessierte man sich sofort für mich…"

Biochemikerin Susanne Schwonbeck hoffte vergeblich auf eine Postdoc-Stelle in Deutschland

Berlin or Lower Saxony - the biochemist Susanne Schwonbeck wanted to settle in one of these two locations after receiving her doctorate. Unfortunately, it did not take long for her to become disillusioned due to the lack of professional opportunities in Germany. On her own initiative, she started to search for appropriate employment in other countries. She quickly found a placement in Evry, France. Nonetheless, she would like to return to Germany someday - when it is again possible for her to carry out research in her own country.

Berlin oder Niedersachsen - das waren die bevorzugten Orte, an denen die Biochemikerin Susanne Schwonbeck sich nach ihrer Promotion niederlassen wollte. Doch bald war sie desillusioniert von den Möglichkeiten im eigenen Land. In Eigeninitiative suchte sie eine passende Stelle im Ausland und fand sie schnell im französischen Evry. Trotzdem will sie wieder nach Deutschland zurückkommen und wenn es irgend geht, auch hier wieder in der Forschung arbeiten.


Verlockend für Forscher: Gute Infra-
struktur und Geräteausstattung.
Foto: zg

Paris, wer hätte das gedacht? Als ich im September 2004 meine ersten Tage als Postdoc am Centre National de Genotypage (CNG) in Evry nahe Paris verbrachte, lagen einige Jahre Studium, Diplomarbeit, Staatexamen und eine fast vollendete Promotion hinter mir. Dass es mich jedoch ins Ausland und dann ausgerechnet nach Frankreich verschlagen würde, hätte ich mir in den Anfangstagen meines Studiums wahrlich nicht träumen lassen.
Dabei begann alles recht unspektakulär. Nach fünf Jahren Studium der Lebensmittelchemie an der Berliner Technischen Universität vertrieb ich mir die Wartezeit für das Staatexamen mit einer Diplomarbeit, die für Lebensmittelchemiker eher unüblich ist. Dies im Ausland zu tun kam für mich eigentlich nicht in Frage. Einige meiner Kommilitonen hatten den Absprung nach England zwar bereits zur Diplomarbeit geschafft, mir fehlten jedoch immer die nötigen finanziellen Mittel.
Als ich mein Studium der Lebensmittelchemie mit dem Staatsexamen beendete, hatte ich eigentlich nicht vor, ins Ausland zu gehen. Mir schwebte eine Karriere in der deutschen Industrie, Forschung oder im Untersuchungsamt vor. An welchem Ort das sein sollte, war mir im Grunde egal. Zur Auswahl standen diverse Universitäten und Firmen. Ich entschied mich für die Universität Potsdam und promovierte dort am Institut für Biochemie.


Fand eine interessante Stelle im französischen
Centre National de Genotypage: Susanne Schwonbeck.
Foto: zg

Ganz anders war meine Situation nach der Promotion. Als Alternative zu einem Job in Deutschland stand ein Auslandsaufenthalt durchaus zur Debatte. Zum einen war es das erste Mal in meiner beruflichen Laufbahn, dass das zu verhandelnde Gehalt das Leben im Ausland möglich machte. Außerdem ist es bei Naturwissenschaftlern fast schon ein Muss, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen, um Sprachkenntnisse zu erwerben beziehungsweise zu vertiefen und in einem komplett anderen Umfeld zu arbeiten und zu leben. Der Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand und der Kontakt zu ausländischen Forschern waren also durchaus verlockend.
Allerdings lagen meine Prioritäten trotzdem auf einer adäquat bezahlten Stelle in der analytischen Forschung oder Industrie als Lebensmittelchemikerin oder analytische Chemikerin in Berlin oder Niedersachsen, also in Deutschland. Nach einigen erfolglosen Versuchen wurde mir recht schnell klar, dass ich mich auf diese Bundesländer nicht beschränken konnte. Parallel zu meiner bundesweiten Suche nahm ich Kontakt mit einigen Forschern im Ausland auf. Ich kannte die Namen teils aus der Fachliteratur und zum Teil suchte ich mir Ansprechpartner mit interessanten Forschungsgebieten im Internet, um eine mögliche Stelle als Postdoc zu diskutieren. Anders als bei den Bewerbungen in Deutschland, bei denen ich zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, interessierten sich zwei Leiter von Forschungsgruppen im Ausland sofort für mich. Beide hatte ich auf einer Konferenz in Madrid kennen gelernt, zu der ich eigens zum Kontaktknüpfen angereist war. Glücklicherweise unterstützte mich mein Doktorvater Prof. Dr. Frank Bier bei der Suche, indem er mir diese Dienstreise nach Madrid ermöglichte.
Da ich in Deutschland also keinerlei Erfolg mit der Stellensuche hatte, entschied ich mich nach zwei Vorstellungsgesprächen in Uppsala, Schweden und Frankreich dann endgültig für Paris. Das viel mir nicht schwer, da mir das von meinem zukünftigen Arbeitgeber angebotene Arbeitsgebiet der Methodenentwicklung in der Biomarker-Forschung sofort gut gefiel. Meine Arbeit ist überdies finanziell durch ein EU-Projekt abgesichert und die Infrastruktur am CNG ist außerordentlich gut. Zudem waren auch weitere Geräteinvestitionen geplant, die meiner Arbeit sehr zuträglich wären. Diese für einen Naturwissenschaftler fast idealen Voraussetzungen und die Möglichkeit, bereits vor meiner mündlichen Doktorprüfung mit der Arbeit zu beginnen, gaben letztendlich den Ausschlag, nach Paris umzuziehen.
Ein Jahr an einem französischen Forschungsinstitut mit international zusammengesetzten Arbeitsgruppen hat mir sehr interessante Erfahrungen beschert, die ich in Deutschland sicherlich so nicht gemacht hätte. Als erstes fielen mir natürlich andere Organisationsabläufe und Unterschiede im alltäglichen Arbeitsablauf auf. Als sehr positiv und anregend empfand ich die Zusammenarbeit mit vielen Kollegen unterschiedlicher Nationalitäten und das sprichwörtliche französische laissez faire. Allerdings fehlte mir bei vielen organisatorischen Problemen die deutsche Effizienz. Da man automatisch alles mit dem deutschen System vergleicht, fällt vieles, was in Deutschland als selbstverständlich gilt, überhaupt erst auf. Dass ich diese Dinge im Ausland aber eben nicht als selbstverständlich voraussetzen kann, ist sicherlich eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. Beispielsweise ist das Fehlen einer Budgetplanung in Deutschland undenkbar. Allerdings weiß ich nicht, ob diese Erfahrung für das französische System repräsentativ ist.
Für meine weitere Berufsplanung ist ganz sicher, dass ich nach Deutschland zurückkehren werde. Eine Tätigkeit in der Routineanalytik wäre für mich zwar denkbar, dennoch ist die Arbeit am Unbekannten und Neuen für mich unendlich kreativer und erfüllender. Deshalb wünsche ich mir, auch in Deutschland wieder eine Stelle in der Forschung zu finden.

Kontakt: Susanne Schwonbeck, E-Mail: schwonbeck@gmx.de

Susanne Schwonbeck
Copyright© 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]