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3. Ausgabe: Dezember 2005
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Feuerwehrmann werden stand nie zur Debatte

Physiker Norbert Marwan liebt es, sich forschend "zwischen die Stühle" zu setzen

With his profession, Norbert Marwan has achieved a childhood dream. It was always his goal to become a researcher, but for a long time he could not decide on a specific field. He finally settled on studying physics after a short stint in geology. Today, as a theoretical physicist working in an interdisciplinary setting at the University of Potsdam, Norbert Marwan can pursue a number of his scientific hobbyhorses ranging from geology to astronautics. In his work, he also greatly enjoys picking up the geological hammer himself every once in a while.

Mit seinem Beruf hat sich Norbert Marwan einen Kindheitstraum erfüllt. Forscher werden war schon immer sein Ziel, nur für ein Fach konnte er sich lange nicht entscheiden. Nach einem kurzen beruflichen Abstecher in die Geologie studierte er schließlich Physik. Als interdisziplinär arbeitender theoretischer Physiker kann er heute an der Universität Potsdam verschiedene seiner fachlichen Steckenpferde miteinander verbinden, von der Geologie bis zur Raumfahrt. Gern greift er dabei auch selbst mal zum Geologenhammer.


Voller Körpereinsatz: Theoretischer Physiker
mit Hang zur Geologie.
Fotos: Siegenthaler

Schon als kleines Kind wollte ich Forscher und Erfinder werden. Dabei hat mich am meisten der Weltraum fasziniert. Im Laufe der Zeit gab es noch weitere Favoriten: Geologie und Physik. Heute bin ich Physiker an der Uni Potsdam und kann in meiner derzeitigen Position auch meine Begeisterung für die anderen beiden Gebiete ein Stück weit ausleben.
Nach der Schule erlernte ich den Beruf des Geologie-Facharbeiters, begann aber gleich danach das Studium der Physik an der Technischen Universität Dresden. Geologie schien mir damals wenig Zukunft zu haben - nicht zuletzt weil auch mein Ausbildungsberuf abgeschafft wurde. Das Studium der Physik war schwieriger als erwartet und kostete mich einige Anstrengung. Deshalb habe ich damals noch nicht darüber nachgedacht, ob ich später tatsächlich in der Forschung arbeiten will. Aus heutiger Sicht bin ich aber mit meiner Wahl sehr zufrieden.
Als die Diplomarbeit anstand, zog mich ein privater Grund - mit dem ich jetzt verheiratet bin - nach Potsdam. Im Institut für Physik der Universität Potsdam erkundigte ich mich nach möglichen Themen für eine Diplomarbeit. Fachübergreifende Probleme waren dabei eher nach meinem Geschmack als reine Physik-Themen. Aus heutiger Sicht lässt sich auch sagen, dass Interdisziplinarität nicht nur spannend, sondern auch zukunftsorientiert ist.
Fündig wurde ich am Lehrstuhl von Professor Jürgen Kurths, an dem sich gerade ein gemeinsames Projekt mit den Geologen der Uni anbahnte. Es ging um die Anwendung nichtlinearer Datenanalyse auf Seesedimente und Klimadaten. Durch meine geologische Berufsausbildung konnte ich mich an der Feldarbeit mit den Geologen in Argentinien beteiligen. So war ich nicht nur "Schreibtischtäter" sondern konnte selbst die Daten gewinnen, mit denen ich arbeitete. Die Zusammenarbeit mit den Geologen war sehr spannend und erfolgreich. Und so blieb ich gerne auch zur Promotion am Lehrstuhl. Wieder ließen sich Physik und Geowissenschaften verknüpfen. In diesem Projekt beschäftigte ich mich mit den Veränderungen des Erdmagnetfeldes in den letzten 100.000 Jahren.


Wollte schon immer Forscher werden: Robert Marwan.

Nach dem Abschluss meiner Promotion im Sommer 2003 ergab sich die Gelegenheit, am Institut für Physik an einem neuen, wieder interdisziplinären Projekt mitzuarbeiten. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter teile ich nun das Schicksal von vielen anderen, deren Stelle an Drittmitteln hängt und die somit nur befristete Verträge haben: Ich lebe im ständigen Hoffen und Bangen, ob die Finanzierung für ein beantragtes Projekt bewilligt wird. Das Hochschulrahmengesetz macht dieses Schicksal nicht gerade einfacher. Demnach dürfen wissenschaftliche Mitarbeiter mit befristetem Vertrag nach der Promotion nur noch sechs Jahre an der Uni beschäftigt werden. Inzwischen halte ich jedoch auch die Chancen auf eine Stelle in der Industrie für gering, ein Eindruck, der durch Berichte von Kommilitonen über deren vergebliche Bemühungen bestätigt wird. Seit Beginn meines Studiums hat sich einiges auf dem Arbeitsmarkt verändert. Damals hieß es noch, Physiker würden gesucht.
Mein aktuelles Forschungsgebiet verbindet die Physik mit einer weiteren "alten" Leidenschaft, der Raumfahrt. Der Abbau von Knochensubstanz ist eines der schwerwiegendsten Probleme bei Langzeitflügen ins Weltall. In dem von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA finanzierten Projekt geht es darum, strukturellen Veränderungen in Knochen mithilfe von dreidimensionalen Computertomographie-Aufnahmen zu bewerten. Ich beschäftige mich dabei mit der Entwicklung einer Methode zur 3D-Bildanalyse, welche die entsprechende medizinische Diagnose ermöglichen soll. Da ich kein Mediziner bin, ist dieses Arbeitsgebiet für mich eine neue Herausforderung, die ich gerne annehme. In einer späteren Projektphase wird die neue Methode bei Kosmonauten und Osteoporose-Patienten getestet. Die Ergebnisse unseres Projektes helfen somit nicht nur der Raumfahrt, sondern auch - durch verbesserte Diagnosemöglichkeiten für Osteoporose - den Menschen auf der Erde.
Trotz der medizinischen Ausrichtung des gegenwärtigen Projektes bleibt meine Verbindung mit den Geowissenschaften bestehen. So trifft man mich nicht nur vor dem Computer an, sondern auch an verschiedenen Orten der Welt mit Feldbuch und Geologenhammer.
Meine Zukunft an der Uni Potsdam ist zwar ungewiss, aber trotzdem kann ich sagen, dass ich mir mit meiner derzeitigen Tätigkeit meinen Kindheitswunsch erfüllt und viel Spaß am Forschen habe. Durch die fächerübergreifende Forschung habe ich Einblick in verschiedene Fachgebiete gewonnen und könnte mir daher vorstellen, in allen diesen Bereichen zu arbeiten.

Kontakt: Norbert Marwan, E-Mail: marwan@agnld.uni-potsdam.de

Norbert Marwan
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]