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3. Ausgabe: Dezember 2005
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Zwischen Wüste und Skipiste

Geologie-Professorin Anke Friedrich kehrte nach 13 Jahren in den USA nach Deutschland zurück

A volcano’s explosion sparked Anke Friedrich’s interest in geology. Even after she was told that the chances of success for women in the field were low, she did not let her ambitions to become a geologist be discouraged. Nonetheless, her second passion, skiing, did not have to take the back burner during her studies. As a student in Utah in the USA, she was even able to compete on the ski team of the university there. After her studies, she stayed in America, but after thirteen years she returned to Germany. Here, as a professor Anke Friedrich would like to work towards bringing to German universities not only the educational and research atmosphere that she experienced in the USA, but also the sporting opportunities that American universities offer.

Ihre Vorliebe für Geologie begann mit einem Vulkanausbruch. Von ihren Forschungsambitionen ließ sich Anke Friedrich auch nicht abbringen, als sie hörte, die Erfolgschancen für Frauen in diesem Bereich ständen schlecht. Während des Studium kam auch ihre zweite Leidenschaft, das Skifahren, nicht zu kurz. Als sie ihr Studium in Utah, USA, fortsetzte, wurde sie sogar in die Skimannschaft der Universität aufgenommen. Nach dem Studium blieb sie zunächst in den USA. Doch nach 13 Jahren kehrte sie – alsProfessorin – zurück nach Deutschland. Hier möchte sie dazu beitragen, die Lern- und Forschungsatmosphäre die sie in den USA erlebte, in die deutsche Universitäten hineinzutragen und sie stärker für den Sport zu öffnen.


Nicht die schlechteste Adresse: Vom
Massachusetts Institute of Technology (MIT)
erhielt Anke Friedrich den Doktortitel.
Foto: zg

Meine Entscheidung, Geologie zu studieren wurde sowohl vom Ausbruch des Vulkans Mt. St. Helens 1980 als auch von meinem Geologielehrer am Gymnasium beeinflusst. Mein Lehrer sorgte für interessante Hausaufgaben und nahm uns sogar auf eine richtige Exkursion mit. Mir gefiel besonders die Kombination von Forschung mit der Arbeit im Freien. Und so war ich am Ende meiner Schulzeit entschlossen, Geologin zu werden.
Als Erstsemestlerin hörte ich, dass Frauen in den geologischen Wissenschaften keine Erfolgschancen hätten und lieber andere Karrierewege einschlagen sollten. Da ich in einer Familie aufgewachsen bin, in der Mädchen und Jungs gleich behandelt und in der nichts für unmöglich gehalten wurden, hatte diese Aussage meinen Ehrgeiz geweckt und ich war umso fester überzeugt, dass eine Karriere in der Geologie genau das Richtige für mich sei.
Während meiner ersten zwei Universitätsjahre konzentrierte ich mich allerdings nicht 100-prozentig auf die Geologie, sondern vor allem auf Skirennen. Ein Glanzpunkt dieser Zeit war meine Teilnahme an der Universiade, wo Studenten aus allen Teilen der Welt zusammen kamen. Insgesamt stand ich im Jahr etwa 150 Tage auf den Skiern. Daher wählte ich meine Universitätskurse so aus, dass sich diese mit den Rennen nicht überschnitten. Aus diesem Grund musste ich einen strengen Studienplan folgen. Dieser half mir vermutlich sogar, bessere Leistungen im Studium zu erbringen.


Lässt das Geologenherz höher schlagen:
Der Grand Canyon-Nationalpark.
Foto: zg

Nach Abschluss meines Vordiploms setzte ich mein Studium in den USA fort. Durch einen glücklichen Zufall wurde ich für die Skimannschaft der Universität von Utah rekrutiert. In den folgenden zwei Jahren nahm ich an Wettbewerben in der National Collegiate Athletic Association NCAA teil. Die Sporteinrichtungen und die Trainingsbedingungen an den US-amerikanischen Universitäten sind exzellent, viel besser als an europäischen Universitäten. Gerne erinnere ich mich an die starke Unterstützung der Sportmannschaften durch die Kommilitonen und Professoren. Als Stipendiatin der NCAA studierte ich gleichzeitig Geologie in Vollzeit, und nach zwei Jahren schloss ich mein Bachelorstudium ab. Danach bekam ich von der NCAA ein weiteres Stipendium für ein Masterstudium.
Dass ich an der Universität von Utah weiterstudierte, lag nicht nur daran, dass die Amerikaner begeistert von geologischer Forschung sind, sondern auch daran, dass kritisches Denken in den USA hoch geschätzt wird. Ebenso beeindruckte mich der gegenseitige Respekt zwischen Studenten und Professoren. Für meine Masterarbeit beschäftigte ich mich mit der Geologie einer abgelegenen Region im Südwesten von Utah. Dort verbrachte ich im Rahmen meiner Feldforschung sechs Monate in der Wüste. Als ich meine Arbeit verteidigte, wusste ich, dass ich meine Nische in der Strukturgeologie und Tektonik gefunden hatte.


Hier wollen skibegeisterte Studenten in
den USA dabei sein: Die Universitätsliga NCAA.
Foto: zg

Die nächsten fünf Jahre verbrachte ich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in der Nähe von Boston. Diese waren einige der herausfordernsten, aber auch anspruchsvollsten Jahre meines bisherigen Lebens. Es ist schwer, die Intensität einer solchen Erfahrung in wenigen Worten zu beschreiben. Jedenfalls sagen viele MIT-Studenten, die Ausbildung am MIT sei wie das Trinken aus einem Feuerwehrschlauch. Ich lernte viel aus einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Felder und ich konnte viele Wochen in der Wüste in Death Valley mit dem Kartieren von Steinformationen und anderen Strukturen verbringen. Für meine Dissertation arbeitete ich im westlichen Irland, wo ich das Alter hunderter Steine datierte und damit beweisen konnte, dass Berge viel schneller entstehen, als man bisher annahm. Auf jeden Fall beeinflusste die MIT-Erfahrung meinen weiteren Werdegang maßgeblich.
Nach meiner Promotion am MIT erhielt ich vom California Institute of Technology (CalTech) in Pasadena, Kalifornien, ein Postdoc-Stipendium. Während des dreijährigen Aufenthalts am CalTech begann ich meine bis heute andauernde Forschung zur Erdbebengeologie. In dieser Zeit begann ich auch zu überlegen, ob ich auf Dauer in den USA bleiben oder lieber nach Deutschland zurückkehren will. Aus den geplanten sechs Monate USA im Rahmen eines Ski-Trainingscamps sind dreizehneinhalb Jahre geworden. Obgleich ich stets gerne in den USA lebte, entschloss ich mich schließlich meine wissenschaftliche Laufbahn in Deutschland fortzusetzen. Zuvor bekam ich noch die großartige Gelegenheit, als freiwillige Helferin bei der Olympiade 2002 in Salt Lake City dabei zu sein.

Nach Deutschland zurückgekehrt verbrachte ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin drei wunderbare Jahre an der Universität Potsdam. Im letzten Semester wurde ich als Professorin an die Universität Hannover berufen. Mein Traum ist es, die Lern- und Forschungsatmosphäre, die ich an MIT und CalTech erlebte, in die deutsche Universitätskultur hineinzutragen. Ich möchte auch dazu beitragen, dass die deutschen Universitäten sich für den Sport öffnen, so wie in den USA. Der Erfolg des amerikanischen Universitätsmodells beruht unter anderem auf der Rolle des Sports bei der Bindung der Studenten an ihre Unis.
Wenn mich jemand fragen würde, was ich am deutschen Universitätssystem ändern wollte, würde ich deshalb antworten, dass es besseren Möglichkeiten für den Hochschulsport geben und der gegenseitige Wettbewerb unter den Universitäten um die besten Studenten eingeführt werden sollte.

Kontakt: Anke Friedrich, E-Mail: friedrich@geowi.uni-hannover.de

Anke Friedrich
Copyright© 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 26.11.2005, Bültge]