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2. Ausgabe: Dezember 2004
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"Die Einstellung des Einzelnen ist wichtig"

Wie die Studienberatung beim Berufseinstieg hilft



Dr. Marlies Reschke: Mit jemandem sprechen, der keinen Druck ausübt.
Foto: Fritze

Grundlegende Informationen zur Orientierung im Studium und dessen Organisation erhalten in erster Linie Studieninteressenten und Neuimmatrikulierten von der Studienberatung. Nach den ersten beiden Semestern läuft`s dann von selber, denken viele. Doch Beratung geschieht vor allem auch mit Blick auf die berufliche Perspektive der Studierenden. Portal alumni sprach mit der Studienberaterin Dr. Marlies Reschke über Studienwechsel, nicht bestandene Prüfungen, Studienkompetenzen, Netzwerke und notwendige Flexibilität.

Wo liegen die Beratungsschwerpunkte mit Blick auf die berufliche Entwicklung der Studierenden?

Reschke: Hinsichtlich des Berufseinstiegs sind bestimmte Beratungsthemen typisch. Wichtigstes Thema ist natürlich der Fachwechsel. Der Entscheidung, das Studium zu wechseln, fällt in der Regel nach dem zweiten oder dritten Fachsemester. Manche sind dann von sich enttäuscht, weil sie das Gefühl haben, gescheitert zu sein. Andere sind neu motiviert, weil sie glauben, endlich das Richtige gefunden zu haben. Ersteren müssen wir neuen Mut geben und ihnen klarmachen, dass ihr Irrtum keineswegs negativ, sondern völlig normal ist, und dass die Neuorientierung innerhalb des Studiums auch zur beruflichen Entwicklung gehört.
Ein anderer Komplex sind nicht bestandene Prüfungen. Da heißt es nicht selten, von vorn anzufangen und zu überlegen, welche Möglichkeiten jetzt bestehen, das Bisherige in andere Fächer einzubringen. Auffällig ist, dass immer mehr "gestandene Personen" zu uns kommen, die wegen schlechter Beschäftigungschancen im Beruf nach neuen Wegen suchen und sich zusätzlich qualifizieren wollen. Ebenso wächst der Anteil derer, die eigentlich nie vorhatten zu studieren und das nach absolvierter Berufsausbildung nun doch tun wollen.

Was erhoffen sich diejenigen, die das Fach wechseln wollen, wenn sie zu Ihnen kommen?

Reschke: Studieren heißt heute, Kompetenzen zu erwerben, die nicht an einen Studiengang gebunden sind. Möglichst viel und allgemein aufzunehmen und sich dabei noch zu spezialisieren, ist eine Gradwanderung. Viele merken am Ende des Grundstudiums, dass sie nicht klarkommen und aus unterschiedlichen Gründen wechseln wollen. Aber oft stellt sich im Gespräch heraus, dass ein Wechsel eigentlich gar nicht nötig ist. Es gibt ja beispielsweise nicht wenige, die ein Fach gegen ihre Umwelt studieren, vor allem gegen die Eltern. Wenn ich aber merke, dass derjenige mit Spaß sein Fach studiert, dann rate ich auch, dabei zu bleiben. Und dabei erlebe ich oft, dass es vielen hilft, mit einer neutralen Person zu sprechen, mit jemandem, der keinen Druck ausübt, sondern der klar aufzeigt, was möglich ist und was nicht.

Und die anderen? Wer nimmt noch die Beratung in Anspruch?

Reschke: Unruhig sind vor allem all Jene, die solche Fächer studieren, von denen sie nicht genau wissen, was man damit anfangen kann. Auch im Hauptstudium kommen welche, die noch keine Idee haben, wohin es beruflich gehen könnte. Alles in allem aber erlebe ich unsere Studierenden als sehr umtriebig, manche brauchen von uns nur noch den letzten Anstoß oder eine Kontaktperson. Zudem muss man auch sehen, dass nicht jeder zu uns kommt, was ja darauf hinweist, dass viele klarkommen. Und dass jemand mal mit seinem Diplomzeugnis bei uns auftaucht und wissen will, was er jetzt damit machen kann, ist der absolute Einzelfall. Aber auch das hatten wir schon.

Wie sieht die Beratung konkret aus?

Reschke: Unsere Unterstützung beim Berufseinstieg hat Grenzen. Wir sind keine Unternehmensbörse oder Berufsinformationsmesse. Die Frage nach beruflichen Möglichkeiten kann von uns nur beispielhaft beantwortet werden, indem wir Anregungen geben und Richtungen aufzeigen. Unser wichtigster Tipp ist, während des gesamten Studiums die berufliche Weiterentwicklung nie aus den Augen zu verlieren, Netzwerke zu stricken, Praktika zu absolvieren, Marktlücken zu entdecken, für sich selbst nicht erkannte Berufperspektiven zu erschließen. Die Bachelor-Studiengänge beispielsweise werden diese Entwicklung voranbringen, da dort berufsvorbereitende Anteile vorgeschrieben sind.
Dann gibt es Felder, die über die individuelle Beratungstätigkeit hinausführen. Wir haben uns schon seit langen stark gemacht für eine zentrale Anlaufstelle, dem "Career-Service", die es ja nun auch gibt. Unser Angebot "Live work-planing", das wir alljährlich für Studierende höherer Semester anbieten, geht auch in diese Richtung. Hilfreich ist auch unsere Tutorenwerkstatt. Hier lernt man, Veranstaltungen ebenso zu planen wie sich selbst. Oder sie lernen ein Thema zu präsentieren und zu moderieren, Lerntechniken, den Umgang im Team oder Featback-Kulturen. Das sind wichtige Kompetenzen und die Zusatzqualifikationen und das Zertifikat, das die Tutoren erhalten, war schon öfters entscheidend bei der Job- oder Praktikumssuche.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt: Dr. Marlies Reschke, Tel. 0331/977-1065, E-Mail: dez2re@uni-potsdam.de

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[Letzte Aktualisierung 11.12.2004, Tobias Queck]