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2. Ausgabe: Dezember 2004
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Staatsexamen vor dem Aus

Die Universität Potsdam reformiert das Studium



Ausbildung im Wandel: Bachelor und
Master halten Einzug in die Potsdamer Alma Mater.
Foto: Fritze

In die deutsche Hochschullandschaft ist Bewegung gekommen. Grund dafür ist der so genannte "Bologna-Prozess", in dessen Verlauf bis zum Jahre 2010 alle Studienangebote auf gestufte Studiengänge umgestellt werden sollen. Der Bachelor stellt dabei einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss dar. In den Führungsetagen vieler Unternehmen begegnet man dieser Entwicklung noch mit Vorsicht. Dahinter steckt die Befürchtung, bestehende Studiengänge würden lediglich umetikettiert und ein Qualitätsverlust sei die Folge. Noch gibt es zu wenige Absolventen, um die Bedenken aus der Praxis auszuräumen. Doch der Zug in Richtung reformierte Ausbildung mit Blick auf gegenseitige Anerkennungsmöglichkeit der Studien im europäischen Raum befindet sich bereits in voller Fahrt. Das ist auch an der Universität Potsdam nicht anders.

Einige gestufte Studiengänge wie etwa die Europäische Medienwissenschaft sind an der Hochschule bereits etabliert. Nun kamen zum Beginn des Wintersemesters 2004/2005 alle Lehramtsstudiengänge hinzu. Ihre Umstellung ist durch eine so genannte Erprobungsklausel des brandenburgischen Lehrerbildungsgesetzes vorgegeben gewesen. Damit orientiert sich die Lehre im Bereich Lehrerbildung von nun an ausschließlich an den Anforderungen des Bachelorstudienganges. Aber auch für alle anderen Bereiche steht die Umstellung auf gestufte Studiengänge auf dem Plan.
Die neuen Studiengänge sind eng mit einer Modularisierung sowie der Einführung eines veränderten Prüfungssystems und einer Vergabe von Leistungspunkten verbunden. Das erfordert für alle Beteiligten eine völlig andere Herangehensweise ans Studium. Die ehemals gängigen Abläufe sind nun passé.


Karikatur von Freimut Wössner

Module sind es also jetzt, in denen studiert wird. Hinter diesem Strukturelement verbergen sich nach thematischen Gesichtspunkten gebildete Zusammenfassungen von Lehrveranstaltungen, die sich über maximal zwei Semester erstrecken. Zusammensetzen können sie sich aus ganz unterschiedlichen Lehr- und Lernformen in Präsenzveranstaltungen wie Vorlesungen, Übungen und Seminare. Auch neue Formen multimedialen und internetbasierten Lernens können Elemente von Modulen sein. Ziel dieser einzelnen Elemente ist es, durch Ausgestaltung und Abfolge zu einem systematischen Wissens- und Kompetenzerwerb zu gelangen. Durch ihre genaue Definition erleichtern sie im Übrigen den individuellen Studienverlauf, weil sie mehr eigenverantwortliches Entscheiden ermöglichen.
Eine große Rolle spielen nunmehr Leistungspunkte, auch eine Neuerung, die Studenten früherer Generationen nicht kennen. Die zu erreichende Höhe der Leistungspunktzahl hängt vom erwarteten Arbeitsaufwand der Studierenden ab und stellt damit eine Abkoppelung von der organisatorischen Einheit der Semesterwochenstunden dar. Durch das Leistungspunktsystem entfallen die bisherigen punktuellen Fachprüfungen während oder am Ende eines Studienabschnitts. Dafür gibt es nunmehr Punkte im Rahmen eines benoteten Leistungserfassungsprozesses innerhalb der jeweiligen Lehrveranstaltung. Auch die bisher nötigen prüfungszulassungsrelevanten Leistungsnachweise sind nun überflüssig, da die Leistungspunkte Bestandteile des Moduls darstellen und dort bei der Benotung Berücksichtigung finden. Um es in Zahlen auszudrücken: Für den Bachelorstudiengang Lehramt für Gymnasien ist beispielsweise, wenn sich die Planungen bestätigen, das Erreichen von 180 Punkten vorgesehen. Die Studierenden müssen sie im ersten und zweiten Fach sowie in den Erziehungswissenschaften sammeln.
Auf diese und andere neue Regelungen müssen sich nun Studierende und Lehrende einstellen. Die jetzige Reformierung des Lehramtsstudiums bietet durch die konkretere Bestimmung der Studieninhalte, die Regelung des Studienverlaufs und durch das studienbegleitende Prüfen große Chancen. Nicht nur das Prinzip "wer lehrt, prüft" kommt besser zum Tragen. Anders ist zum Beispiel auch, dass die Studierenden in der Bachelorphase die Chance haben zu erkunden, ob sie sich für den gewählten Beruf tatsächlich eignen. Erst auf dieser Grundlage können sie nach drei Jahren zum Master, der je nach Art des Lehramts drei beziehungsweise vier Semester Ausbildung bedeutet, übergehen. "Wir werden keine Hürden aus Noten oder fragwürdigen Aufnahmegesprächen vor dem Master errichten", versicherte dazu kürzlich Prof. Dr. Gerda Haßler, Prorektorin für Lehre, Studium und internationale Angelegenheiten der Universität. Vom neuen Weg zum Lehramt verspricht sie sich am Ende Lehrer, die den Beruf auch tatsächlich ergreifen wollen. Schließlich hätte man in der Vergangenheit häufig genug Lehramtsstudierende immatrikuliert, die keineswegs die Absicht hatten, später in Schulen zu arbeiten.
In der Zeit des Übergangs vom alten zum neuen Ausbildungsmuster existiert für die Studierenden allerdings auch die Möglichkeit, das Lehramtsstudium mit dem Staatsexamen zu beenden. In dem Fall gelten Fristen. Das letzte Staatsexamen kann in Brandenburg bis zum 31. Dezember 2011 abgelegt werden.
Weitere Informationen zur Studienreform sind im Internet unter www.uni-potsdam.de/studienreform nachzulesen.

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[Letzte Aktualisierung 22.11.2004, Tobias Queck]