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2. Ausgabe: Dezember 2004
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Ein Praktikum war Türöffner

Nicole Koch arbeitet als Psychologin in der Wirtschaft



Wusste schon früh, was sie werden wollte: Nicole Koch.
Foto: Fritze

Nicole Koch wanted to become a psychologist as a teenager yet. Now, working as an industrial psychologist at a consulting, she would choose psychology again. Her company is advising firms of all branches all over Germany. Already while her study she completed a traineeship at this company, later she worked there as a free-lancer. The study at the Universität Potsdam was very good, she says. And working in practice while still studying was very useful for her. Last year she worked at the Universität Leipzig and tried to find a grant for her thesis. Unfortunately she wasn't successful up to now. If she can manage her thesis beside her job she doesn't know at that moment.

sychologin zu werden, stand schon als Teenager auf der Liste ihrer Berufswünsche ganz oben. Bereits während des Studiums knüpfte Nicole Koch dann durch ein Praktikum Kontakte zu ihrem späteren Arbeitgeber. Als Arbeits- und Organisationspsychologin kümmert sie sich heute um das wertvollste Kapital von Unternehmen - die Mitarbeiter.

Ein grauer, regnerischer Herbsttag im Oktober 1995. Der Blick aus dem Fenster des Regionalzuges am Bahnhof Golm lässt mich denken, irgendetwas falsch verstanden zu haben - hier kann unmöglich eine Universität sein. Ich werde eines Besseren belehrt und finde mich Tage später zwischen Unmengen von Studentinnen in einem Vorlesungsraum wieder - Statistik steht in meinem Stundenplan. "Wie willst du das fünf Jahre aushalten", frage ich mich. Ich habe es sechs Jahre ausgehalten und würde mich immer wieder für die Psychologie und für die Universität Potsdam entscheiden.



Unergonomischer Arbeitsplatz:
Ein Fall für die Arbeits- und Organisationspsychologin.
Foto: Fritze

Im Anschluss an das Abitur zu studieren, hielt ich in meinem jugendlichen Leichtsinn für die Voraussetzung einer sicheren beruflichen Existenz. In einem Russischaufsatz der zehnten Klasse steht immerhin schon schwarz auf weiß, dass ich Psychologie oder Medizin studieren will, auch wenn der berufsberatende Interessentest eine Empfehlung zur Försterin aussprach. Ein Blick in den für die Zulassung zum Medizinstudium erforderlichen Medizinertest ließ mich zweifeln. Irgendwelche Figuren rotieren zu lassen, liegt mir nicht. Also lieber Psychologie. Selbst die erste Ablehnung von der ZVS konnte mich nicht mehr umstimmen. Ich zog dann doch noch das große Los und konnte im Herbst 1995 an der Universität Potsdam anfangen zu studieren.
Jetzt, neun Jahre später, bin ich als Arbeits- und Organisationspsychologin in einer wirtschaftspsychologischen Unternehmensberatung in Berlin tätig. Zurzeit sind wir ein Team aus zwei Diplom-Psychologinnen. Wir beraten bundesweit Unternehmen aller Branchen in Fragen des Personalmanagements, der Organisationsentwicklung und Arbeitsorganisation, der Ergonomie, des Informations- und Wissensmanagements sowie des Marketings und Vertriebs. Berufliche Sicherheit habe ich somit so lange, wie Unternehmen in diese Bereiche und damit in ihre Mitarbeiter investieren.
Von der aus meiner Sicht sehr guten Ausbildung an der Universität Potsdam kann ich in meiner Arbeit immer wieder profitieren. Bei der Konzeption eines Seminars sind Lehrmethoden nicht weg zu denken, für die Durchführung von Seminaren mit immer wieder anderen Teilnehmern ist das Wissen um gruppendynamische Prozesse hilfreich, für die inhaltliche Gestaltung eines Seminars ist es unabdingbar, neuste empirische Studien auch anhand des methodischen Wissens beurteilen zu können. Die Konzeption eines Fragebogens etwa zur Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit erfordert die Kenntnis testtheoretischer Grundlagen, welche auch entsprechend statistisch ausgewertet sein wollen.
Meine Tätigkeit für diese Firma begann schon während des Studiums, zunächst als Praktikantin, als diese noch unter anderem Namen in Potsdam ansässig war, im Anschluss ans Praktikum dann neben dem Studium als freiberufliche Mitarbeiterin. Während des Praktikums stellte ich fest, dass in der Theorie überzeugend klingende Ansätze nicht ohne weiteres auf unternehmerische Fragestellungen übertragbar sind. Dieses Nebeneinander von Studium und praktischer Tätigkeit war für mich eine wertvolle Bereicherung. So konnte ich die im Praktikum erworbenen Präsentations- und Moderationstechniken auch bei Referaten an der Universität nutzen. Den Zweck allgemeiner und eher abstrakter Studieninhalte konnte ich mir anhand von Unternehmensbeispielen besser vorstellen und zusätzlich die praktische Anwendbarkeit von Theorien und Instrumenten hinterfragen.
Dass ich mal als Arbeits- und Organisationspsychologin arbeiten würde, war zu Beginn des Studiums nur eine von vielen Optionen. Neben meinem Studium habe ich mehrfach in verschiedenen Bereichen als studentische Hilfskraft gearbeitet und auch ein Forschungspraktikum an der Universität absolviert. Letztes Jahr war ich dann an der Universität Leipzig wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeits- und Organisationspsychologie. Langfristige berufliche Perspektiven und Sicherheit sind auch an der Universität kaum noch möglich. Befristete und auf die Vorlesungszeit beschränkte Verträge sind die Regel. Stellen sind hauptsächlich für diejenigen reserviert, die eine wissenschaftliche Laufbahn in Richtung Professur anstreben. Dieses Jahr an der Universität habe ich genutzt, um ein Promotionskonzept zu erarbeiten und dafür ein Stipendium beziehungsweise ein Drittmittelprojekt ein zu werben. Leider war dieses Vorhaben bis jetzt nicht von Erfolg gekrönt. Ob mir eine Promotion neben meiner Tätigkeit als Arbeits- und Organisationspsychologin in der Wirtschaft gelingen wird, steht erst einmal in den Sternen.
Das Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin war jedoch nicht umsonst. Einerseits konnte ich durch die Seminare für Studenten mein Wissen wieder auffrischen und vertiefen, was ich jetzt in der Praxis umsetzen kann. Andererseits wurde mir bewusst, dass ich auf eine sehr gute Ausbildung zurückgreifen kann. Zudem konnte ich in die wissenschaftliche Forschung und Lehre meine praktischen Erfahrungen einbringen. So ließ sich der Praxisbezug in der Lehre sehr gut verdeutlichen und wurde von den Studierenden sehr geschätzt. Auch in der Forschung ist ein gutes Projektmanagement gefragt, etwas was man nach meiner Erfahrung nicht an der Universität lernt, sondern eher in der praktischen Arbeit. Aus meiner Sicht können praktische Arbeit und wissenschaftliche Lehre sowie Forschung sich gegenseitig bereichern.

Kontakt: Nicole Koch, E-Mail: nickoch@web.de

Nicole Koch
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 11.12.2004, Tobias Queck]