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Frauen an der Spitze – doch beim Gender Gap trennen sich AfD und BSW

Medieninformation 10-07-2026 / Nr. 061

  • Wahlzettel, auf dem Buntstifte liegen
    Photo: AdobeStock/1275456216/bluedesign
    Die Potsdamer Politikwissenschaft untersucht das Wahlverhalten - auf Landes- und Bundesebene.

Die Konkurrenz zwischen populistischen Parteien offenbart sich nicht nur an ökonomischen oder kulturellen Konfliktlinien, sie ist auch durch Genderfragen geprägt. Zu diesem Schluss kommen Forschende der Universität Potsdam und der Freien Universität Berlin in einer aktuellen Studie. Die Bundestagswahl 2025 bot die seltene Gelegenheit, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Unterstützung populistischer Parteien zu untersuchen. Zwei ideologisch unterschiedliche populistische Parteien waren bei der Wahl unter denselben strukturellen Bedingungen angetreten – denn beide wurden geführt von prominenten Frauen. Trotz dieser Gemeinsamkeit unterschieden sich ihre Wählerschaften deutlich: Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde überdurchschnittlich von Männern unterstützt, während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mehr Frauen erreichte.

Auf Grundlage der German Longitudinal Election Study (GLES), die für die Wahlforschung vor und nach Bundestagswahlen quer- und längsschnittliche Umfragen unter Wählern und Kandidaten durchführt, analysierte das Forschungsteam – Teresa Haußmann und Jan Philipp Thomeczek (Universität Potsdam) sowie Aiko Wagner (Freie Universität Berlin) – die Wahlneigung für die beiden populistischen Parteien. Zunächst untersuchten die Forschenden, inwieweit sich die Unterstützung für AfD und BSW durch klassische Faktoren wie soziodemografische Merkmale, politische Einstellungen und die Bewertung der Parteivorsitzenden erklären lässt. Anschließend ergänzten sie die Analyse um Einstellungen zu Geschlechterfragen – etwa zur Repräsentation von Frauen im Parlament, staatlichen Gleichstellungsmaßnahmen und geschlechtergerechter Sprache. Die Ergebnisse zeigen: Die Gender Gaps lassen sich durch Einstellungen zu genderbezogenen politischen Fragen erklären. Ablehnende Haltungen gegenüber Gleichstellungspolitik sind häufiger mit Unterstützung der AfD verbunden, während Personen, die die Unterrepräsentation von Frauen im Parlament kritisch sehen, stärker zum BSW tendieren.

„Damit wird deutlich, dass genderbezogene Policy‑Orientierungen durchaus die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Wähler:innenschaften strukturieren“, sagt Teresa Haußmann. „Zwar beeinflussen die beiden Spitzenkandidatinnen die allgemeine Parteineigung. Eine weibliche Parteispitze allein führt jedoch nicht dazu, dass der für rechtspopulistische Parteien typische Gender Gap – nach dem Männer häufiger rechts wählen – verschwindet.“

Die Studie ist die erste wissenschaftliche Veröffentlichung des gemeinsamen Forschungsteams EtaPPP, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und das sich mit der „Etablierung des BSW: Programmatik, Personalisierung und Populismus (EtaPPP)“ beschäftigt.

 

Die Studie online: Haußmann, T., Wagner, A., & Thomeczek, J. (2026). Populist Parties, Female Populist Leaders, and the Gendered Vote in Germany. Politics and Governance, 14, Article 12481. https://doi.org/10.17645/pag.12481

Weitere Informationen zur Forschungsgruppe: https://www.uni-potsdam.de/de/vergleichende-politikwissenschaft/team/dr-jan-philipp-thomeczek/dfg-projekt-etappp

 

Kontakt: 
Teresa Haußmann, Professur für vergleichende Politikwissenschaft
E-Mail: teresa.haussmannuni-potsdamde 

 

Medieninformation 10-07-2026 / Nr. 061