Auf Grundlage der German Longitudinal Election Study (GLES), die für die Wahlforschung vor und nach Bundestagswahlen quer- und längsschnittliche Umfragen unter Wählern und Kandidaten durchführt, analysierte das Forschungsteam – Teresa Haußmann und Jan Philipp Thomeczek (Universität Potsdam) sowie Aiko Wagner (Freie Universität Berlin) – die Wahlneigung für die beiden populistischen Parteien. Zunächst untersuchten die Forschenden, inwieweit sich die Unterstützung für AfD und BSW durch klassische Faktoren wie soziodemografische Merkmale, politische Einstellungen und die Bewertung der Parteivorsitzenden erklären lässt. Anschließend ergänzten sie die Analyse um Einstellungen zu Geschlechterfragen – etwa zur Repräsentation von Frauen im Parlament, staatlichen Gleichstellungsmaßnahmen und geschlechtergerechter Sprache. Die Ergebnisse zeigen: Die Gender Gaps lassen sich durch Einstellungen zu genderbezogenen politischen Fragen erklären. Ablehnende Haltungen gegenüber Gleichstellungspolitik sind häufiger mit Unterstützung der AfD verbunden, während Personen, die die Unterrepräsentation von Frauen im Parlament kritisch sehen, stärker zum BSW tendieren.
„Damit wird deutlich, dass genderbezogene Policy‑Orientierungen durchaus die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Wähler:innenschaften strukturieren“, sagt Teresa Haußmann. „Zwar beeinflussen die beiden Spitzenkandidatinnen die allgemeine Parteineigung. Eine weibliche Parteispitze allein führt jedoch nicht dazu, dass der für rechtspopulistische Parteien typische Gender Gap – nach dem Männer häufiger rechts wählen – verschwindet.“
Die Studie ist die erste wissenschaftliche Veröffentlichung des gemeinsamen Forschungsteams EtaPPP, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und das sich mit der „Etablierung des BSW: Programmatik, Personalisierung und Populismus (EtaPPP)“ beschäftigt.
Die Studie online: Haußmann, T., Wagner, A., & Thomeczek, J. (2026). Populist Parties, Female Populist Leaders, and the Gendered Vote in Germany. Politics and Governance, 14, Article 12481. https://doi.org/10.17645/pag.12481
Weitere Informationen zur Forschungsgruppe: https://www.uni-potsdam.de/de/vergleichende-politikwissenschaft/team/dr-jan-philipp-thomeczek/dfg-projekt-etappp
Kontakt:
Teresa Haußmann, Professur für vergleichende Politikwissenschaft
E-Mail: teresa.haussmannuuni-potsdampde
Medieninformation 10-07-2026 / Nr. 061