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Auf dem Weg zu sauberem Wasser – Potsdamer Chemiker kooperieren in EDUC-WIDE-Projekt mit Partnern in Spanien und der Ukraine

  • Prof. Dr. Andreas Taubert und Prof. Dr. Nora Kulak
    Photo: Matthias Zimmermann
    Prof. Dr. Andreas Taubert und Prof. Dr. Nora Kulak kooperieren mit Forschenden in Spanien und der Ukraine in einem Seed-Projekt von EDUC-WIDE.

Verunreinigtes Wasser hat es Prof. Andreas Taubert angetan. Schon seit einigen Jahren forscht der Potsdamer Chemiker zu verschiedensten Wegen, Wasser aufzubereiten und Schadstoffe herauszufiltern. Das Anliegen führt ihn immer wieder mit Forschenden aus aller Welt zusammen. So auch im Projekt „CleanPhotoCat“, an dem er mit seiner Kollegin Prof. Nora Kulak arbeitet – und in dem dank der Seed-Projekt Forschungsförderung von EDUC-WIDE eine Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Spanien und der Ukraine entstanden ist.

„CleanPhotoCat“ – worum geht es dabei?

Andreas Taubert: Seit etwa 15 Jahren arbeiten wir an dem Thema „Low-Cost-Low-Tech-Wasseraufbereitung“, was aus einer Kooperation mit einem Kollegen aus Nigeria stammt, der leider verstorben ist. Unser aktuelles Interesse gilt der Zersetzung organischer Schadstoffe durch geeignete katalytische Prozesse mit Licht. Ziel ist es, Schadstoffe optimal zu zersetzen und idealerweise in unschädliche Produkte wie CO2 und Wasser umzuwandeln. Im Seed-Projekt von EDUC-WIDE mit diesem schönen Titel kombinieren wir quasi unsere Expertise – Partikel- und Festkörperchemie mit molekularen Katalysatoren.

Nora Kulak: Beides sind große Forschungsfelder, aber mit dem aktuellen EDUC-WIDE-Funding können wir wertvolle Grundlagenarbeiten leisten und die technische Umsetzbarkeit dieser Ansätze näher beleuchten. Wir möchten verstehen, wie Schadstoffersetzung im Wasser mechanistisch funktioniert.

 

Wie sind Sie auf die Förderung von EDUC-WIDE aufmerksam geworden? 

Nora Kulak: Durch eine Anfrage von Ulrike Schmidt von EDUC-WIDE, die fragte, ob jemand Interesse an einer Kooperation mit einem ukrainischen Partner habe, der nach Zusammenarbeit suchte. Das Thema war äußerst interessant, und ich wollte die Möglichkeit einer fachlichen Überlappung nutzen. Ich finde solche Initiativen von Personen, die nahe am Thema dran sind und das passende Netzwerk kennen, unheimlich wichtig und produktiv.

Andreas Taubert: Tatsächlich erreichen uns zahlreiche Anfragen für Kooperationen. Die Schwierigkeit besteht darin, die zu finden, die uns voranbringen.

 

Die Initiative soll Forschenden von EDUC-WIDE-Universitäten den „Einstieg in eine Zusammenarbeit“ ermöglichen. Ist das etwas Neues, vielleicht wie ein Blind Date?

Andreas Taubert: In diesem Fall könnte man das tatsächlich als Blind Date bezeichnen. Normalerweise ist der Weg andersherum: Man arbeitet länger zu einem bestimmten Thema, besucht Konferenzen und lernt die Leute mit ähnlichen Schwerpunkten nach und nach kennen, ehe man irgendwann ein Projekt zusammen startet. Hier war es anders: Wir erhielten die Anfrage und kannten die Gruppen zunächst gar nicht richtig. 

Nora Kulak: Man wird so auf Personen aufmerksam, die man sonst nicht im Blick gehabt hätte – eine sehr gute Möglichkeit, um interessante Kooperationen aufzubauen und lebendig zu gestalten.

 

Ein Ziel des Projekts ist es, Kooperationen zunächst relativ unkompliziert anzubahnen. Klappt das?

Nora Kulak: Für uns war es ziemlich unkompliziert, da unser spanischer Kooperationspartner federführend ist und sich sehr engagiert hat. Diese Zeit hätten wir selbst nicht aufbringen können.

Andreas Taubert: Das Projekt hat schon jetzt viele zielführende Diskussionen und auch einige Nebenschienen angestoßen. Ich habe eine passende Ausschreibung entdeckt und wir arbeiten bereits an einer Projektskizze mit ukrainischen und spanischen Partnern sowie Kollegen eines Fraunhofer-Instituts. 

Nora Kulak: Damit so ein Projekt funktioniert, muss man sich über die verschiedenen Zugänge zum Thema austauschen. In anderen Fällen würde man sich erst lange abstimmen, aber hier hatten wir einen sehr konkreten Fall, was für uns eine große Zeitersparnis bedeutete.

Andreas Taubert: Wissenschaft ist oft stochastischer, als man denkt. Projekte können aufgrund von persönlicher Chemie scheitern oder durch sie florieren. Hier haben zufällige Entdeckungen und bestehende Verbindungen den Prozess beschleunigt.

 

Frage: Die Seed Funds sollen nur der Anfang sein. Was sind Ihre weiteren Pläne?

Andreas Taubert: Ein Workshop ist für den September geplant und eventuell können wir auch ein EU-Projekt daraus entwickeln. Ich hoffe, die ersten Ergebnisse als Grundlage für einen weiteren Förderantrag nutzen zu können. Grundsätzlich wollen wir erst einmal ein besseres Verständnis von Struktureigenschaften der nötigen Materialien erhalten, aber langfristig wollen wir einen Prototyp entwickeln.

 

EDUC-WIDE

EDUC-WIDE ist das Forschungsprogramm der Europäischen Universitätsallianz EDUC, das im EU-Rahmenprogramm Horizon-Widera gefördert wird. Ziel von EDUC-WIDE ist es, die Möglichkeiten für Forschende an den beteiligten Universitäten durch Struktur- und Förderangebote zu erweitern, sodass sie enger zusammenarbeiten, innovative Forschungsideen entwickeln und neue Kooperationen aufbauen können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einbindung der ukrainischen Nationalen Wassyl-Stefanyk-Universität der Vorkarpaten, die durch EDUC-WIDE aktiv an Forschungsprojekten teilnimmt und somit stärker in die Allianz integriert wird.

Die Seed Projects innerhalb von EDUC-WIDE fungieren als gezielte Fördermaßnahme für neue Forschungskooperationen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der EDUC-Partneruniversitäten. Mit einer finanziellen Unterstützung von bis zu 60.000 Euro bieten sie die Möglichkeit, gemeinsame Forschungsprojekte zu initiieren, die thematische Überschneidungen und Synergien ihrer jeweiligen Kompetenzfelder nutzen. Über 12 bis 18 Monate hinweg arbeiten die wissenschaftlichen Teams eng zusammen, entwickeln gemeinsame Fragestellungen und sammeln erste Daten, die für weitergehende Forschungsanträge von Bedeutung sind.

EDUC-WIDE ist auch eine Plattform für den wissenschaftlichen Nachwuchs, um internationale Netzwerke aufzubauen und erste Erfahrungen im Einwerben von Forschungsgeldern sowie im Schreiben von Forschungsanträgen zu sammeln. 

Langfristig verfolgt EDUC-WIDE zwei wesentliche Ziele: Zum einen den Aufbau von vertrauensvollen und nachhaltigen Forschungsbeziehungen innerhalb der Allianz, und zum anderen die Förderung innovativer Forschungsideen, die sich später auch auf europäischer Ebene weiterentwickeln können.
https://www.uni-potsdam.de/de/educ/kennenlernen/drittmittelprojekte-foerderer/educ-wide

 

Das Projekt

„Towards Clean water: PhotoCatalysts for water purification (CleanPhotoCat)“
Laufzeit: 01.09.2025 – 31.12.2026
Projektleiter: Sixto Gimenez, Professor, Jaume I Universität, Spanien
Projektkoordinatoren an der Universität Potsdam und den Partneruniversitäten:
Professor Andreas Taubert, & Professorin Nora Kulak, Institut für Chemie, Universität Potsdam
Alexander Shiychuk, Professor, Nationale Wassyl-Stefanyk-Universität der Vorkarpaten, Ukraine