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Zehn Fragen für ein Buch – „Von Scultetus bis Wikipedia “

Zehn Fragen für ein Buch, gestellt an Měto Nowak, Autor des Buches „Von Scultetus bis Wikipedia: Die Konstruktion des deutsch-sorbischen/wendischen Gebietes in kartografischen Darstellungen vom 16. bis zum 21. Jahrhundert“, Universitätsverlag 2025.

Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?
In dem Buch steht, dass das Sorbische seit dem 16. Jahrhundert kartografisch dargestellt wird – sowohl in thematischen Karten als auch mittels zweisprachiger Kartenelemente. Gleichzeitig zeige ich an verschiedenen Beispielen aber auch, wie diese Darstellungen mit der jeweiligen Minderheiten-, Sprachen- und/oder Deutschtumspolitik zusammenhängen und somit Karten nicht das objektive Medium zur Darstellung von Sprach- oder Siedlungsgebieten sind, als das sie von vielen im Alltag immer noch wahrgenommen werden, und somit eine größere Sorgfalt und Transparenz bei der Kartenerstellung und -verwendung wünschenswert wären ...

Hat Ihr Buch eine Geschichte?
Es entstand aus einem Promotionsvorhaben, weil das Kartografie-Thema für die Fragestellung relevant war und sich herausstellte, dass weder Geografie noch Kartografie oder Sorabistik dazu etwas geforscht oder publiziert hatten. Ich musste mir meine Quelle sozusagen selber schaffen, und es war dann zu viel für ein Unterkapitel der Dissertation. Außerdem zeigte sich, dass in der Praxis bis heute mit Karten argumentiert wird, z.B. vor Gericht in Auseinandersetzungen mit Kommunen, ob sie zum sorbischen Siedlungsgebiet zählen oder nicht, ohne dass wirklich allen Beteiligten klar ist, was auf den Karten zu sehen ist und was nicht oder auf welcher Datengrundlage und mit welchen Intentionen Karten wie gestaltet wurden und werden. Das einmal aufzuarbeiten und anderen zugänglich zu machen, fand ich ein interessantes und praxisrelevantes Vorhaben. Auch Karten dem Nahezu-vergessen-werden zu entreißen und sie wieder mit der Öffentlichkeit zu teilen, fand ich reizvoll.

Warum ist Ihr Buch wie kein anderes?
Weil es zu dem Thema, soweit ich weiß, bisher keine Monografie gab. Und weil jedes Buch, das keine Nachauflage oder Neudruck ist, etwas Besonderes ist.

Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam – und damit open access. Warum?
Weil ich selbst an der Universität Potsdam studiert und gelehrt habe und es die „Potsdamer Beiträge zur Sorabistik“ nur im Universitätsverlag Potsdam gibt. Open Access ist ein positiver Nebeneffekt und gehört sich eigentlich auch für aus öffentlichen Mitteln geförderte Publikationen. Dieses Buch wurde zum Beispiel von der Stiftung für das sorbische Volk aus Steuermitteln finanziert. Da sollten alle einen niedrigschwelligen Zugang dazu haben.

Wer sollte Ihr Buch lesen – und wann?
Alle Interessierten vor, während und nach den Mahlzeiten. An Kartografie und Geschichte Interessierte. Lausitzaffine. Minderheitenforscherinnen und -forscher. Ansonsten insbesondere aber auch alle, die Karten benutzen und sie bisher als objektives, allumfassendes und neutrales Medium ansehen. Kartenautorinnen und -autoren, bevor sie Karten über die Lausitz oder andere Minderheitengebiete erstellen. Heimatforscherinnen und -forscher, bevor sie die nächste Lausitzer Dorfchronik verfassen. Alle, die gerne Karten zur Illustration benutzen, ohne sich bisher allzu viele Gedanken über deren Entstehung und Inhalt gemacht zu haben. Natürlich auch Geografinnen, Geografen, Sorabistinnen und Sorabisten, die in dem Buch Ausgangspunkte für weitere Forschungen finden und meine ersten Erkenntnisse ausbauen, ergänzen oder korrigieren können. Nicht zuletzt all jene, die schon immer mal wieder auf dem Dachboden oder im Keller nachsehen wollten, ob da nicht noch diese eine alte Landkarte lag, die man sich mal wieder ansehen könnte. Und war nicht auch noch irgendwo Omas alter Schulatlas, mit dem man früher gedanklich um die Welt reiste – da könnte man doch nochmal nachsehen, ob man mit ihm auch in die sorbische Lausitz kommt und wie diese aussieht?

Was lesen Sie selbst?
Vor dem Einschlafen gern Cartoons und Comics.

Was hat Spaß gemacht beim „Buchmachen“ – und was eher nicht?
Am schönsten war die Erarbeitung des Textes selber: die Recherche, das Finden von mir vorher unbekannten Karten und Atlanten, das Entdecken von kleinen, aber feinen Unterschieden, Zusammenhängen und Hintergründen der Entstehung von einzelnen Karten. Was eher keinen Spaß gemacht hat, war der stellenweise verlorene Kampf gegen Layoutvorlieben dritter. Ich würde gerne mal etwas veröffentlichen, was von der Zitierweise über die Gliederung bis zur Abbildungsgestaltung so ist, wie ich es als Autor gerne machen würde und für sinnvoll halte. Das ist mir bisher aber nur selten gelungen.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie gut ist Ihr Buch?
Das müssen Leserinnen und Leser entscheiden, und das dürfte auch für jede und jeden anders sein, je nach Erwartung an Thema und Buch.

Wenn Sie könnten: Würden Sie sich für das Buch einen Preis verleihen – und wenn ja, welchen?
Den Měto-Nowak-Preis für Bescheidenheit? Es gibt gute Gründe dafür, dass in Preisverleihungsjurys keine Preis-Empfängerinnen und -Empfänger sitzen. Ob das Buch preiswürdige Dinge beinhaltet, müssen andere bewerten.

Und nun noch 3 Sätze zu Ihnen …
Ich habe in Potsdam Geografie und politische Bildung sowie in Leipzig Niedersorbisch studiert und engagiere mich seit über 20 Jahren im sorbischen Bereich – vom Bildungswesen über Politik bis zur Sprachrevitalisierung. Normalerweise pendle ich zwischen Lausitz, Potsdam und Berlin und bin auch gerne in europäischen Minderheitenregionen unterwegs. Und irgendwie ist immer zu wenig Zeit, um all die spannenden Themen, die mir da draußen begegnen, zu bearbeiten.

 

„Zehn Fragen für ein Buch“ öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. „Von Scultetus bis Wikipedia: Die Konstruktion des deutsch-sorbischen/wendischen Gebietes in kartografischen Darstellungen vom 16. bis zum 21. Jahrhundert“ ist online hier (https://doi.org/10.25932/publishup-64078) verfügbar und kann hier als Buch bestellt werden (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/shop/von-scultetus-bis-wikipedia). Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/neuerscheinungen/).