Lernfabrik eröffnet – „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“ bezieht eigenes Gebäude bei der Digitalvilla in Babelsberg

Das „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“ | Foto: Tobias Hopfgarten
Prof. Dr. Norbert Gronau um „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“ | Foto: Tobias Hopfgarten
Prof. Dr. Norbert Gronau | Foto: Tobias Hopfgarten
Prof. Dr. Norbert Gronau und sein Team vor dem „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“ | Foto: Tobias Hopfgarten
Photo : Tobias Hopfgarten
Das „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“
Photo : Tobias Hopfgarten
Prof. Dr. Norbert Gronau um „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“
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Prof. Dr. Norbert Gronau
Photo : Tobias Hopfgarten
Prof. Dr. Norbert Gronau und sein Team vor dem „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“
Die Fabrik von morgen hat ein neues Zuhause. Das „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“ (ZIP), eine cyberphysikalische Anlage, mit der sich Modellfabriken unterschiedlichster Art simulieren und testen lassen, wurde an ihrem neuen Standort in Betrieb genommen. Für das ZIP wurde auf dem Gelände der zur Uni Potsdam gehörenden sogenannten Digitalvilla unweit des Campus Griebnitzsee ein eigenes Haus errichtet. Das Besondere: Die Universität hat in Eigenregie gebaut – in Rekordzeit sowie gemeinsam mit regionalen Firmen und besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit.

„Ende 2018 entstand die Idee, keine zweieinhalb Jahre später sind wir eingezogen. Rekordverdächtig!“, sagt der Wirtschaftsinformatiker und Leiter des Zentrums Prof. Dr. Norbert Gronau. Mit dem „Demonstrationsgebäude“ hat die Bauverwaltung der Universität anders als sonst üblich den Bau selbst in die Hand genommen. Ende 2019 begannen nach intensiver Abstimmung mit dem Team des ZIP die Planungen. Im April 2020, nach nur vier Monaten, lag die Baugenehmigung der Stadt vor und schon im Juni begannen die Bauarbeiten. „Mit Blick auf die Umwelt wurde bei der Planung viel Wert auf eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle und ein damit erzielter geringerer Energieverbrauch sowie die Nutzung regenerativer Energien für die Wärmeversorgung gelegt“, erläutert der Leiter der Bauverwaltung Sebastian Niendorf. Trotz der durch die Corona-Pandemie erschwerten Bedingungen wurde das Gebäude fristgerecht fertig und konnte mit rund 635.000 Euro sogar den Kostenrahmen halten. Im April 2021 erhielten Norbert Gronau und sein Team die Schlüssel. „Eine phänomenale Zusammenarbeit – von der ersten Idee bis Fertigstellung“, sagt der Wirtschaftsinformatiker, der das Zentrum gegründet und seitdem ständig weiterentwickelt hat.

Die Anlage entstand ab 2010, ursprünglich aus einem Forschungsprojekt, mit dem Ziel, als virtuelle Fabrikanlage beliebig viele Produktionsabläufe virtuell erproben zu können. Das tut sie bis heute, aber inzwischen noch viel mehr. Mittlerweile dient sie als universelle interaktive Lernfabrik ebenso wie als Industrie 4.0-Labor. Die neuen Räumlichkeiten bieten nicht mehr nur Platz für die Anlage selbst. Das Gebäude verfügt zudem über eine Werkstatt, einen Kontrollraum sowie abtrennbare Schulungsflächen. „In unseren eigens konzipierten neuen Räumlichkeiten können wir das Potenzial des ZIP viel besser entfalten“, sagt Gronau. „Wir wollen den Charakter der Lernfabrik weiter stärken und die Mensch-Maschine-Interaktion noch sehr viel mehr ausbauen. Immerhin haben wir allein durch unsere Kooperation mit der IG Metall pro Jahr rund 300 Betriebsräte zu Gast, die hier die Industrie 4.0 und die vernetzte Fabrik kennenlernen.“

Für das Team um Norbert Gronau hat die Arbeit mit dem Einzug eigentlich erst richtig begonnen. „Wir haben nun endlich den Platz, den wir brauchen, um die Lernfabrik weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Sander Lass, der Technische Leiter des ZIP 4.0. „Wir planen, einen Montageplatz zu integrieren, um noch mehr Szenarien durchspielen zu können.“ Dazu gehört etwa ein Durchlauflager, an dem ein Fahrrads montiert wird. „Dort ‚sagt‘ das Fahrrad, das aufgebaut wird, selbst, welche Teile zur Montage benötigt werden“, erklärt Norbert Gronau. „Hier greifen Digitalisierung und Handarbeit perfekt ineinander.“
Außerdem sind weitere autonome Stationen geplant, darunter zwei neue Roboter sowie der vermehrte Einsatz von VR- und AR-Technologie, etwa in Form von VR-Brillen. Auch Künstliche Intelligenz soll in das „Zentrum Industrie 4.0 Potsdam“ vermehrt integriert werden. „Wir haben tausend Ideen, was wir machen wollen“, sagt Norbert Gronau. „Und hier endlich den Raum, es auch umzusetzen!“

https://lswi.de/industrie-40-labor