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Lehrangebot – Romanistik

Sommersemester 2019

Natur – Mensch – Kultur. Geschichte und Gegenwart eines ambivalenten Verhältnisses

Dozentin: Prof. Dr. Eva Kimminich
Zeit: Di 10-12 Uhr
Raum: 1.19.0.13

Als Kulturschaffender bewegt sich der Mensch seit Jahrhunderten auf einer Gratwanderung. War er zunächst einer ihn bedrohenden Natur ausgesetzt, so wurde er durch Erfindergeist zunehmend selbst zu einer Bedrohung der Natur. Grundlage dieser Entwicklung ist neben den technischen und technologischen Möglichkeiten, die er entwickelt hat, um sein Leben zu erleichtern und seine eigene Vergänglichkeit zu bezwingen, vor allen das Verständnis von Natur bzw. von Kultur sowie das zwischen diesen beiden Polen immer wieder neu formulierte Selbstverständnis. Wie dieses Selbstverständnis heute definiert wird, wird entscheidenden Einfluss auf die Zukunft von Natur, Mensch und Kultur nehmen. Wir werden uns daher einerseits mit Kultur-, Kunst-, Technik- und Wissenschaftsgeschichte befassen, sie als Zeichensysteme im Hinblick auf Natur-, Kultur- und Selbstverständnis lesen, um diese Entwicklung vor dem Hintergrund der jeweiligen Machtaggregate nachzuvollziehen und ihre entscheidenden Wendepunkte herauszuarbeiten. Andererseits sollen Gegen-bewegungen ins Blickfeld gerückt werden, die zeigen, dass es alternative Konzepte und insbesondere alternative Formen kulturellen Lebens gab und gibt, die Natur und Kultur nicht in ein unvereinbares Spannungsverhältnis setzen. Damit ist nicht nur ein anderes Selbstverständnis verbunden, sondern auch eine andere Einstellung zur Lebensführung.

Leistungspunkteerwerb: Testat, Referat und Hausarbeit, Vodcast oder Legevideo

 

Exkursion: Modernisierung  – Landflucht  – Tourismus

(noch wenige Plätze frei)
Dozentin: Prof. Dr. Eva Kimminich
Zeit: 19.-26. Juni 2019, (Besprechungstermine siehe Puls)

Bei diesem Blockseminar handelt es sich um eine 7-tägige Exkursion mit Vor- bzw. Nachbesprechungsterminen. Thema ist der Lebensalltag einer Hirtensiedlung im Piemont. In den 16 zwischen 1200 und 1800 m hoch gelegenen Streusiedlungen Rimellas hat sich teilweise ein Lebensalltag erhalten, der vormoderne Lebensweisen dokumentiert. Durch EU-Förderungen werden zunehmend Gelder dazu eingesetzt, Straßen zu bauen und einzelne Häuser zu renovieren. Diese Maßnahmen unterstützen nur geringfügig die tatsächlichen Bedürfnisse der Bewohner und zerstören teilweise eine Landschaft, die bisher einen sanften Wandertourismus angezogen hat, von dem die Dorfbewohner leben.

Ziel der Exkursion ist es, zum einen die vormodernen Lebensweisen und ihren Zusammenhang mit Lebensraum und Lebensqualität kennenzulernen (Lebensgeschichten). Zum anderen sollen die teilweise bereits umgesetzten bzw. geplanten Modernisierungsmaßnahmen im Hinblick auf ihren tatsächlichen Gewinn für Lebensqualität diskutiert werden.

 Leistungspunkteerwerb: Referat, Zeitzeugendokumentation oder Reflexionsbericht (als Modularbeit)

 

Einführung in die Kulturwissenschaft: Kultur – Gesellschaft – Wirklichkeit   

Dozentin: Prof. Dr. Eva Kimminich
Zeit: Di 14-16 Uhr
Raum: 1.09.1.12

Kultur wurde über Jahrtausende hinweg entwickelt. Dabei ist eine zunehmende Entfernung von ihrem ursprünglichen Verständnis als ein Kultivieren von Natur zu beob-achten. Die Auswirkungen auf Individuum, Gesellschaft und Umwelt wurden dabei bereits in vergangenen Jahrhunderten kritisch diskutiert.

Die Studierenden erhalten Einblick in die Entwicklungsgeschichte von Kultur und die daraus hervorgegangenen Techniken und Medien, Mythen und Bildwelten, Riten und Handlungs-orientierungen, die diese Entwicklung ermöglichen und ihre innere Programmatik sichtbar machen. Dazu werden Grundlagentexte der Kulturwissenschaft gelesen und eine Auswahl an Kulturmodellen und Modellanalysen vorgestellt.

Die Veranstaltung gilt für Romanisten als Einführung in die Kulturwissenschaft, richtet sich aber auch an alle an Kulturwissenschaft Interessierten, die mit dieser Vorlesung Schlüssel-kompetenzen erwerben wollen.

Leistungspunkteerwerb: Testat und Klausur (90Min)

 

Kolloquium für Master und Doktoranden

Dozentin: Prof. Dr. Eva Kimminich
Zeit: Mo 18-20 Uhr
Raum: 1.19.4.15

Das Forschungskolloquium bietet ein Diskussionsforum für Dissertationsvorhaben und Masterarbeiten, um die Entwicklung von Forschungsthesen und das methodische Vorgehen zu optimieren. BITTE NUR BELEGEN, wenn Sie an einer Abschlussarbeit arbeiten oder eine solche beginnen.

Leistungspunkteerwerb: Mündliche Präsentation über Problemstellung, Methode u. Gliederung der Masterarbeit mit Diskussion (unbenotet)

 

Heimat als Utopie. Nostalgie und Sehnsucht im „accented cinema“

Dozentin: Anne Pirwitz
Zeit: Mo 12-14 Uhr
Raum: 1.19.1.21

In seinem Essay „Heimat als Utopie“ bezeichnet Bernhard Schlink Heimat als einen Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist. In Zeiten der Mobilität und Flexibilität bekommt der Heimatbegriff eine neue Bedeutung. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit. Erst die Erinnerungen machen den Ort zur Heimat, der letztendlich die Sehnsüchte nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen verkörpert und der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart kontrastiv gegenübersteht. Wie viel hat die vorgestellte Heimat überhaupt noch mit der wirklichen Heimat gemeinsam? Welche Rolle spielt Heimat überhaupt in unserer flexiblen und mobil gewordenen Welt? Und wird Heimat im Zeitalter der Globalisierung zu einem Mythos und letztlich zu einer Utopie?

„The dream of a glorious homecoming“ (Naficy, 2001) wird zu einem dominanten Thema des “accented cinema”, unter dem nach Hamid Naficy Filme zu verstehen sind, die unter der Erfahrung von jeglichen Formen der Migration entstanden sind oder diese thematisieren. Im Seminar wollen wir nun anhand dieser Filme untersuchen, was Heimat bedeutet, wie sie im Film dargestellt wird und welche Verbindungen zum Genre des Heimatfilms bestehen. Eine theoretische Grundlage bildet dazu u.a. der von Michail Bachtin eingeführte Begriff des Chronotopos, der einen „untrennbaren Zusammenhang von Zeit und Raum“ (Bachtin, 1975) bezeichnet und von Naficy um den Chronotopos der Heimat im „accented cinema“ ergänzt wurde.

Leistungspunkterwerb: Gruppenreferat