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Pflanzengemeinschaften im globalen Wandel – Mariana Chiuffo forscht als Gastwissenschaftlerin am Institut für Biochemie und Biologie

  • Dr. Mariana Chiuffo
    Foto: Thomas Roese
    Dr. Mariana Chiuffo ist bis Ende 2026 Gastwissenschaftlerin und Humboldt-Stipendiatin in der Arbeitsgruppe Ökologie/Makroökologie am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam.

Dr. Mariana Chiuffo ist Ökologin – sie forscht am Institute for Research on Biodiversity and the Environment (INIBIOMA, Universidad Nacional del Comahue, CONICET) und lehrt an der Universidad Nacionaldel Comahue in Argentinien. Im letzten Jahr ist sie mit einem Humboldt-Forschungsstipendium in die Arbeitsgruppe Ökologie/Makroökologie von Prof. Damaris Zurell gekommen, die auf dem Gelände des Botanischen Gartens der Universität Potsdam zu Hause ist.

Wie haben Sie Ihre Ankunft in Deutschland erlebt? 

Ich bin zunächst in Berlin angekommen und habe für zwei Monate einen Deutschkurs absolviert, danach bin ich im Juli 2025 nach Potsdam gezogen. Es war eine wirklich schöne Jahreszeit, um in einer neuen Stadt anzukommen, sodass ich die Zeit im Freien genießen konnte. Da es mein erster Aufenthalt in Europa ist, waren viele Dinge neu und herausfordernd. Aber meine Kolleginnen und Kollegen waren sehr hilfsbereit und haben mir bei meiner Ankunft hier geholfen. Ich hatte großes Glück, schnell ein passendes Appartement zu finden. Das Welcome Center der Universität Potsdam informierte und beriet mich während der Wohnungssuche, was sehr hilfreich war.

An welchem Projekt arbeiten Sie während Ihres Aufenthalts an der Universität Potsdam? 

Ich möchte verstehen, wie sich Pflanzengemeinschaften– Gruppen von Pflanzen, die an einem Standort nebeneinander existieren und sich die Umgebung teilen – angesichts des globalen Wandels neu organisieren. Weltweit führen durch menschliche Aktivitäten verursachte globale Veränderungen wie der Klimawandel und intensive Landnutzung dazu, dass Pflanzengemeinschaften umgestaltet werden. Einige Artengehen zurück, andere wandern in neue Regionen oder verlieren ihre innere Struktur. Wer mit wem koexistiert, welche Interaktionen wichtig sind und wer herausgefiltert wird – meine Forschung versucht, die „Regeln“ hinter diesen Veränderungen zu verstehen. Ganz konkret interessiert mich: Welche Kombination aus Landnutzungsänderung und Klimabedingungen macht diese Gemeinschaften anfälliger? Wo ist das Klima wichtiger, um Gemeinschaften zu strukturieren? Wenn wir das verstehen, können wir den Verlust der biologischen Vielfalt besser vorhersagen und dabei helfen, Ökosysteme zu schützen, bevor kritische Schwellen überschritten werden. 

Welche Daten liegen Ihren Studienzugrunde?

Ich verwende einen globalen Datensatz aus dem BIODESERT-Netzwerk – ein vom European Research Council im Programm Horizon2020 gefördertes Forschungsprojekt, das von Dr. Fernando T. Maestre geleitet wurde. Das Netzwerkwurde konzipiert, um zu untersuchen, wie sich Klimaänderungen und Weidedruck auf die Struktur und Funktionsweise von Trockengebieten weltweit auswirken. Die beteiligten Teams sammelten in 25 Ländern auf sechs Kontinenten Daten zur Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften, zur Bioproduktivität und Artenvielfalt sowie zu wichtigen Bodeneigenschaftenbezogen auf Fruchtbarkeit und Kohlenstoffspeicherung. Da dieser Datensatz Pflanzengemeinschaften unter verschiedenen Klimabedingungen und mit unterschiedlich intensiver Landnutzung und Beweidung umfasst, kommt er meinen Forschungsfragen in einzigartiger Weise entgegen. 

Was möchten Sie mit Ihrer Forschung erreichen und was erwarten Sie? 

Bis zum Ende des Jahres möchte ich die Hauptanalyse der Daten abschließen und erste Schlussfolgerungen daraus ziehen. Basierend auf der ökologischen Theorie gehe ich davon aus, dass aufgrund der zunehmend härteren Bedingungen die Umweltfilterung immer wichtiger für die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften werden wird. Infolgedessen könnten einige Pflanzenarten zurückgehen oder vollständig verschwinden. Darüber hinaus kann Beweidung den Wettbewerb der Arten neu gestalten oder ihre Wechselwirkungen untereinander verändern. 

Warum haben Sie die Universität Potsdam für Ihren Forschungsaufenthalt gewählt und wie sind Sie in Kontakt mit Prof. Zurell gekommen?

Die Arbeitsgruppe Ökologie/Makroökologie hat einen starken quantitativen Hintergrund und ich war daran interessiert, neue Analysewerkzeuge zu erlernen und anzuwenden. Die Gruppevereint Fachwissen in ökologischer Theorie, Modellierung und großräumiger Datenanalyse, was für mich ideal ist. Im weiteren Sinne deckt sich ihre ökologische Fragestellung ebenfalls mit meinen Forschungsinteressen. Ich bin über eine Ausschreibung im Henriette Herz-Scouting-Programm in die Forschungsgruppe gekommen. Nach einer erfolgreichen Bewerbung nominierte mich Damaris Zurell für das Humboldt-Forschungsstipendium. 

Sie sind Wissenschaftlerin bei INIBIOMA (CONICET, National University of Comahue) in Argentinien – wie unterscheidet sich das argentinische Wissenschaftssystem vom deutschen? 

Es gibt durchaus deutliche Unterschiede. Die meisten Forschenden arbeiten bei CONICET, der wichtigsten staatlichen Behörde, die die Entwicklung von Wissenschaft und Technologie in Argentinien fördert. Traditionell ist die Promotion in Argentinieneng mit einer akademischen Laufbahn verbunden. Wer eine Doktorarbeit beginnt, möchte wirklich Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler im öffentlichen System werden. Doktoranden und Postdoc-Stellen werden durch kompetitive Stipendien finanziert. Der Aufstieg innerhalb des Systems hängt von formellen Bewertungen ab, die auf wissenschaftlicher Erfahrung, Veröffentlichungen, Fördermitteln und der Teilnahme an Forschungsprojekten basieren. In den letzten Jahren beeinträchtigen jedoch Finanzierungsengpässe das gesamte Forschungssystem, die Bedingungensind zunehmend unsicherer geworden. Während ein Doktortitel früher zu einer permanenten Anstellung führen konnte, gibt es heute mehr Forschende als verfügbare Stellen, was den beruflichen Aufstieg erschwert. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten für Postdocs, in die Industrie oder Selbstständigkeit zu wechseln, im Vergleich zu Ländern wie Deutschland eher begrenzt. 


Dr. Mariana Chiuffo ist bis Ende 2026 Gastwissenschaftlerin und Humboldt-Stipendiatin in der Arbeitsgruppe Ökologie/Makroökologie am Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam.

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2026 „Inklusion“.