Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?
Unser Bericht dokumentiert die Ergebnisse einer umfassenden Evaluation von Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sowie Schulen mit gemeinsamem Unterricht im Land Brandenburg. Auf Basis eines Mixed-Methods-Designs mit quantitativen Befragungen und qualitativen Interviews beschreiben wir systematisch die Heterogenität der Schüler:innen, die Organisation von Unterricht und Ganztag sowie die Zusammenarbeit und Professionalisierung des pädagogischen Personals. Außerdem identifizieren wir in unserem Bericht zentrale Herausforderungen und Möglichkeiten für die Weiterentwicklung schulischer Strukturen und geben Hinweise für mögliche Ansatzpunkte für eine Optimierung von Unterrichts- und Unterstützungsangeboten.
Hat Ihr Buch eine Geschichte?
Der Bericht ist als Ergebnis eines Forschungsprojekts des Zentrums für empirische Inklusionsforschung (ZEIF) der Universität Potsdam entstanden. Bei dem Projekt handelte es sich um Auftragsforschung für das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS) und wurde in Kooperation mit dem damaligen Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM, jetzt: LIBRA) durchgeführt – mit dem Ziel, datenbasierte Erkenntnisse über schulische Bedingungen und die pädagogische Praxis für den sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung zu gewinnen. Die Entstehung des Buches ist somit eng mit der bildungspolitischen Nachfrage nach belastbaren empirischen Befunden zur (inklusiven) Schulentwicklung und zur Weiterentwicklung förderpädagogischer Angebote verbunden.
Warum ist Ihr Buch wie kein anderes?
In unserem Bericht betrachten wir die schulische Situation von Schüler:innen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im Land Brandenburg aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen methodischen Zugängen. Dabei kommen die Personen zu Wort, die den schulischen Alltag tagtäglich gestalten. Besonders wichtig war uns, Einschätzungen der beteiligten Akteur:innen nicht nur auf quantitativer Ebene zu erfassen, sondern Schulleitungen und pädagogischem Personal auch auf qualitativer Ebene Raum zu geben, ihre Erfahrungen und Perspektiven darzustellen.
Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam – und damit open access. Warum?
Wir haben uns ganz bewusst für eine Open-Access-Veröffentlichung entschieden. So erreichen wir eine breite Leser:innenschaft. Die Ergebnisse unseres Berichts betreffen nämlich nicht nur die Wissenschaftsgemeinschaft, sondern sind ebenso relevant für Schulleitungen, Lehrkräfte und die Bildungspolitik. Natürlich erhoffen wir uns auch eine weite Verbreitung: Der Bericht soll zum Nachdenken anregen und Diskussionen eröffnen – gern auch gemeinsam!
Wer sollte Ihr Buch lesen?
Unser Bericht richtet sich an alle, die sich für die schulische und außerschulische Bildung von Schüler:innen mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung interessieren – unabhängig davon, ob sie im schulischen Alltag, in der Wissenschaft oder in der Bildungsadministration tätig sind. Es spricht somit all jene an, die schulische Entwicklungsprozesse sowie Lebens- und Lernbedingungen der Schüler:innen im Schwerpunkt Geistige Entwicklung auf Grundlage von empirischen Befunden weiterentwickeln und inklusionsorientierte Strukturen stärken wollen.
Was lesen Sie selbst?
Katrin Böhme liest am liebsten englischsprachige Science Fiction, Antje Ehlert genießt spannende Thriller, Oliver Wendt studiert gerade die „Laufbibel“, Nadine Poltz schmökert in Gesellschaftsromanen und Anna Seifart widmet sich gerne Belletristik (bevorzugt Caroline Wahl oder Benedict Wells).
Was hat Spaß gemacht beim „Buchmachen“?
Besonders der gemeinschaftliche Arbeitsprozess im Autor:innenteam hat uns viel Freude bereitet. Der rege Austausch über methodische Zugänge, inhaltliche Schwerpunkte oder die Interpretation der Ergebnisse haben den Entstehungsprozess sehr bereichert. Zudem haben die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe im Team dazu beigetragen, dass wir die verschiedenen Themenkomplexe des Berichts aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und kritisch reflektieren konnten.
Auf einer Skala von 1 bis 10: wie gut ist Ihr Buch?
Die Bewertung unseres Buches sollte letztlich durch andere erfolgen. Aus unserer eigenen Perspektive sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden: Die intensive Auseinandersetzung mit den behandelten Themen war für alle Beteiligten bereichernd, und die daraus entstandenen Anregungen verstehen wir als wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des schulischen Feldes. Wir wünschen uns, dass diese Einschätzung auch von der Leserschaft geteilt wird.
Wenn Sie könnten: Würden Sie sich für das Buch einen Preis verleihen – und wenn ja, welchen?
Die Frage nach einem Preis stellt sich für uns weniger im Sinne einer Auszeichnung als vielmehr im Hinblick auf die intendierte Wirkung des Buches. Entscheidend ist für uns, ob die dargestellten Ergebnisse und Impulse von der Bildungspolitik und der schulischen Praxis aufgegriffen werden können. Wenn das Buch als Beitrag zu einer praxisnahen Bildungsforschung wahrgenommen würde, die Entwicklungsprozesse an Schulen für Kinder mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung unterstützt und reflektiert begleitet, entspräche dies unserem fachlichen Anspruch.
Und nun noch 3 Sätze zu Ihnen …
Katrin Böhme ist Professorin für Inklusionspädagogik mit dem Schwerpunkt Sprache, Antje Ehlert ist Professorin für Inklusionspädagogik mit dem Förderschwerpunkt Lernen und Oliver Wendt ist Professor für Inklusionspädagogik mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Nadine Poltz forscht am Lehrstuhl von Antje Ehlert zur Bedeutung von Sprache für mathematische Entwicklung. Anna Seifart arbeitet am Lehrstuhl von Katrin Böhme an ihrer Dissertation über professionelle Kompetenzen von alternativ qualifizierten Lehrkräfte in heterogenen Lehr-Lernsettings (mit Fokus auf Quer- und Seiteneinsteiger:innen sowie studentischen Lehrkräften).
„Zehn Fragen für ein Buch“ öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. „Evaluation der Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im Land Brandenburg (2022–2024)“ ist online hier (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/shop/evaluation-der-foerderschulen-mit-dem-sonderpaedagogischen-foerderschwerpunkt-geistige-entwicklung-im-land-brandenburg-2022-2024-ebook/) bzw. hier (https://doi.org/10.25932/publishup-68366) verfügbar. Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier (https://shop.verlag.uni-potsdam.de/neuerscheinungen/).