Zum Hauptinhalt springen

HandLeVR – Berufsausbildung mit Simulator – Neues Lernprogramm für angehende Fahrzeuglackierer

Das Lernprogramm für angehende Fahrzeuglackierer | Foto: Dr. Raphael Zender
Foto : Dr. Raphael Zender
Das Lernprogramm für angehende Fahrzeuglackierer
Wer eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer macht, muss viel Zeit mit Farben, Lacken und der Lackierpistole verbringen, bis alle Handgriffe sitzen. Auszubildende in Schutzkleidung mit Atemmasken brauchen etliche Übungsstunden im Lackierraum, um das notwendige Feingefühl zu erlernen. „Die verwendeten Farben sind schädlich für Gesundheit und Umwelt, obendrein sind sie sehr teuer“, sagt Dr. Raphael Zender. Gemeinsam mit seinem Team an der Universität Potsdam und externen Partnern entwickelte der Informatiker ein Programm, das den Farbverbrauch in der Ausbildung erheblich senken könnte und damit Geldbeutel, Gesundheit und Umwelt gleichermaßen schonen würde.

Zenders Team setzt dabei ganz auf Virtual Reality  (VR). In ihrem Projekt  HandLeVR, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, entwickelten die Forscher ein Lernprogramm, in dem die Auszubildenden mithilfe einer VR-Brille in eine virtuelle Lackierwerkstatt versetzt werden. Jüngst wurde das Projekt mit dem DIVR Science Award 2020 ausgezeichnet.

Im Lernprogramm lassen sich alle Texte, Hilfetools und Abläufe vom Ausbildungsbetrieb frei konfigurieren, um eine individuelle Lernaufgabe zusammenzustellen. Um darüber hinaus ein möglichst realistisches Trainingsgefühl zu schaffen, entwickelten die Forscher auch eine Steuereinheit, die einer Lackierpistole nachempfunden ist und sich kostengünstig mit einem 3D-Drucker herstellen lässt. „Lackiere eine Autotür mit einer Einschichtlackierung in Rot“, weist der Meister, ein virtueller Avatar, an. Die angehenden Fahrzeuglackierer erhalten mit der VR-Brille in einer virtuellen Werkstatt konkrete Aufträge, die sie selbstständig abarbeiten müssen.

„Gerade für solche Übungen eignet sich die VR-Lackierwerkstatt hervorragend“, betont Raphael Zender. Am Ende der Trainingseinheit liefert eine digitale Auswertung zusätzliche Informationen zu Fehlerquellen, die auf den ersten Blick nur schwer zu sehen sind. Derzeit wird das System in einem regionalen Ausbildungsbetrieb, der Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH, getestet. Die Testphase wird wissenschaftlich begleitet. Anschließend befragen die Forscher die Ausbilder, um herauszufinden, ob das virtuelle Lernprogramm tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt. Bisher seien die Reaktionen durchweg positiv.

Künftig wird VR in der Berufsausbildung eine immer größere Bedeutung erhalten, ist Raphael Zender überzeugt. „Gerade im Handwerksbereich denkt man vielleicht gar nicht daran, dass VR unterstützen könnte“, sagt er. Doch ob Maler, Schweißer, Tischler oder Maurer – bei all diesen Berufen könnten VR-Techniken in der Ausbildung dabei helfen, verschiedene Handwerkstechniken ressourcensparend zu trainieren. Besonders vorteilhaft sind virtuelle Tools auch dort, wo der sichere Umgang mit Maschinen und Anlagen eingeübt werden muss. „Das ist vielleicht vergleichbar mit einem Flugsimulator in der Pilotenausbildung“, sagt Zender.

In Zukunft soll die VR-Lackierwerkstatt durch Ausbildungsbetriebe und Berufsbildungszentren frei zugänglich und kostenlos genutzt werden können. Gemeinsam mit der interessierten Online-Community wollen die Entwickler das Programm noch erweitern und optimieren.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Zwei 2020 „Digitalisierung“ (PDF).