Fit und gut gestimmt – Internationale Studie zu Sport und Bewegung in Zeiten der Krise

Menschen, die sich vor der Corona-Krise regelmäßig bewegt und Sport getrieben haben, sind derzeit aktiver als jene, die sich schon zuvor nicht oder nur unregelmäßig bewegt haben. Zudem sind schon länger Aktive auch zufriedener – und zwar nicht nur im Vergleich zu den Inaktiven, sondern sogar zu denen, die sich in Krisenzeiten zu mehr Sport und Bewegung „aufraffen“. Zu diesem Ergebnis kommt eine kurzfristig organisierte weltweite Studie, an der bislang mehr als 15.000 Probanden in 52 Ländern teilgenommen haben. „Sich zu bewegen, ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele“, sagt Prof. Dr. Ralf Brand von der Universität Potsdam, der die Studie initiiert hat. „Unsere Daten zeigen, dass mehr Sport und Bewegung während der Krise sich positiv auf die Stimmung der Befragten auswirkt. Menschen, die sich mehr bewegen, fühlen sich gerade auch in ungewöhnlichen Zeiten wie jetzt während Corona besser als die, die sich weniger bewegen“, so der Sportpsychologe. Angesichts der Ergebnisse empfehlen die Forschenden eine vorsichtige, aber baldige Lockerung der Bedingungen, die das gesundheitsdienliche Sporttreiben der Bevölkerung derzeit erschweren.

In kürzester Zeit war es Ralf Brand seit Mitte März gelungen, kooperierende Sportwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus aller Welt für die gemeinsame Studie zu gewinnen. Ziel der Untersuchung war es zu erfassen, wie sich das Sport- und Bewegungsverhalten der Menschen unter den Corona-bedingten Einschränkungen der persönlichen Lebensführung verändert – und welche Auswirkungen dies auf das subjektive Wohlbefinden hat. Während in manchen Ländern, wo das öffentliche Leben weiterhin stark eingeschränkt ist, die Studie noch fortgeführt wird, ist die erste Welle der Datenerhebung in Deutschland abgeschlossen. Insgesamt haben 2.037 Personen aus allen Bundesländern teilgenommen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 37 Jahren.

Die Auswertung der Befragung zeigt: Dreiviertel der Menschen in Deutschland, die schon vor der Krise sportlich aktiv waren, sind dies weiterhin – genauso oft oder sogar häufiger als zuvor. Von denjenigen, die bislang wenig bis gar nicht sportlich aktiv waren, hat sich immerhin gut die Hälfte gesteigert und bewegt sich inzwischen zwei bis dreimal pro Woche. Nur gut ein Viertel ist weiterhin inaktiv. Insgesamt gelingt es etwa der Hälfte der Menschen hierzulande, ihr Bewegungs- und Aktivitätsniveau aus der Zeit vor der Krise aufrechtzuerhalten. Circa 35 Prozent machen weniger und 15 Prozent steigern ihren Umfang an Sport und Bewegung. Vor allem aber zeigen die Daten der Studie, dass mehr Sport und Bewegung während der Krise positiv mit der Stimmung der Befragten zusammenhängt. Dies ist umso bedeutsamer, weil diejenigen, die vor Corona kaum aktiv waren, im Vergleich zu anderen aktuell schlechter gestimmt sind. Das heißt, sich jetzt mehr zu bewegen als vor der Krise, wirkt sich deutlich weniger positiv auf die aktuelle Gemütslage aus.

Inaktiver sind Menschen übrigens dort, wo die Einschränkungen gravierender sind. In Bundesländern mit strikteren Regelungen waren die Befragten tatsächlich weniger bewegungsaktiv als Menschen in Bundesländern, die weniger strenge Verhaltensregeln für ihre Bürgerinnen und Bürger definiert haben. Angesichts der Einschränkungen überrascht es kaum, dass von den bereits vor der Krise sportlich Aktiven rund die Hälfte ihre Sport- oder Bewegungsart wechselt. Home-Workout und Laufen ersetzen Fitnessstudio und Vereinstraining.
Der ersten Untersuchungswelle der Studie soll eine zweite folgen, in der dieselben Personen noch einmal befragt werden, sobald sich die Corona-Krise etwas abgeschwächt hat.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Brand, Professur für Sportpsychologie,
Telefon: 0331 977-1040, E-Mail: ralf.branduni-potsdamde

Medieninformation 30-04-2020 / Nr. 051