Laufende Projekte

Im Zweifel lesen – Philosophieren mit narrativen Texten

„Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders.“

Levithan, D. (2016): Letztendlich sind wir dem Universum egal, Frankfurt am Main: FJB, 7.

 

Fragestellungen des Themenbereichs der Identität sind fundamentaler Bestandteil des LER- Unterrichts. Doch so umfangreich diese Fragen sein können, so variationsreich kann auch ihre Bearbeitung gestaltet werden. Innerhalb des Schulprojekts „Wie kann ich ICH sein? – Mit Geschichten philosophieren“, das von LER-Studierenden entwickelt wurde, gehen Schüler:innen einer 9. Klasse derartigen  Fragen mithilfe einer Auswahl von narrativen Texten nach.

Dazu entwickelten Bachelorstudierende im Wintersemester 2021/22 im Rahmen des Seminars „So kann das Leben auch aussehen – Geschichten im LER Unterricht“ unter der Leitung von Prof. Dr. Linda Merkel ein Schulprojekt, welches im Rahmen des LER-Unterrichts an einer Partnerschule durchgeführt und evaluiert wurde. Dabei entstand eine Kooperation im Rahmen des Campusschulen-Netzwerks, welches gemeinsam mit Lehramtsstudierenden, Lehrkräften und Wissenschaftler:innen der Universität Potsdam an Themen der Schul- und Unterrichtsentwicklung arbeitet.

Innerhalb des kompetenzorientierten Schulprojekts konnten sich die Schüler:innen mithilfe von fiktiven erzählenden Texten mit der Frage „Wie kann ich ICH sein?“ vertieft auseinandersetzen. Dabei setzte das Projekt nicht nur einen Schwerpunkt auf den Einsatz von narrativen Texten zur ethisch-philosophischen Problemreflexion, sondern auch auf den Einsatz von Methoden des performativen Philosophierens. Für die Lehramtsstudierenden war die Entwicklung und Durchführung des Schulprojekts ein wichtiger Baustein für die individuelle Professionalisierung auf dem Weg hin zur LER-Lehrkraft.

Eine projektabschließende empirische Untersuchung dient dazu, das Schulprojekt in Hinblick auf die Potenziale und Grenzen der Arbeit mit narrativen Texten für die ethische Problemreflexion zu evaluieren. Die Untersuchungsergebnisse dienen der Weiterentwicklung des didaktischen Projektkonzepts mit dem Ziel, das Philosophieren mit narrativen Texten für weitere Klassenstufen und Schulformen zu etablieren.

„Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders.“

Levithan, D. (2016): Letztendlich sind wir dem Universum egal, Frankfurt am Main: FJB, 7.

 

Narrationen in urteilsbildenden Fächern

Symposium - Fiktionale und non-fiktionale Narrationen in urteilsbildenden Fächern

Eva Rudofsky/TOTALLY DARE e.U.

Inwiefern können sich philosophie-, politik- und geschichtsdidaktische Überlegungen zum Einsatz non-fiktionaler und fiktionaler Narrationen gegenseitig bereichern?

Was können die unterschiedlichen Fachdidaktiken im Hinblick auf die Arbeit mit Narrationen voneinander lernen und welche Anschlussstellen für trans- und interdisziplinäre Forschung zeigen sich?

Genau diesen Fragen widmete sich der fächerübergreifende Trialog zwischen Vertreter:innen der Philosophie-, Politik- und Geschichtsdidaktik am 29. August 2022 an der Universität Wien im Rahmen der ÖGFD- und GFD-Tagung „Fachdidaktik im Zentrum von Forschungstransfer und Transferforschung“.

Das Potenzial fiktionaler und non-fiktionaler Narrationen in diesen urteilsbildenden Fächern wurde zunächst in Form von Impulsvorträgen dargestellt. Der Impulsvortrag zum Potenzial fiktionaler Narrationen im Philosophie- und Ethikunterricht (Linda Merkel) argumentierte für deren Beitrag auf unterschiedlichen Ebenen ethisch-philosophischer Urteilsbildungsprozesse. Ein Blick in benachbarte Fachdidaktiken ist dabei besonders lohnenswert, da die angestellten Überlegungen des Politikdidaktikers Marc Partetzke zur Perspektiveneinnahme anhand non-fiktionaler autobiographischer Erzählungen für den Ethik- und Philosophieunterricht ebenfalls fruchtbar gemacht werden können. Das anschließende Ko-Referat aus geschichtsdidaktischer Perspektive (Juliane Brauer) fusionierte die Impulsvorträge aus den Fachdidaktiken und führte in den interdisziplinären Trialog ein. Die Ergebnisse des Symposiums wurden dabei von der Graphic Recorderin Eva Rudofsky (Totally Dare) in Echtzeit visuell dokumentiert und ergänzen somit die theoretischen Überlegungen um eine ästhetische Dimension des visuellen Erzählens. Sehen Sie selbst: Klicken Sie auf das Bild, um es in voller Größe zu sehen!

Eva Rudofsky/TOTALLY DARE e.U.