Ausstellungsprojekt in Riga: "Herrnhuter Handschriften als Teil des europäischen Kulturerbes"

Lettische Nationalbibliothek in Riga
Foto: Lettische Nationalbibliothek in Riga

Am 19. April 2022 wird in der Nationalbibliothek Lettlands die Ausstellung
“Herrnhuter Handschriften” eröffnet. Der Autor der Ausstellung ist Pauls Daija. Die
wissenschaftlichen Berater sind Beata Paškevica, Mārtiņš Mintaurs, die Projektleiterin ist Inga Surgunte, die Gestalterin ist Anete Krūmiņa. Die Ausstellung verfolgt mehrere Ziele. Erstmals möchte die Ausstellung die Diskussion über das Europäische Kulturerbe anregen und die in das nationale Register des UNESCO Dokumentenerbes aufgenommenen herrnhutischen Handschriften in deutscher und lettischer Sprache, die in der NBL vorhanden sind, präsentieren. Die Geschichte der Brüdergemeine in Livland hat einen Einfluss auf die Geschichte und Gesellschaft der baltischen Region bis zum heutigen Tag hinterlassen. Die in der Ausstellung gezeigten Handschriften sind ein wertvolles kulturhistorisches Dokument für die Formung des christlichen und öffentlichen Bewusstseins im 18. und 19. Jahrhundert und für die Entwicklung der Lese- und Schreibfertigkeit unter den lettischen Bauern. In der Ausstellung werden auch die neuerworbenen Schenkungen von 2019 gezeigt.

In der Ausstellung werden verschiedene Genres der herrnhutischen Handschriften vertreten sein: Statute, Diarien (sowohl die Lokalgeschichte, als auch die allgemeine Geschichte der Brüdergemeine betreffend), Predigten, Liedtexte, Missionsbeschreibungen, Erbauungsliteraturübersetzungen, die christliche Folklore und Briefkorrespondenz. Eine besondere Rolle werden die herrnhutischen Lebensläufe haben, denn die lettischen und anderssprachigen Biographien geben einen guten Einblick in das Alltagsleben im 18. und 19. Jahrhundert.


Die Ausstellung wird folgende thematische Schwerpunkte aufweisen: die besondere Rolle der Brüdergemeine in Livland und ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auch in Kurland, die wichtigsten historischen Ereignisse in der Geschichte der Brüdergemeine in Lettland, die für die Brüdergemeine charakteristischen theologischen und sozialen Vorstellungen und Werte, Förderung der Lese- und Schreibfähigkeit unter den lettischen Bauern, die Frage der Toleranz, die Förderung der Selbstorganisation im Rahmen der sozialen Strukturen der Brüdergemeine, die Brüdergemeine als globales Netzwerk und die herrnhutische Identitätsbildung. Das Zirkulieren von Übersetzungen der europäischen Erbauungsliteratur, der deutschen und englischen schöngeistigen Literatur in Abschriften und deren Einfluss auf die Herausbildung der modernen lettischen Literatur werden wichtige Themen der Ausstellung sein. Der Hauptakzent der Ausstellung wird auf der Handschrift als Medium liegen. Die Ausstellung wird einen Beitrag für das Nachdenken über das gesamte baltische und auch Weltkulturerbe leisten.

Lettische Nationalbibliothek in Riga
Foto: Lettische Nationalbibliothek in Riga