Ausstellungsprojekt in Bologna: "Das kulturelle Erbe Bolognas im Spiegel europäischer Reisender. Streifzüge zwischen Früher Neuzeit und Moderne"

Biblioteca Universitaria di Bologna
Foto: Biblioteca Universitaria di Bologna

Das Thema des "Kulturellen Erbes Bolognas im Spiegel europäischer Reisender" bildet einen roten Faden der federführend von Prof. Dr. Chiara Conterno organisierten Sommerschule in Bologna 2021. In den Vorträgen und vertiefenden Seminaren der Sommerschule erschließen sich die Studierenden der acht beteiligten Hochschulen die relevanten Quellen zum Thema des europäischen Reisens nach Bologna, vom Mittelalter über die Frühe Neuzeit bis in die Moderne. In den weiterführenden Workshops der Sommerschule wird diskutiert, welche Quellen für die Ausstellung in Bologna ausgewählt und wie diese präsentiert werden können. Neben den literarischen Quellen rücken dabei auch Bildquellen in den Fokus, insbesondere Malerei und Fotografie, die europäische Reiseerfahrungen in Bologna dokumentieren. Die Workshops werden von ausgewiesenen ExpertInnen geleitet, aus der Literatur- ebenso wie aus der Kunstgeschichte. Das Konzept für die Ausstellung wird dabei dezidiert im gleichberechtigten Gespräch zwischen Dozierenden und Studierenden entwickelt, die sich das europäische Kulturerbe in Bologna auf produktive Art und Weise aneignen.

Mit der Frage nach europäischen Reisen nach Bologna erzählt die Ausstellung zugleich auch die Vorgeschichte des Erasmus+ Programms. Wie organisierten Gelehrte und Studierende etwa in der Frühen Neuzeit ihre Reisen nach Bologna, lange bevor dies als Austauschprogramm formalisiert und institutionalisiert war? Welches Modell von Bildung lag der ,Grand Tour' zugrunde, der klassischen Gelehrten- oder Bildungsreise, die über Bologna und Florenz nach Rom, idealerweise auch nach Neapel führen sollte? Welche Aspekte des kulturellen Erbes von Bologna rückten dabei in den Blick der Reisenden? Welche Orte wurden aufgesucht, etwa Bibliotheken oder Gemäldesammlungen? Wie wurden diese wahrgenommen? Durch ein Set derartiger Fragen soll ein kleines "ABC des Reisens" nach Bologna entwickelt werden, durchaus nach dem Vorbild einer ähnlich gelagerten Ausstellung, die kürzlich in der Berliner Kunstbibliothek gezeigt wurde. Ein Fokus liegt dabei auf der Frage, wie sich das europäische Reisen nach Bologna und die Wahrnehmung des kulturellen Erbes im Lauf der Geschichte gewandelt hat, von der klassischen Grand Tour bis zum modernen
Kulturtourismus. Der Zugang der Ausstellung ist nicht streng historisch oder systematisch, sondern eklektisch in "Streifzügen zwischen Früher Neuzeit und Moderne" organisiert, um neue Querverbindungen zwischen Geschichte und Gegenwart aufzuzeigen.

Bei der Entwicklung des Ausstellungskonzepts werden die Studierenden von ExpertInnen aus dem Bibliothekswesen begleitet. So wird der dritte und letzte Teil des Workshops zur Ausstellung an der dortigen Biblioteca Universitaria abgehalten - die MitarbeiterInnen der Bibliothek unter der Leitung von Dr. Giaccomo Nerozzi unterstützen die Studierenden bei der Sichtung und Auswahl der relevanten historischen Quellen und bei der Entwicklung von angemessenen Präsentationsstrategien. Neben der historischen Perspektive setzt die Ausstellung dabei konsequent auf eine Strategie der Aktualisierung. So spielen auch die eigenen Reiseerfahrungen der europäischen Studierenden eine zentrale Rolle: Wie nehmen die Studierenden das kulturelle Erbe Bolognas heute wahr? Welche Unterschiede ergeben sich dabei zwischen Studierenden aus den verschiedenen Programmländern? In welchen Medien dokumentieren sie ihre Eindrücke (vom Tagebuch bis zum Smartphone)? Wie unterscheidet sich ihre moderne Wahrnehmung von derjenigen früherer Zeiten? Beide Ausstellungsteile, der historische in der Biblioteca Universitaria und der aktualisierende im Goethe- Zentrum werden durch eine entsprechende virtuelle Repräsentation miteinander verknüpft.

Innovativ ist das Ausstellungsprojekt vor allem in drei Hinsichten: Erstens, indem es primär Studierende sind, welche die Ausstellung erarbeiten und sich das europäische Kulturerbe auf diese Weise kreativ aneignen. Zweitens, indem sie historische und aktualisierende Perspektiven konsequent miteinander verknüpft, zwischen Früher Neuzeit und Moderne. Drittens durch den Gebrauch alter und neuer Medien, vom Gemälde über die klassische Fotografie bis zum Selfie. Die Wirkung der Ausstellung zielt zunächst auf ein lokales Publikum, ist jedoch auf andere Konstellationen übertragbar und durch ihren thematischen Bezug auf das Erasmus+ Programm darüber hinaus von übergreifender Relevanz.

Biblioteca Universitaria di Bologna
Foto: Biblioteca Universitaria di Bologna