Soziale Verarbeitung
Wie Vorhersagefehler soziale Wahrnehmungen formen: Von verhaltensbezogenen und psychophysiologischen Korrelaten bis hin zur Anfälligkeit für Psychopathologien
Projektkoordinator: Dr. Carlos Ventura-Bort
Dieses kollaborative Projekt, das von der EDUC-WIDE Alliance gefördert und an der Universität Potsdam koordiniert wird, untersucht, wie Erwartungen sowie deren Bestätigung oder Verletzung die soziale Wahrnehmung prägen. Frühere Forschung hat gezeigt, dass Personen, die sich in einer Weise verhalten, die mit den Erwartungen der Beobachtenden übereinstimmt, als vertrauenswürdiger und sympathischer wahrgenommen werden als Personen, die sich unerwartet verhalten.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen zielt das Projekt darauf ab, unser Verständnis der neurophysiologischen Mechanismen zu vertiefen, die der erwartungsbasierten sozialen Wahrnehmung zugrunde liegen, und deren Relevanz für die Vulnerabilität gegenüber psychopathologischen Symptomen zu untersuchen. Das Projekt ist in zwei komplementäre Forschungsstränge gegliedert und umfasst Forschende der Universität Potsdam (Dr. Carlos Ventura-Bort [PI], Prof. Dr. Mathias Weymar), der Universität Jaume I in Spanien (Prof. Dr. Rosario Poy Gil, Prof. Pilar Segarra Cabedo, Dr. Pablo Ribes-Guardiola) und der Universität Pécs in Ungarn (Prof. Dr. Anita Déak).
Der an der Universität Potsdam durchgeführte Forschungsstrang untersucht, ob neuronale und autonome Reaktionen in sozialen Kontexten als Ausdruck des dynamischen Zusammenspiels zwischen Erwartungen und deren Bestätigung oder Verletzung verstanden werden können. Der an der Universität Jaume I und der Universität Pécs angesiedelte Forschungsstrang untersucht, ob Schwierigkeiten bei der Integration von Erwartungen während der Bildung sozialer Wahrnehmungen mit individuellen Unterschieden in der Vulnerabilität gegenüber Psychopathologien zusammenhängen. Dabei werden unter anderem internalisierende und externalisierende Symptome und Verhaltensweisen betrachtet.
Gemeinsam zielen diese Forschungsarbeiten darauf ab, ein umfassenderes Verständnis dafür zu schaffen, wie Erwartungen die soziale Kognition prägen, welche biologischen Mechanismen diesen Prozessen zugrunde liegen und welche Bedeutung sich daraus für die psychische Gesundheit ergibt.
Soziales Gedächtnis – Psychologische und neurobiologische Korrelate
Projektkoordinatorin: Kerrin Riedel
In dem Promotionsprojekt wird untersucht, wie Menschen Gesichter sozial verarbeiten, ihre Vertrauenswürdigkeit einschätzen und diese Informationen im Gedächtnis speichern. Im Fokus steht, wie Enkodierungsdauer und -aufgabe, Stress, psychische Erkrankungen sowie Neurostimulation diese Prozesse beeinflussen. Insbesondere bei Störungsbildern wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Autismus-Spektrum-Störungen können Veränderungen in der sozialen Wahrnehmung und Verarbeitung eine wichtige Rolle spielen. Ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden psychologischen und neurobiologischen Mechanismen kann daher langfristig auch wichtige Impulse für die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung liefern. Das Projekt wird in den Laboren der MSH Medical School Hamburg in Kooperation mit der Universität Potsdam durchgeführt. Übergeordnetes Ziel ist es, besser zu verstehen, wie stabil soziale Wahrnehmungs- und Gedächtnisprozesse sind, unter welchen Bedingungen sie sich verändern und wie sie gezielt positiv beeinflusst werden können.