Dynamik defensiver Reaktionen
Dynamik defensiven Verhalten im Kontext von Stress und sich verändernden emotionalen und neutralen Reizen (DFG WE 4801/6-1)
Projektkoordinator: Dr. Christoph Szeska
Wir leben in einer Welt, die sich ständig verändert. Doch wie genau passen sich unsere Wahrnehmung und Körperreaktionen an, wenn sich die Reize in unserer Umwelt verändern? Diese und anderen Fragen sollen in einer neuen Studie des Lehrstuhls für Emotions- und Biopsychologie beantwortet werden.
In dieser zweitägigen Studie untersuchen wir die Wahrnehmung und körperlichen Reaktionen während der Verarbeitung von sich verändernden neutralen und emotionalen Reizen. Hierbei präsentieren wir im ersten Untersuchungsabschnitt unterschiedliche neutrale Gesichter, welche sich dynamisch in emotionale Gesichtsausdrücke verändern können oder auch nicht (neutrales Gesicht bleibt unverändert). Diese Gesichtsausdrücke können dabei von einer Bewertung oder Aussage begleitet werden, welche über einen Lautsprecher zu hören ist und unangenehm (z.B. "Du bist komisch!" oder „Du nervst!“) oder neutral (z.B. "Es ist 16 Uhr") sein kann. Die Bewertungen und Aussagen können dabei in einigen Versuchsdurchgängen aktiv über einen Tastendruck vermieden werden, während dies in anderen Versuchsdurchgängen nicht möglich sein wird. Zudem werden auch vereinzelt kurze Geräusche zum Hervorrufen einer Schreckreaktionen präsentiert. Der zweite Untersuchungsabschnitt findet eine Woche später statt. In diesem Untersuchungsabschnitt werden erneut unterschiedliche Gesichter präsentiert und zusätzlich einige Fragen zu den Gesichtern gestellt. Nach Beendigung der Untersuchung werden außerdem Stimmung und Angstempfinden mittels Fragebögen abgefragt.
Zur Erfassung körperlicher Reaktionen werden Sensoren mit kleinen Kleberingen an Händen, Knöchel und Gesicht angebracht um die Schweißdrüsen-, Herz- und Muskelaktivität zu messen. Darüber hinaus wird ein Elektroenzephalogramm (EEG)-Netz aufgesetzt mit dem wir Hirnströme messen können.
Beide Untersuchungsabschnitte dauern pro Tag ungefähr 2 Stunden und werden mit insgesamt 40€ oder 5.5 VP-Stunden vergütet. Falls Sie Interesse an der Untersuchungsteilnahme haben, dann melden Sie sich gerne über das SONA-System an (https://uni-potsdam.sona-systems.com/default.aspx?p_return_experiment_id=1101).
Teilnahmevoraussetzungen beinhalten Deutschkenntnisse auf C1-Niveau; Alter zwischen 18 und 36 Jahren; BMI zwischen 19 und 27 kg/m2. Nicht geeignet für die Untersuchung sind Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen; Menschen mit akuten oder chronischen körperlichen Erkrankungen sowie Menschen mit psychischen Störungen (akut oder in der Vergangenheit)
Dekonstruktion von Angstdynamiken: Ein multimethodaler Reverse-Engineering-Ansatz zur Identifikation von Mechanismen der kognitiven, verhaltensbezogenen und physiologischen Anpassung an Bedrohungen (gefördert durch den UFSKW)
Projektkoordinator: Dr. Christoph Szeska
Projektleitung: Prof. Dr. Mathias Weymar, Prof. Dr. Ralf Engbert & Prof. Dr. Jakob Fink-Lamotte
Unser Überleben hängt von der Fähigkeit ab, Abwehrreaktionen flexibel an sich verändernde Bedrohungen anzupassen. Eine Dysregulation dieses Prozesses wird unter anderem mit Angst- und Zwangsstörungen sowie mit posttraumatischen Belastungsstörungen in Verbindung gebracht. Dieses Projekt verfolgt das Ziel, ein computationales Modell zu entwickeln, das diese dynamischen Abwehrreaktionen vorhersagen kann. Dazu werden verschiedene Merkmale von Bedrohungen systematisch manipuliert.
Mithilfe eines multimethodalen Ansatzes, der Verhaltensaufgaben mit modernen physiologischen und bildgebenden Verfahren kombiniert – darunter EKG, EEG, EDA und funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) – untersuchen wir, wie das Gehirn die dynamische Anpassung an Bedrohungen organisiert. Darüber hinaus wird das Modell im Hinblick auf interindividuelle Unterschiede in der trait-ähnlichen Aktivierung von Abwehrreaktionen geprüft.
Das Projekt soll dazu beitragen, die kognitiven und neuronalen Grenzen zwischen gesunden und pathologischen Bedrohungsreaktionen besser zu verstehen.