Die Abteilung Segeln im

Universitätssportverein Potsdam e.V. ist 50 Jahre alt.

Die Steganlage der Abteilung Segeln im Universitätssportverein Potsdam e.V. im Jahr 2004
Es wird das Datum 25.11.1954 geschrieben, als sich sieben Sportfreunde und Segelinteressierte der Akademie-Institute Potsdams zusammenfinden und eine Interessengemeinschaft Segeln bilden. Rückenwind erhalten sie durch ihre Institute, die sich bereit erklären, die Sportgruppe finanziell zu unterstützen. Es handelt sich um die Geburtsstunde der Abteilung Segeln des Universitätssportvereins Potsdam e.V.. Die damalige Interessengemein-schaft hat unterdessen eine bewegte Geschichte hinter sich, was nicht allein durch die Namensänderung belegt wird. Als Gründungsmitglieder zeichnen sieben Sportfreunde: Die Ehepaare Rudolf und Hildtraut Schroeter und Dieter und Gitta Guse, und die Herren Gernot Henkel, Joachim Zietemann und Heinz Mittmann. In der Anfangszeit fungieren Herr Dr. Weise und Herr Rudolf Schroeter als Vorsitzende. Die Interessengemeinschaft verfügt zu Beginn über einen R-Kreuzer unter Achim Ziethemann, eine H-Jolle, die von Rolf Schwarze und Dieter Guse und eine I-Jolle, die von Rudolf und Hildtraut Schroeter gefahren werden. Nachdem der Anfang gemacht und gemeinschaftliches Segeln möglich ist, finden sich sehr schnell weitere Interessenten: Bis zum März 1955 steigt der Mitgliederzahl auf 20 Sportfreunde an.
Da die meisten Mitglieder aus den Potsdamer Akademie-Instituten kommen, wird die Interessengemeinschaft Segeln nicht einem VEB, sondern der Hochschul-Sport-Gemeinschaft (HSG) Wissenschaft der Pädagogischen Hochschule (PH) Potsdam als neue Sektion Segeln angeschlossen. In dieser Zeit benutzt die HSG den „Seekrug“ am Templiner See und das umliegende Gelände für ihre Sportarbeit. Das schöne Wassergrundstück hat nur zwei kleine Fehler, die allerdings für eine Sektion Segeln von entscheidender Auswirkung sind: Es gibt keinen Steg, an dem die Segel-boote im Sommer angebunden werden könnten, und es gibt kein Gelände mit einem Bootshaus, um die Segelboote im Winter wettergeschützt unterstellen zu können. Anfangs zahlt sich dieser Anschluss für die junge Segelgemein-schaft aus, denn im gleichen Jahr werden, finanziert durch die HSG Wissenschaft, für den Verein drei Piratenjollen angeschafft. Die Fürsprache durch die HSG ermöglicht sogar zwei Segelfreunden die Anschaffung privater Piraten-jollen, zu einem Komplettpreis von je 500,- DDR-Mark. So zählt am Ende des ersten Jahres seines Bestehens der Segelverein 25 Mitglieder und einen Bootsbestand von 11 Booten. Die Segelschiffe liegen aber nicht konzentriert an einem Steg, wie es sich für eine Segelgemeinschaft gehört, sondern sie sind auf drei Potsdamer Privatwerften verteilt. Erst nach monatelangen Verhandlungen der Sektionsleitung mit dem damaligen Rat der Stadt wird der Bau eines Steges möglich, gleichzeitig wird ein Streifen Land für das künftige Bootshaus zur Verfügung gestellt. Die Planung und Leitung des Baus der Anlage wird vom Segelsportfreund Walter Bernhardt übernommen. Der Steg hat 20 Liegeplätze, als Klubhaus wird gemeinsam mit der Sektion Rudern der HSG der "Seekrug" genutzt. Das sind ideale Bedingungen für ein sorgenfreies Seglerdasein, auch wenn im Winter die Boote auf unterschiedlichen Werften in Potsdam untergebracht werden müssen, weil noch kein Bootshaus vorhanden ist. Die raue Wirklichkeit aber bleibt nicht außen vor, denn schon nach der ersten Segelsaison am eigenen Steg wird im Oktober "von oben" festgelegt, dass die Pädagogische Hochschule den "Seekrug" mit seinem Gelände dem (Staats-)Sportclub Dynamo (SC Dynamo) zu übergeben hat. In Potsdam wird also an dieser Stelle die Sportgemeinschaft Dynamo (SG Dynamo), Sektion Rudern, ihren Standort erhalten. Das bringt für die Sektion Segeln der HSG große Einschränkungen mit sich: Der Landstreifen der Segler wird vom Gelände des "Seekrugs" abgetrennt, die Benutzung des Klubhauses ist nicht mehr möglich. Schluss mit der Idylle. Herr Dr. Weise, der anfängliche Sektionsleiter, tritt im Sommer 1957 aus der Sektion Segeln aus und der Sportfreund Rudolf Schroeter übernimmt die Sektionsleitung. Die Zahl der Mitglie-der erhöht sich im Jahr 1958 auf 40, die 20 Bootsstände sind alle besetzt.
Neben den bis hier hin geschilderten Entwicklungsphasen der Sektion Segeln, die viel Kraft und Zeit kosten, wird auch gesegelt! Es bildet sich Anfang der 60er Jahre eine H-Jollen-Gruppe, die fast alle Preise auf Regatten der Kreis- und Bezirkebene ersegelt.
Erst 1961 wird aus Totomitteln der Sektion Segeln Geld zur Verfügung gestellt, von dem zwei Bootshallen gebaut werden. Die Planung und Leitung dieses Bauvorhabens liegt wieder in den bewährten Händen von Walter Bernhardt. Das Geld ist knapp, deshalb werden von den Segelfreunden viele hundert Aufbaustunden geleistet, um die beiden Hallen zu errichten. Damit ist es erstmalig möglich, die Boote auf dem eigenen Gelände zu überwintern. Das war am 30. April 1961. Dreieinhalb Monate später wird die Mauer um Berlin gebaut, was für die Sektion Segeln der BSG Rotation, die in der Nähe der "Brücke der Einheit" ihren Steg hat, bedeutet, dass sie ihr Gelände räumen muss. Die Segelboote werden auf die Sektionen in der Stadt verteilt. Selbstverständlich hilft auch die Sektion Segeln der HSG und stellt Platz für die Überwinterung der Boote zur Verfügung. Diese gegenseitige Hilfe unter den Seglern ist für das Überleben der Vereine in dieser Zeit von großer Bedeutung. Wie wichtig sie ist, werden später auch die Hochschulsegler am eignen Leib zu spüren bekommen.
Inzwischen sind die Kinder der Segelfreunde so groß, dass sie in der Lage sind, selbst zu segeln. Mitte der 60er Jahre werden deshalb 5 Optimist-Jollen und eine Cadet-Jolle angeschafft. Außerdem werden zwei der volkseigenen Piratenjollen Jugendlichen zur ständigen Nutzung und Pflege übergeben. Durch gute Anleitung und Betreuung werden die Kinder der Sektionsmitglieder zu erfolgreichen Seglern. Besonders nennenswerte Leistungen der Jugendlichen der Sektion Segeln der HSG Wissenschaft sind die DDR-Meistertitel von Christine Schroeter 1968, Bärbel Schroeter 1969 im Cadet und Bärbel Schroeter und Simone Tietz 1978 im 420er der Frauen. Peter Ganzert wird aufgrund seiner seglerischen Leistungen ins Trainingszentrum Potsdam und später zur Sportclub Berlin-Günau (SCGB) delegiert. Dort segelt er erfolgreich in der DDR-Mannschaft. 1993 krönt er seine Laufbahn als Finnsegler mit dem Titel "Deutscher Meister". Heute ist er Landestrainer von Baden-Württemberg. Da die Sektion Segeln der HSG Wissenschaft der Pädagogischen Hochschule Potsdam angeschlossen ist, sind auch Studenten der Hochschule mit im Verein. Bereits in den 60er Jahren segeln Studentenmannschaften erfolgreich auf drei Piratenjollen.
Die letzten DDR-Studentenmeisterschaften werden 1987 von der Sektion Segeln der HSG erfolgreich in Potsdam auf dem Unteren Templiner See ausgerichtet.
Im Jahr 1974 übernimmt Rudolf Schroeter das Amt des Vorsitzenden der Kampfrichterkommission im Bezirk Potsdam. Das zieht nach sich, dass in den folgenden Jahren der Kern der Wettfahrtleitungen für sieben DDR-Meisterschaften in Binnenrevieren und auf der Ostsee durch die Sektion Segeln der HSG gestellt wird. Die letzte von einer Stammmannschaft aus der Sektion Segeln organisierte DDR-Meisterschaft findet 1988 auf der Müritz statt. Unterstützung finden die Potsdamer Segler regelmäßig bei den Brandenburger und Fürstenberger Seglern und Segelsektionen, die in der Nähe der Müritz ihren Sitz haben.
Die Sportfreunde Dieter Ganzert und Heinz Abromeit sind aktiv im KFA tätig und organisieren Revierregatten und Fahrtensegelwettbewerbe.
Im Jahr 1978 macht sich die SG Rudern vom Sportclub Dynamo noch breiter und vertreibt auf hinterhältigste Weise die Segler vom gesamten Gelände. Später wird sich herausstellen, dass diese Aktion völlig gesetzeswidrig war. Aber da sind der Steg und die zum Teil von den Seglern privat finanzierten Bootshäuser der HSG-Segler schon geschleift. Als Ersatz wird ihnen ein Stück sumpfige Uferzone auf der Halbinsel Hermannswerder übereignet, das weder eine Zufahrt, noch Elektro- und Trinkwasseranschluss, keine Slipanlage und keine Bootshallen hat. Lediglich ein Steg wird gerammt und der Sektion zur Verfügung gestellt. Drei Jahre stehen die Segelboote im Freien auf verschiedene Sektionen in Potsdam verteilt. Der "Trägerbetrieb" Pädagogische Hochschule Potsdam unterstützt seine Sportgemeinschaft aus egoistischen Gründen nicht, denn sie versucht die Situation für sich auszuschlach-ten, in dem sie ein Wassersportobjekt für den Studentensport plant, in dem die Segler nur stören. Erst nach unermüdlichen Verhandlungen und endlos vielen Aufbaustunden erhalten die Segler 1981 eine Halle und eine neue Slipanlage. Sofort ist die Sektion Segeln wieder aktiv und richtet im gleichen Jahr die Vergleichskämpfe der Segelsport betreibenden Hochschulen aus. Die Potsdamer Studenten belegen dabei den 1. Platz in der Mannschaftswertung. Diese Ergebnisse machen stolz, denn immerhin sind Teilnehmer traditionsreicher Segler-hochburgen wie die DHfK Leipzig, die HSG Rostock, die HSG Wismar, die Ingenieurschule für Seefahrt.

Nach der Wende wird die Hochschulsportgemeinschaft Wissenschaft über Zwischenstationen zum Universitäts-sportverein Potsdam e.V. (USV). Das Sportgelände auf Hermannswerder wird von der Hoffbauer-Stiftung zurück-verlangt, und die Segler stehen wie vor 20 Jahren wieder vor einem Neuanfang. Probleme bereiten die unklaren Pacht- und Eigentumsverhältnisse des gesamten Sportgeländes und die vorläufige sehr hohe Pacht. Trotzdem erzielen die Segler gute Leistungen. Die Segelfreunde Dieter und Christian Senst fahren in ihren OK-Jollen in Deutschland in der Spitze mit und sind mehrmals Teilnehmer an Welt- und Europameisterschaften.
Die 50jährige Geschichte der Abteilung Segeln im USV wurde im wesentlichen durch die Sportfreunde Rudolf Schroeter als Gründungsmitglied und langjähriger Sektionsleiter, Jürgen Saupe, ebenfalls als langjähriger Sektionsleiter und Stellvertreter des Sektionsleiters, und die Sektionsleiter der letzten 20 Jahre Fred Scheppe und Wolf-Dieter Kerl geprägt. Die von ihnen erzielten Leistungen wurden aber nur erreicht, weil sie jederzeit auf die Unterstützung durch einen aktiven Verein, dem sie vorstanden, bauen konnten.
Natürlich ist in den 50 Jahren seit Gründung der Abteilung Segeln des USV wesentlich mehr geschehen, als sich in diesem kurzen Beitrag darstellen lässt. Besondere sportliche Leistungen wechselten sich ständig mit politischen Querelen ab. Wer sich für die Einzelheiten dazu interessiert, dem sei die reich bebilderte Festschrift empfohlen, die beim Abteilungsleiter Segeln des USV Dieter Kerl gegen Erstattung der Herstellungskosten erhältlich ist. cpi

Fotos: Klaus Parnow (6), Frank Praetsch (1)