Anfang Einführung | Skripte | Definitionen | Beiträge Studenten | Virtual Campus

Einführung in die Russistik

Die russische Sprache als System (II) - die morphologische Sicht

Die Morphologie wird wie die Syntax in der Russistik traditionell der Grammatik zugeordnet, wobei "Grammatik" sowohl das Objekt (den "grammatischen Bau") als auch die Beschreibung und Erklärung des Objekts (die "Lehre vom grammatischen Bau") bedeuten kann.

So wie man sich für die Phonetik als kurze Einordnung einprägen kann, daß sie die Lehre von den Lauten, die Lautlehre ist, kann man sich für die Morphologie einprägen, daß sie die Lehre von den Formen, die Formenlehre ist.

Selbstverständlich ist die Sache auch hier viel komplexer. Es scheint daher für das Einprägen von wesentlichen Zusammenhängen in der morphologischen Sicht nicht unzweckmäßig davon auszugehen, daß es die erste Aufgabe der Morphologie ist, die sprachlichen Mittel zu beschreiben, durch die das Wort verändert wird, daß diese Aufgabe aber nur bewältigt werden kann, wenn die Morphologie auch Ordnungen in zwei Richtungen vornimmt:

  • Sie muß den Form-Bedeutungs-Zusammenhang bzw. Form-Funktions-Zusammenhang der sprachlichen Mittel verallgemeinert in Gestalt von grammatischen (morphologischen) Kategorien abbilden und
  • sie muß die Aussagen zu den Veränderungen von Wörtern inbezug auf Klassen von Wörtern treffen.

Somit fallen in den Aufgabenbereich der Morphologie drei Dinge

  1. die Beschreibung der grammatischen Struktur der Wörter einer Sprache, die "Morphemlehre",
  2. die Beschreibung der grammatischen (morphologischen) Kategorien einer Sprache, die "Kategorienlehre",
  3. die Beschreibung der Wortarten einer Sprache, die "Wortartenlehre".

Gegenstand der Morphologie ist somit die Untersuchung und Charakterisierung des Wortes als grammatische Einheit in seiner formalen Veränderlichkeit und Unveränderlichkeit (in Abgrenzung zur Lexikologie, die das Wort als Bedeutungseinheit und Bestandteil des Wortschatzes sieht, und in Abgrenzung zur Syntax, für die das Wort Baustein des Satzes ist).

Als grundlegende Beschreibungseinheiten der Morphologie muß man die Bausteine der Wörter, die Morpheme (Moneme) und die Wortformen ansehen. Die Gesamtheit der möglichen Wortformen bildet bekanntlich das sog. Paradigma eines Wortes. Diese Gesamtheit der Wortformen ist somit im morphologischen Sinne das Wort.

 

In universitären Kursen werden in der Morphologie inbezug auf das Russische zumeist folgende Themen abgehandelt:

  1. Einführung
    • Gegenstand, Aufgaben, Einheiten der Morphologie
    • Zusammenhänge mit anderen Teildisziplinen der Sprachwissenschaft
    • Wortarten im Russischen
      • Invariante Merkmale von Wortarten
        • lexikalisch-grammatische Allgemeinbedeutung
        • morphologische Kategorien und Paradigmen
        • syntaktische Funktion
      • Das System der russischen Wortarten
      • Erscheinungen von Wortartenwechsel
    • Die morphologische Struktur von Wörtern
      • Grundtypen von Morphemen, Affixe und Interfixe
      • Morphemvarianten
      • Der Wortstamm
      • Synthetische, analytische und suppletive Formmittel
    • Grammatische (morphologische) Kategorien
      • Unterschiedliche Auslegungen des Kategorienbegriffes
      • Morphologische vs. lexikalisch-grammatische (klassifizierende) Kategorien
      • Beziehungen zwischen den Gliedern morphologischer Kategorien
      • Allgemeinbedeutung und spezielle Bedeutung morphologischer Kategorien
      • Grammatische (morphologische) Kategorien und funktional-semantische Kategorien
  2. Die Autosemantika
    • Die flektierbaren Autosemantika
      • Das Verb
        • Charakterisierung des Verbs als Wortart
        • Grammatische Einteilung des Verbalbestands (Vollverben und Hilfsverben)
        • Lexikalisch-grammatischen Gruppierungen (transitive/intransitive Verben; terminative/aterminative Verben)
        • Produktive Verbalklassen und unproduktive Verbalgruppen
        • Paradigmatik des Verbs
          • finite und infinite Formen
          • Konjugationstypen
        • Genuine Verbalkategorien
          • Aspekt
          • Genus verbi
          • Tempus
          • Modus verbi
          • Person
        • Übernommene Kategorien
          • Genus, Numerus
      • Das Substantiv
        • Charakterisierung des Substantivs als Wortart
        • Lexikalisch-grammatischen Gruppierungen (Eigennamen und Gattungsnamen...)
        • Paradigmatik des Substantivs
          • deklinierbare und nichtdeklinierbare Formen
          • Deklinationstypen
        • Kategorienbestand des Substantivs
          • Genus
          • Numerus
          • Belebtheit/Unbelebtheit
          • Kasus
      • Das Adjektiv
        • Charakterisierung des Adjektivs als Wortart
        • Lexikalisch-grammatischen Gruppierungen (Qualitäts- und Beziehungsadjektive...)
        • Paradigmatik des Adjektivs
          • deklinierbare und nichtdeklinierbare Formen
          • Kurz- und Langformen
          • prädikative und attributive Formen
          • Deklinationstypen der Adjektive
        • Kongruenzkategorien
          • Genus, Kasus, Numerus
        • Genuin adjektivische Kategorie
          • Komparation
      • Das Numerale
        • Charakterisierung des Numerale als Wortart
        • Klassifizierung des Numerale (nach Semantik und Struktur)
        • Die Grundzahlwörter
        • Die Bruchzahlwörter
        • Abgrenzungen (gegenüber Ordnungszahlwörtern, unbestimmten Quantitätswörtern)
      • Die Pronomen
        • Charakterisierung des Pronomens als Wortart
        • Klassifizierung der Pronomen
        • Deklination der Pronomen
        • Verwendung der Pronomen
    • Die unflektierbaren Autosemantika
      • das Adverb
        • Charakterisierung des Adverbs als Wortart
        • Klassifizierung
        • Wortartenübergänge/Wortarten in der Funktion von Adverbien
      • das Modalwort
        • Charakterisierung des Modalworts als Wortart
        • Klassifizierung
        • Wortartenübergänge/Wortarten in der Funktion von Modalwörtern
      • das Zustandswort
        • Charakterisierung des Zustandsworts als Wortart
        • Klassifizierung
        • Wortartenübergänge/Wortarten in der Funktion von Zustandswörtern
  3. Die Synsemantika
    • Konjunktionen
    • Präpositionen
    • Partikeln
  4. Die Interjektionen

Anfang Einführung | Skripte | Definitionen | Beiträge Studenten | Virtual Campus
Copyright © 1997 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
[Letzte Aktualisierung: 16.04.2006 8:13 PM ]