Einführung in die Russistik

Stichwort "Slawisch"

"Slawisch: Sprachzweig innerhalb des Indoeuropäischen, der mit den baltischen Sprachen eng verwandt ist. Als Grundlage der Verwandtschaft der einzelnen Sprachen untereinander wird eine urslawische Entwicklungsperiode vorausgesetzt (etwas 2. Jahrtausend v.u.Z. bis 5.-6. Jh. u.Z.). Danach erfolgte eine weitere Differenzierung in Ost-, West- und Südslawisch. Zum Ostslawischen gehören das Russische (seit dem 10./11. Jh. belegt, mit einer Periode des Altrussischen bis zum 17. Jh.), das Ukrainische und das Belorussische (früher meist Weißrussisch genannt). Die Auflösung des Ostslawischen in Russisch, Ukrainisch und Belorussisch erfolgte im 13. - 14. Jh. Das Westslawische umfaßt Tschechisch, Slovakisch (als Schriftsprache seit dem 18. Jh.), Polnisch, Ober- und Niedersorbisch (nationale Minderheit der Sorben in der Lausitz) sowie das Polabische od. Elbslawische (am Unterlauf der Elbe, ausgestorben; Reste bis 1. Hälfte des 18. Jh. erhalten) und das heute noch als polnischer Dialekt erhaltene Kaschubische und das Slowinzische (ebenfalls ausgestorben). Das Kaschubische und das Slowinzische werden auf Grund ihrer vermutlichen geographischen Verbreitung (Pommern und östliches Mecklenburg) oft unter der Bezeichnung Pomoranisch od. Ostseeslawisch zusammengefaßt. Zum Südslawischen gehört das Bulgarische, das Serbokroatische, das Slowenische und das Makedonische. Auch das Altslawische als älteste slawische Schriftsprache ist in diese Gruppe einzuordnen."

Conrad, R. (Hrsg.). Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1985, 214.


"Altslawisch,auch Altkirchenslawisch, früher Altbulgarisch: älteste slawische Schriftsprache; belegt seit der zweiten Hälfte des 9. Jh. u.Z., fast ausschließlich in Übersetzungen kirchlichen Schrifttums aus dem Griechischen. Wurde wegen der altbulgarischen Dialektgrundlage früher Altbulgarisch genannt. Die Bezeichnung Altkichenslawisch bezieht sich auf die liturgische Verwendung (Kirchenslawisch). Das Altslawische spielte eine bedeutende Rolle bei der Herausbildung der russischen Literatursprache. Vgl. auch Slawisch."

Conrad, R. (Hrsg.). Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1985, 23f.


"Kirchenslawisch: vorwiegend lautlich abgewandelte Form des Altslawischen, die in slawischen und auch einigen nichtslawischen Ländern (Rumänien, Litauen) als Kirchensprache verwendet wird."

Conrad, R. (Hrsg.). Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1985, 116.


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Letzte Aktualisierung: 24.04.2015 12:04 PM

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